Gesundheitswesen

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Apotheke


1809 A 372

Unterpräfekt Hamm an den Maire zu Sendenhorst

In mehreren Apothequen herrschet die Gewohnheit, Liqueure, Brandtwein u. d. an eintredenden Gäste zu schenken, so da'die Apotheque oft eher eine Schenkstube als einer Officine gleichet. die Verfertigung der Recepte wird hierdurch nicht nur vernachlässiget, sondern Fremden können auch sehr leicht Unordnungen in der Arzneien un deren Dispensierung veranlassen

Aufforderung, dem Einhalt zu gebieten


1810 A 372

Personalbogen: Maximilian Friedrich Oesterlinck aus Wolbeck gebürtig, 33 J. Apotheker, examiniert und approbiert zu MS am 18. V. 1809; conduite excellent


1810 IX 30 Hamm

Visitationsbericht der Apotheque zu Sendenhorst durch den Physicus des Arrondissements Hamm Pröbstin:

Diese ist im vorigen Jahre erste etabliert, trägt noch das Bilde des Entstehens in sich und hat noch bedeutende Mängel.

bemängelt werden vor allem fehlende Fachbücher (Pharmacopora Borussica), die Arzneitaxe, Medizinaledkt;

fehlende Arzneien, Bezeichnungen

Laboratorium nicht ausgebaut, Materialkammer fehlt, Giftschrank nicht vorhanden

Apotheque liegt am Eingang ins Haus linker Hand, wird durch 2 Fenster hinlänglich erhellet, hat in der Mitte einen feststehjenden Receptur-Tisch, ist 15 Fuß hoch, 14 Fuß lang und 10 Fuß breit

Zu den Seiten des Corporis Chymici sind die simplicia befindlich. Die Radices, ligna, Cortices, Herba et flores sind in hölzernen Schubladen, mit beschriebenen Schildern. Die Gummata resinae Semina und übrigen einfachen Arzney Körper in hölzernen Büchsen, welche aber noch nicht mit Oelfarben beschreiben, noch nicht ordentlich bezeichnet sind, sondern blos auf einem Streifchen Papier den Namen der darin enthaltenen Arzney Cörper enthalten.

Waagen und Gewichte sind in einem accuratem Zustand, ist die Reinlichkeit in der Apotheque nicht zu verkennen ...

Das Laboratorium ist auf der Flur unter dem Schornstein befindlich enthält eine Destillier Blase mit zinnernen Helm und Röhr; einigen Cappelen, es fehlen in demselben aber noch meherer Utensilien, die der Herr Beistzer der Apotheque aber anschaffen wird, so wie er auch gesonnen ist, das Laboratorium noch zu verbessern, eine Material Cammer einzurichten, einen Giftschrank anzuschaffen und einen eigenen Keller zur Pharmaceutischen Praeparate, für Oele, Tincturen, Salben etc.

Bey der Prüfung der einzelnen Arzney Mitteln zeigte sich, daß noch viele fehleten, die in einer vollständigen Apotheque vorhanden sein müssen:

Acetum concentratum destillatum

Sodenticum

Lucida (unrein)

Ammonium murcaticum (untauglich)

Der Arsenick befand sich zwischen den übrigen Arzney Mitteln, wurde aber fort vorsichtiger aufbewahrt.

Catecha

Ecoatum

Aernginis

Cort-Ganjaci

Almiquas fiae fehlten sowie auch

Electuoria und

Elixiria

Emplastrum corthoridum perpetuum

Cerussae

corii foetidum hydraoggri

melilote

Saponatum

Sulphuoratum fehlten

Von den Extracten waren nur 31 Cub trifolii vorhanden.

fol. taori

instpissatum

ferrum orgelolatum nigrum

Folium aurantii

folium urae ursi

gummigutti

Herba abrotani

chenopodii

gratiola marrubii violaae scolario

Kali aceticum

carbonicum

citratum

und sämtliche liquores fehlten.

Bloß liquor ammonii caustici war vorräthig und gut.

Magnesia Sulphorica war meist Glauber Salz, die wässrige Auflösung desselben wurde durch Kali auflösung nicht getrübt.

Nuces romicae

moschatae

ol. absinthii coctum

ol. cacao coc.

Ol. Ricini

Hyoscinami

Opium uxgm,

Solicitum und

Aeruginis

Rad. belladonnae

resina jalappae

sämtliche Seifen Scarmoricum

stibium oxydatum album

Spongia usta tartarus boraxatus

natronatus

Tinctura benzoes contharidum und

ferri pomatum waren nicht vorhanden.

Acetum Saturnium war braun von Farbe.

Acidum tataricum an der Luft zerflossen-

Die Conthariden staubicht

Die vorhanden Emplastae nicht gut malacerirt

ferrum pulveratum rostfarben

oleum cargophyllorum

Oleum de Cad. waren mit Terpentin Oel vermischt

die übrigen vorhandenen Arzney - Mittel waren von guter Beschaffenheit und in einer solchen Menge vorhanden, wie es der Umschlag erlaubt oder fordert.

Actum ut supra Proebsting, M F Oesterling, der Maire Langen



Österling rechtfertigt sich, er habe nur die Arzneien vorrätig, die von den Ärzten verschrieben würden. Vieles was verlangt, habe er in seiner 10jährigen Tätigkeit in MS niemals gebraucht. In den kleinen Städten setzt man nicht den 4ten Theil der Artikeln von Waaren ab, als in großen Städten

hierzu Auszüge aus der Rechtfertigung:


1810 Nov 14

Der Apotheker M F Oesterling an den Herrn Director der Municipalität.

... Den 14. Okt 1809 habe ich mich hier etabliert, wie ich aber mit meiner Etablissement zustande war, hielte ich am zweckmäßigten mich diejenigen Artikeln von Waaren anzuschaffen, welcher die Ärzte und Chyriurgen in dieser Gegend zu verordnen pflegen. Das übbrige hielte ich für überflüssog aus der Usache, weilen sie auf die Länge der Zeit dem Verderben unterworfen sind, besonders wenn kein Abgang stattfindet. In kleinen Städten setzt man nicht den 4ten Theil der Artickeln von Waaren ab, als in großen Städten und was eigentlich in der Officin vorräthig in großen Städten gehalten werden muß, würde mir der Verdienst nicht länger voerzögern, wenn ich Abgang finde dieselbe anzuschaffen. Bey der gehaltenen Visitation wurden folgende Artickeln verlandt, die ich aus meiner 10jährigen Thätigkeit aus Münster nie zu erinnern weis, daß dieselbe dorthen im Officin waren, Als (folgt Liste lat. Namen)



1811 IV 18 A 587

Apotheker Oesterling, Sendenhorst

Liquidation über die von mir für die Armen gelieferte Medicamente.

Oesterling bittet den Communal-Empfänger Suermann um Anweisung


1817 X

Ankündigung einer Visitation der Apotheken des Kreises in den Orten Ahlen, Beckum, Oelde, Ksp Liesborn, Sendenhorst


1818 IV 2

In dem heutigen Termine wegen Visitation der Apotheke des Herrn Oest erling hieselbst fand sich der eingeladene Herr Arzt Hase im Person ein, und nachdem die landr. Verfügung noch mals vorgelesen worden, wurden die angegebenen Mängel ad 1 2 3 4 und 5 nicht mehr vorgefunden und referirte der Herr Oesterling af 6, daß er das vorgeschriebene feuerfeste Laoratorium in diesem Frühjahre anzulegen beabsichtige, indem ers ihm unmöglich gewesen, diesen Winter solches anfertigen zu lassen.



Apotheker Rose


1818 X 10

Gesuch des Apothekers Carl Rose um das Bürgerrecht zu erlangen und für mich um die fernere Concession bey der kgl Hochlöblichen Regierung anzutragen

(Rose: aus Hildesheim 32Jahre alt, zuletzt Provisor in der Apotheke des Herrn Apothekers Hülsemann in Lippstadt)

Vorgelegte Zeugnisse:

a) Lehrbrief d. d. Elze 25. Sept 1808

b) Attest des Herrn Apothekers Seitz zu Luxemburg, 1811

c) Attest Apotheker Hülsemann, Lippstadt, 1818

d) Geburtsschein geb. 7. May 1787 zu Hildesheim

e) Attest Bürgermeister Lohde, Hildesheim 1814 wegen Befreiung vom Militärdienste


1819 Abschrift der Approbationsurkunde für Apotheker Rose A 934

Da der Candidat der Pharmazie Carl Rose, welcher entschlossen ist, sich als Apotheker in Sendenhorst niederzulassen, die Apothekenkunst gehörig erlent, auch mehrere Jahre als Gehülfe conditionirt und bey dem vom Collegio medico zu Münster mit ihm abgehaltenen Prüfung gute pharmaceutische Kenntisse bewiesen hat, so wird derselbe hiedurch mit Kraft dieses als Apotheker zu Sendenhorst dergestalt und also approbiert, daß er, einem zu leistenden Eide gemäß den Königlichen publicirten Medicinal-Edicten aller unterthänigst gehorsamst nachleben müsse.

Berlin, den 4ten Seeptember 1819

LS

Ministerium des geistlichen Unterrichts und der Medicinal Angelegenheiten

gez. Alberstein


1818 Oct 11 Publicandum Bürgermeister Langen:
Nach einer beym hiesigen Magistrat gestern gemachten Anzeige hat der Herr Apotheker Oesterling seine Apotheke mit Haus und Hofraum an den Herr Apotheker Carl Rose von Hildesheim abgetretten respec. verkauft, indem ich diesen des Eingesessenen der Stadt Sendenhorst und Umgebung bekannt mache, habe ich noch zugliehc auf besonderes ersuchen des Herrn Rose hiedurch öffentlich bekannt machen wollen, daß der Herr Rose sich berufen wird, sich mit alle mögliche Arzneymittel einer Apotheke in großen Städ­ten erheblich zu versehen, und verspircht dabey die billigste Behandlung, welche durch Erfahrung näher bewährt werden würde.


10.05.2018


1819 Mertz 29

Visitation der Apotheke zu Sendenhorst

In dem heutigen Termin wegen Visitation der hiesigen Apotheke fande sich der eingeladene Herr Medicin Doctor haas in Person ein; auch gestellte sich der Herr Rose als Ankäufer und jetziger Besitzer der hiesigen vormals Oestelingschen Apotheke.

Der Herr Rose legte den Herrn Haas das Privilegium, Pharmacopoa Borussica, die Arzneytaxe, das Medicinal Edict, die revidirte Apotheker Ordnung, das Herbarium vivum, die Giftcontrolle, das Elaborationsbuch, das Waarenbuch und mehrere pharmaceutische Werke. Hierauf wurde die Apotheke selbst untersucht und jeder einzelen Theil vorgenommen, welche so wie sie seyn sollten befunden wurden, und war die Ordnung in demselben wie folgt:

Die drey obersten Reihen waren hölzerne Büchsen und mit theils ganzen theils mit gepulverten Substanzen versehen; und die letzten von denen die leicht ihre Wirkung verlieren, sind überdem noch in gut verstopften Gläsern, dann folgen in einer Abtheilung die Salze, Erden pp. in fest mit Blase und Leder verbundenen Zuckergläsern; hierneben befinden sich zwey Schränke mit Tincturen; dann drey Abtheilungen mit porcelainenen Gefäßen, Confecte, Conserven; Extrac, Salben pp ebenfals mit Blase und Leder verbunden enthalten; hierzwischen sind zwey Schränke, worinn in einem die trockenen Chemicalien und in den anderen die äterischen Oele und sonstigen theuren Medicamente verwahrt sind; dann folgen Wässer und unter diesen sind die Blumen und Kräuterkasten angebracht; auf der anderen Seite stehen in zwey Abtheilungen die Pflaster, Hölzer, Rinden und Wurzelkasten, und über diese eine Partie neue Mörser. Der Receptortisch ist mit 32 Kasten,die alles, was zum Receptiren mit Ausnahme der Arzneyen, ferner mit einen Gitter auf derselben mit einer gut ziehenden Tarirwaage und über denselben mit echt hörnernen Wagen von verschiedener Größe versehen.

Alle Opiate, Narcotica, Drastica, Cloida u. d. g. haben ihre geeignete besondere Plätze.

Auf der Materialkammer enthalten eine große Jehr (?) geschmackvoll neue Menge Fässer, die mit gut schließenden Deckeln versehen und die rohen und trockenen Arzneyen enthalten; alle übrigen sind wie in der Apotheke gut verwahrt und ebenso abgesondert.

Der Keller enthält die destilirte Wässe, Spirituosen, Säfte, Salben pp, ebenfals zweckmäßig eingetheilt. Die Gifte sind in einem besonderen Zimmer, in einen Schrank und Kasten, die säntlich verschlossen verwahrt. Das Laboratorium ist neu an der Rückwand des Schornsteins angelegt, und mit den nöthigen Gerätschaften versehen, worauf dann endlich der Herr Rosen eben ein Atteste vom 25. Februar d. J. übergab, wonach derselbe beurkunde, daß er auf 2 Jahr die Apotheker des Herrn Durseler zu Wickradt treu verwaltet habe, imgleichen sein Curiculum vita (Lebenslauf) und bath nunmehr höheren Orts zu bewirken, daß er zum Examen zugelassen werde.

gez. A Haas, med. Dr. Merx, Langen


1819 April 17 WAF

Urtel Dr. Johanknecht: die vorgezeigten Arzneimittel sehr gut, und an den Herrn Apotheker Rosen einen sehr thätigen Mann gefunden.


1832 I 12 Bürgermeister Marcus:

Im hiesigen Bezirk nur ein Eingesessener evangelischer Confession, nämlich der Apotheker Rose, dessen Frau und Kinder aber katholisch sind


1838 III 10 A 844

Rose hat Apotheke verkauft; Hinweis, Vorlage von Rezepten für Arme durch den vormaligen Apotheker Rose



Apotheker König


1839

Hypothekenschein

Das sub No Catastri in Sendenhorst gelegene Wohnhaus nebst dem dahinter gelegenen Garten und dem auas demselben nach der Straße Schlobberpohl führenden Weg hat der Apotheker Carl König inhalts not. Vertrages vom 9ten September 1839 von dem Tagelöhner Wilhelm Stumpe für 800 Thaler angekauft.

Das Objekt hat Albert Stumpe im Jahre 1803 für 285 Thaler von dem Wirth Johann Hch Suermann angekauft und sinem einzigen Kinde Wilhelm Stumpe überlassen,

Belastungen auf em Haus:

a) Kanon von 11 Schilling termino Martini an die Kirche zu Sendenhorst

b) an die Vicatie St Catharinae in Sendenhorst jährlich 1 Schilling

Versicherte Schulden; 2000 Taler verschuldet der Apotheker Carl König auf die Kaufsumme der von dem Apotheker Carl Rose erworbenen Apotheke (notarieller Vertrag vom 1. Aug. 1838)


1838 III 13 MS

Verkauf der Apotheke in Sendenhorst durch den Apotheker Rose an den Apotheker König. König erhält die Konzession zur Fortführung, wenn er die vollständige und tüchtige Einrichtung der Apotheke nach­weist. Darauf erfolgte Revision durch den Kreis-Physicus Dr. Fehr. Folgende Mängel wurden festgestellt:

1. Eine in der Offizin vorgefundene Tarirwaage und eine Handwaage sind nicht gehörig reguliert befun­den.

2. In einem im vorderen Teil des Receptur-Tisches angebrachten Schranke haben soch assa foetida, Mo­schus und stinkende Oel zusam­men aufgesetllt gefunden. Trennung!

3. Auf der Material-Kammer, die durch einen festen Verschluß vom übrigen Bodenraum zu trennen ist, ist die gehörige Ordnung und Trennung der Arzneikörper vermißt. Vor allem die Narcotica müssen gehö­rig in Fächern untergebracht und die mit Papier-Signaturen versehenen Gefäße mit \lfarbe bezeichnet wer­den.

4. Die auf dem Kräuterboden vorgefundenen alten, nicht mehr fest schließende Tonnen müssen ausgebs­sert oder neue angeschafft wer­den.


1838 VII 14 MS

Der Apotheker 1. Klasse Carl Ernst Bernhard König erhält Konzes­sion die von ihm gekaufte Rosensche Apotheke zu S, auf Lebenszeit fortzuführen, unter der Bedingung den publizierten kgl, Medizinal Edikten stets auf das genaueste nachzuleben.

König muß innerhalb von drei Jahren den Erwerbe eines eigenen, zweckmäßig gelegenen Hauses nachweisen und darin die Offizin voll­ständig und den Bestimmungen gemäß einrichten.


1854

Kgl Regierung, Abt des Innern: Antrag auf Einzug von Reisekosten-gelder wegen Nachrevision der Apotheker König, Sendenhorst und Speith, Olede durch den Meidicinal-Ass. Wilms und Kreisarzt Dr. Bernay (König hat 18 RThlr 15 Sg zu zahlen)


1883 I 3 Beckum

Vereidigung des Apothekers Bernhard Hubert Wulff (geb. Arnsberg) zu Sendenhorst (Approbation zu Berlin 1880); Auf ein Gesuch des Apothekers König mit der Verwaltung der Apotheke zu Sendenhorst betraut.


1883 IX 2 MS

Apotheker Albert Peus, Haltern, erhält von der Regierung die Kon­zession zur Fortführung der von ihm gekauften König'schen Apotheke zu S. (ab 1. X.)


1892 XII 11

Regierung fordert Feststellung der Vermögensverhältnisse, da der Apotheker Peus ein Gesuch um Zulassung zur Bewerbung um eine neue Apotheken-Concession gerichtet hat.


1892 XII 11

Bericht betr. Vermögensverhältnisse des Apothekenbesitzers Peus (nach Vorlage der Geschäftsbücher) Ermittlung des Geschäftsumfangs seit Übernahme der Apotheke durch Peus 1884

1884

4221 ausgestellte Rezepte, Gesamtumschlag 8489 Mark, Gewinn 3925 Mark

(Anm. in 1884 stand in der Umgegend von Sendenhorst der Strontia­nitbau noch in Blüte. Die dabei beschäftigt gewesenen Arbeiter er­hielten ihre Medikamen te in Sendenhorst.)


1885-1888

Rückgang der Rezepte auf 3409


1809 4160 Rezepte (Anm: Zu Anfang und Ende 1889 herrschten in Sen­denhorst Influenza-Epedemien)


1891 2463 Rezepte.

Bis 1890 wurden jährlich rund 3500 Rezepte angefertigt. Seitdem beginnt die Abnahme des Geschäftsumfangs wegen der Kneippschen Ku­ren, die 1891 zunächst der an dem Sendenhorster Krankenhause ange­stellte Arzt Schluthölter, später auch beide Sendenhorster Ärzte in ausgedehntem Maß anwenden. (Monat Okt 1892 nur 82, Nov. 80 Re­zepte).

Da Peus jährlich 1600 Mark Schuldenzinsen zahlen muß, bleibt ihm zum Lebensunterhalt für sich und seine Familie in 1893 nur ca 100 Mark.

"Eine wesentliche Besserung der Verhältnisse ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten...Es besteht keine Aussicht, daß das Ab­satzgebiet der Apotheke

sich sobald wieder über Stadt und Kirspiel Sendenhorst erweitern wird. Die beiden S. Ärzte sind zu alt, als daß sie die an jüngere Collegen verlorene Praxis in weiter gelegenen Ortschaften wieder erwerben könnten, ganz abgesehen davon., daß günstige Lebensver­hältnisse beide der Mühe überheben, den Lebensunterhalt durch neue beschwerliche Praxis zu erwerben.

Bleibt aber das Absatzgebiet der Apotheke im wesentlichen auf Stadt und Ksp Sendenhorst mit noch nicht 2800 Einwohnern beshränkt, dürfte sich auch unter den günstigsten Verhätnissen nicht im Stande sein, ihren Absatz zu erhöhen.

Den Reingewinn von 2945 Mark berechnet Peus wie folgt:

Gesamtumschlag 6508

abzuziehen:

Warenverbrauch, Droguen, Flaschen 2187

Verlust an Warenvorräten 80

Verschleiß von Apparaten 220

Fracht, Porto 50

Arbeits- Botenlohn 150

Heizung und Beleuchtung 100

Gebäudereparaturen 250

Feuerversicherungsprämie 61

Steuern 40

Verlustkonto 390

Erheblicher Teil des Reingewinns wird durch die Verzinsung der Schuldenlast verzehrt. Insgesamt 39.550 Mark geliehenes Kapital, sämtlich zum Erwerbr der Apotheke bzw. zur Abfindung der Geschwi­ster seiner Frau, deren Eigentum die Apotheke früher war (===>Apotheker Peus oo Tochter des Apothekers König)

Früher hätten die Sendenhorster Ärzte auch in Albersloh, Hoetmar und Enniger Praxis gehabt; daher hätte auch die Sendenhorster Apo­theke hier Umsatz gehabt.


1893 II 14

Regierung lehnt Gesuch des Peus um anderweitige Konzession ab.


1893 IV 22 Beckum

Auf ein weiteres Gesuch des Peus wird von MS Bericht über Verände­rungen angefordert. Beckum: Das Kneippsche Heilverfahren hat siet Dezember 1892 in Sendenhorst und Umgebung noch weietere Verbrei­tung erfahren und demgemäß ist der Geschäftsumfang der Apotheke noch mehr zurückgegangen.


1898 VII

Fortzug des Apothekers Peus; Neuwahl eines städtischen Beigeordneten


1898 VI 27 Reg MS

Apotheker August Pottmeyer erhält Erlaubnis zur Fortführung der käuflich erworbenen Peusschen Apotheke in Sendenhorst. "...erwarte, daß Sie sich angelegen sein lassen, werden, die Apo­theke in einem den medicinal-polizeilichen Anforderungen durchaus entsprechenden Zustande zu erhalten udn die in dieser Bezeihung bestehenden oder künftigen Vorschriften pünktlich zu befolgen."

Vereidigung durch den Landrat; Vorlage der Approbation


1906 IV 26 MS RP

Gemäß § 40 Apotheken-Betriebsordnung von 1902 wird dem Apotheker Pottmeyer bis auf Widerruf gestattet, sich nachmittags von 4 1/2 bis 6 Uhr aus seiner Apotheke zu entfernen, unter der Vorausset­zung, daß er im Bedarfsfalle innerhalb einer Stunde zurückgerufe werden kann.


1918 VIII 16 MS A 998

RP genehmigt, dap die Apotheke für die Dauer des Krieges täglich von 4 Uhr nachmittags bis 6 1/2 Uhr abends für den gewöhnlichen Verkehr geschlossen wird (Apotheker Pottmeyer)


1919 B244

Im Kreis vorhandene Apotheken:

Ahlen 2, Beckum, Oelde, Sendenhorst, Wadersloh, Ennigerloh


17.03.1920

Keine Besserung auf dem Arzneimittelmarkt. Preise sprunghaft gestiegen

Wegen Knappheit der Beständ begehrter Arzneimittel ist Preistreiberei zu beobachten; Regierung versucht einzudämmen


24.11.1921

Der "Kokainismus in Groß-Berlin"

nachts werden auf den Straßen Päckchen von 1 bis 6 g Kokain angeboten. Strenges Durchgreifen gefordert


28.05.1923

Warnung vor Tapeten, die gegen Ungeziefer mit Arsenhaltigen Kleister geklebt sind


10.05.1935 B 245

Antrag des Drogisten Schmidt auf Genehmigung zum Betreiben der "Kirch-Drogerie" wird vom Kreisarzt Dr. Geger wie folgt beurteilt: Antrag kann diesseits nicht befürwortet werden, da die Apotheke in Sendenhorst durch die Errichtung einer Drogerie empfindlichen Schaden erleiden würde

(LR gibt Genehmigung aufgrund des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels)


1937

Errichtung von Drogerien auf dem Lande hat ein für die Apotheken existenzbedrohendes Ausmaß angenommen. Die Landapotheken im Regbez MS haben ein so eng begrenztes Versorgungsgebiet, daß ihre wirtschaftliche Lage an sich schon besonders ungünstig ist. .. Daher strenger Maßstab bei der Neuzulassung von Drogerien



27.03.1939

Bericht Bürgermeister:

Betr Drogenverkaufsstellen

Im Stadtbezirk Sendenhorst ist eine Apotheke und eine gute Drogerie vorhanden. In Sendenhorst sind weitere Geschäfte für die Ausgabe von Heilmitteln nicht erforderlich. Weiter sind aber noch 2 Geschäfte vorhanden, die je einen Drogennschrank besitzen. Es sind dieses:

1. Tischlermeister, Kolonialware, Porzellan und Glashandlung Aloys Bartmann, Sendenhorst, Placken 41

2. Antreichermeister und Papier- und Fotohandlung Heinrich Hamels, Sendenhorst, Adolf-Hitler Str 25

Für diese beiden Drogeriehandlungen in Drogenschränken liegt absolut kein Bedürfnis vor,. Das beste Urteil wird Medizinalrat Dr Heger abgeben können


01.06.1939

"Entjudung von Apotheken"



1945 Mai 4

Apothekenverwalter Lohöfener gibt ausführlichen Bericht über die großen FEhlbestände an Tinkturen und Salben sowie Grundstoffen zur Selbstbereitung fehlende Verbandsmittel

Versuche, über die Liferfirma in Freckenhorst Ersatz zu bekommen schlugen fehlt. Als Grund wurde angegeben, daß die Kommandantur Warendorf die noch übrige gebleibenen Medikamente nach Möglichkeit im Kreise selbst belassen woille


23. V 1945 Reg Präs:

Mangel an Medikamenten zwingt zum Heilkräutersammeln (Schuljugend!)


23.01.1946

Chemische Werke Hüls teilen mit: Zu unserer Freude können wir mitteilen, daß wir nach dem Wiederanlaufen unsrer WErke neben unserer Buna-produktion auch die Herstellung folgender pharm. Mittel in usner Programm aufgenommen haben:

- Antiscabiosum N 15

- Finox (gegen Kopf- und Filzläuse)


06.03.1946

Revision der Drogenhandlungen

Hamels Heinrich Nuestr. 25

Bartmann Alois Placken 41

Hans Schmidt Oststr. 55


1945 V 19

Nachweis: Lage über die Medikamente (Übersetzung aus Engl?)

Drogerie bartmann

Adler-Apotheke Pottmeyer

Vorräte für ca 2 Wochen; Bezug bisher von Verbandmittel Gebr Koch Amelsbüren und Arznei un Heilmittel Fröhlich Freckenhorst

dabei: Liste der dringend benötigten Arznei und Heilmittel

Nur Rohstoffe, keine fertigen Medekamente!




Heilpraktiker


1941 X B 244

Heilpraktiker Josef Ahland siedelt von Münster Bäcker str. 14 (ausgebombt) nach Sendenhorst, Rinkhöven um. hat zwei Räume bei Mössing gemietet, um seine Heilpraxis in Sendenhorst auszuüben

Bürgermeister: "Ahland ist für einen Teil der Bevölkerung kein Unbekannte rund auch von Heilung Suchenden der Stadt in seiner praxis in MS besucht worden"

. beigefügt Erlaubnis vom 14.06.1939: 1893 geboren_




Apotheker Karl König gibt an, daß er der königl (?) Verfügung vom 26. III. 1808, ein eigenes Haus zu erwerben, bisher noch nicht nachkommen konntem da kein passendes zu finden sei. Er bitte um die Erlaubnis, vorderhand seine Offizien in derm Stofferschen Hause belassen zu dürfen.




Epedemien, Seuche, ansteckende Krankheiten


1350 Pest in Westfalen, Judenverfolgungen in Westfalen

26. Mai 1350, Dortmund

21. Juli 1350, Minden.


 

1576 Mensing U 127a

Vor dem Notar Bernhard Nottbeck de Strombergh vereinbaren Johann Sandweg und Ehefrau Elße, Bürger zu Sendenhorst aus Furcht vor der um sich greifenden Pest und nach dem Tod ihres Kindes folgendes Testament: Das kinderlose Ehepaar vererbt sich gegenseitig alle Güter sowie das großmütterliche Erbe der Elße.

Geschehen im Wohnhaus der Eheleute in der Stadt S. in der Weststr.


1581 Schwieters Gesch östl LH S. 269

starben zu Lünen 600 Menschen an der Pest, auich zu Hamm wüthete in diesem Jahr dieselbe Krankheit


1589 Knechte- und Mägdeschatzung

Grewe, is dat Volck in peste verstorven

Ottenloe, kein Volck mehr



Aus den Kirchenbüchern (Randbemerkungen der Pfarrer)

1760 Pastor Homoet: Incognita alias lues vaccarum extransit stabula fuerunt vices. Pastor Homoet etram suas vaccas omnit quamvis blade cantus millum nominum admisit in stabulum, qui non esset prins fump purificatus (er gab einem Drescher die Schuld)


1761

Tempore grassantis Dysenterie mortui sunt 167; 18 vel 19 hic medici huius Patrone cum in finem huc deputati, et juvent agrotantes. paupers gratis ope et medicina juvnbantur, alii posteas utrumque solvere cogebantur.

(Hierzu Übersetzung Pfr Westermann: In der Zeit, während der Typhus herrschte, sind 167 Personen gestorben. 18 bzw 19 [rzte unsers Patrons (des Bishofs) waren hier, die zu dem Zweck hierher beordert waren, daß sie den Kranken helfen sollen. Den Armen wurde ohne Entgelt durch Sachspenden und Medizin geholfen, ander wurden später gezwungen, beides zu bezahlen.)


20. 1. 1761 (Kirchenbuch)

Herman Schliker, O. M. et solus dissenteria correptus obiit


1762

Duravit adhuc vel renovata lues vaccarum. Miseria magna quia Hassortum simul turba per totum niemen (?) turba pacis omnio inimica


1763 April Pluriosa hic incipiunt tempora Iterum seu 3 tia vice lues vaccarum corripuit nunc locum praesertim a porta oreientali usque ad curiam pastoralem exclusive


1761 VII 31

Joan Bernd Röper +; hic primus ex dysenteria mortuus est in qua pene omnes sequentes usque ad mensem Decembrem habuit socios. Quidam enim ex castris militaribus, quidam ex miseria, quidam ex contagione contraxerunt hunc morbum et quidem in tanto numero ut pene nulla domus in civitate et paene ades in parrochia fuerint libera. Vix viginti fuerunt in civitate homines qui huius morbi omnius sepertes manserunt. Curia Pastoralis et domus custodis nullun mortus tolere periculum, item ades Ludi-Magistra et devotessa.

Übersetzung: Joan Bernd Röper, dieser ist als erster an Typhus gestorben. an welchem fast alle bis Ende Dezember gestorben sind (besser: in den folgenden Monaten bis Dezember hatte er Leidensgenossen) Diese Krankheit haben sich einige aus dem Militärlagern, einige aus Elend (Unterernährung), andere einfach durch Ansteckung geholt. Die Erkrankten waren in so großer Zahl, daß kaum ein Haus in der Stadt und fast kein Haus im Kirchspiel von der Krankheit freiblieben. In der Stadt waren kaum zwanzig, die von dieser Krankheit freiblieben. Pastorat, Küsterei und das Haus der Devotesse, der Lehrerin, blieben verschont.


1768

Es starben 32 Kinder (an Würmern)


1774

Eine Hitze vor der Zeit und ein frühreifes Jahr. Es starben 40 Kinder, zumeist an der Ruhr und an Würmern


1780

Wietheger für der Viehseuche halber errichteten Sperr- und Scheidungsbaum zwischen Albersloh und Sendenhorst zur Halbscheid 1- 14-4 Rthlr


1801 Ksprechnungen

Hochbeamtliche Designation über ... abgereichten Medicamenten deren Chryrurgen bey vorwaltender Ruhrkrankheit pro rata des Kirchspiels 18 Rthlr


1811 A372

Hamm meldet das Auftreten der Krätze; Wiethaus empfiehlt allgemeine Bekanntmachung: Kinder dürfen nicht zur öffentlichen Schule, die die Krätze haben. Erst mit einer Bescheinigung des Arztes wieder zur Schule,

dasselbe gilt auch von allen anderen ansteckenden Krankheiten, vor allem den Grindköpfen und Erbgrind


1811 IX 12

Auftreten der Ruhrkrankheit in MS: Übergreifen auf Sendenhorst zu befürchten. Langen fragt an, da nach Meinung der Ärzte man der Krankheit entgehen könne, wennn man häufig Taback rauche, ob damit nicht die Erlaubnis zu geben sei, , auf öffentlichen Straßen, jedoch mit geschlossenem Deckel zu rauchen.


1811 X 16

Pfarrer Darup meldet einen Fall von Ruhrkrankheit: bisher nur eine Person, die Frau des vormaligen Kuhhirten Rieping. Vorsorglich Anmeldung von Unterstützung der armen Classe aus Gemeindemitteln


1812 I 26

Pfarrer Darup meldet bösartiges Brustfieber in der Gemeinde, gemeinlig mit einem Nervenfieber verbunden und scheint epidemischer Art zu sein.

Es wäre zu wünschen, daß ein geschickter Artz dasselbe untersuchen und die Behandlungsart bestimmen mögte


Krankheiten, Sterbefälle (aus den Zeitungsberichten A 582)


März 1889

Die Sterblichkeit ging weit über das gewohnte Maß hinaus. 46 Sterbefälle, darunter 28 Kinder unter 5 Jahren und 13 über 60 Jahren, von den Kindern starben etwa 15 an den Masern bzw. in Folge der Masern.. Die Krankheit ist zur Zeit im Absterben begriffen. (Gerechnet jeweils pro Quartal)


Sept. 1989

die Sterblichkeit hat die gewöhnliche Grenze nicht überschritten. In den Monaten August und September erkrankten 7 Personen an Typhus, woran noch 3 leiden. Todesfälle kamen nicht vor.


3. Quartal 1893

Sterblichkeit war ziemlich erheblich. 27 Todesfälle, aber keine ansteckenden Krankheiten


IV 1893

Eine Erkrankung an Diphterie verlief gutartig


I 1894

Drei Erkrankungen an Diphteritis gemeldet, wovon ein Fall tötlich verlief.


II 1894

Zwei Fälle von Typhus und mehrere leichte Erkrankungen an Diphteritis kamen vor, Eine Person starb am Typhus.


IV 1894

Eine Erkrankung an Typhus verlief gutartig


III 1895

Mehrer Kinder starben an der Brechruhr.


IV 1898

die Sterblichkeitsrate wird größer, weil viele Kranke, welche von auswärts zum hiesigen Krankenhaus gebracht werden, hier sterben.









 


 

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