So entstanden „Poahlbürger“ - Schnadegang der Heimatvereine

Tönnishäuschen - Weil die südlichen Grenzen rund um Ahlen in den vergangenen Jahren „abgelaufen“ wurden, zog es den Heimatförderkreis für westfälische Tradition, den SGV-Heimatverein und die Abordnungen aller umliegenden Heimatvereine am Freitagnachmittag in den Norden – nach Tönnishäuschen.

Die Volkstanzgruppe des Heimatförderkreises führte im Ortskern von Tönnishäuschen volkstümliche Tänze auf. Der Vorhelmer Heimatverein hatte die Abordnungen aus den umliegenden Gemeinden zum Abschluss am Landgasthof eingeladen.

Unter der Federführung des Heimat-Förderkreises für westfälische Tradition und des SGV-Heimatvereins Ahlen kamen am Freitagnachmittag die benachbarten Heimatvereine am Landgasthof Tönnishäuschen zusammen, um während eines Schnadegangs eine Stele mit Messingtafel zu enthüllen.

Die Wanderung führte die „Schnadeloipers“ bei bestem Sommerwetter nach zwei Kilometern zur Angel an die Grenze zu Ennigerloh-Enniger. Dort wurde die vom Steinmetzbetrieb Ulrich Magera erstellte Stele enthüllt. Alfred Thiemann , stellvertretender Vorsitzender des SGV-Heimatvereins Ahlen, wies in seiner Rede darauf hin, dass ein Schnadegang vor der Erfassung von Grenzziehungen in amtlichen Katastern dazu diente, unveränderte Grenzverläufe zu überprüfen. Bestehende Grenzstreitigkeiten konnten während dieser frühen Schnadegänge oftmals schnell beigelegt werden.

Der Begriff Schnad wird vom altgermanischen „snahd“ abgeleitet. Es bedeutete, einen Schnitt zu machen. Als Grenzverläufe wurden zunächst üblicherweise die in der Natur gegebenen Waldschneisen, Bäche, Hecken oder Gräben herangezogen, später übernahmen Grenzsteine diese Funktion.

Auch der Begriff „Poahlbürger“ hängt eng mit diesen Schnadegängen zusammen. Neubürger wurden bei den Wanderungen „gepoaläst“, also mit dem Hinterteil („Äs“) auf den Grenzstein gesetzt. „Damit gehörten sie fortan zu den Paoahlbürgern“, beschrieb Alfred Thiemann die Prozedur.

Mit der amtlichen Erfassung der Grenzen wurde der Schnadegang zeitweise sogar verboten und geriet dadurch auch in Vergessenheit. Umso mehr sind die heutigen Schnadegänge zu einem wichtigen Bestandteil der Traditionspflege in den Heimatvereinen geworden.

Aus dem Ahlener Bereich nahmen auch die Heimatvereine aus Vorhelm und Dolberg teil, mit über 80 Teilnehmern war die Veranstaltung sehr gut besucht. Nicht minder stark vertreten waren die Gäste aus Enniger und Sendenhorst.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss übernahm neben Udo Wagener vom Heimatförderkreis die Begrüßung der Abordnungen. „Schnadegänge sind eine Tradition, bei der das Münsterland in seiner Schönheit und Grenzenlosigkeit entdeckt werden kann.“

Das Treffen der Heimatvereine klang am Landgasthof Tönnishäuschen beim Grillen unter schattigen Lindenbäumen aus. Die Tanzgruppe des Heimatfördervereins Ahlen unterhielt die „Schnadeloiper“ zudem mit volkstümlichen Tänzen auf dem Dorfplatz vor dem Lokal. Als Kiepenkerl fungierte außerdem Dieter Redemeyer. Die Vorstandsmitglieder der Ausrichter – Udo Wagener, Christa Bücker, Christa Schwab und Heinrich Kemper – zogen am Abend eine sehr gute Bilanz: Aufgrund des Sommerwetters hatten sich auch zahlreiche interessierte Gäste unter die Abordnungen gemischt.

So kann das Münsterland in seiner Schönheit und Grenzenlosigkeit entdeckt werden.

 

Rita Pöppinghaus-Voss

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