Sittengeschichte einer verwirrten Zeit Hexen — Zauberer — Schelme

Der Krieg [Anm. Gemeint ist der 30-jährige Krieg, 1618 - 1648 - [Wiki-Link]] forderte nicht nur Opfer, Not und Entbehrungen, er veränderte auch die Menschen. Druck erzeugt Gegendruck. Wenn die Soldaten brutal und rücksichtslos vorgingen, so wehrte sich die angegriffene Bevölkerung bald genauso hart. Im Laufe des Krieges setzte eine allgemeine Verrohung der Sitten ein, ein gewalttätiger Umgang der Menschen miteinander und eine immer härter reagierende Rechtsprechung, die gegensteuern wollte, aber eher das Gegenteil erreichte. 

Was die grausame, lange Kriegszeit, die fortwährende Verunsicherung, aus den Menschen machte, wie sie sich veränderten, dafür gibt es eine Reihe von Fakten. In einer Zeit, die aus den Fugen geraten war, suchte man die Verursacher auch bei überirdischen Mächten, bei Hölle und Teufel, bei Hexen und Zauberern. Der Höhepunkt des 30jährigen Krieges war auch der Höhepunkt des Hexenwahns. Beispiele liegen für 1632 aus Albersloh vor, für 1636 aus Sendenhorst. Gegen Ende des Krieges nahmen der Alkoholmißbrauch und unter Alkohol verübte Gewalttaten deutlich zu. Die Gerichtsakten berichten über Beschimpfungen, Körperverletzungen, ja Totschlag in den Kneipen oder nach dem Wirtshausbesuch.

Die Obrigkeit reagierte auf den Anstieg von Gewalt und Sittenverrohung durch härteres Durchgreifen, durch Strafverfolgung auch geringerer Vergehen wie Beschimpfung, Fluchen, Handgreiflichkeiten. Die Brüchtenregister (Strafregister) sind voll von solchen Gesetzesübertretungen, die man durch hohe Geldstrafen in den Griff zu bekommen suchte. Für uns erscheinen einige dem Richter vorgebrachte Vergehen, insbesondere die maßlosen gegenseitigen Beschimpfungen, eher belustigend als abstoßend. 

Doch sollte man bedenken, die Menschen jenes Jahrhunderts spürten noch etwas von der magischen Kraft des Wortes. Eine Verfluchung war nicht ohne Gefahr und konnte durchaus — nach Meinung des Verfluchten — Unheil bringen. Die Akten und Urkunden zeigen uns außerdem: Hexenglaube, Angst vor dem Fluch und Aberglaube waren durchaus nicht auf das dumme, einfältige Volk beschränkt. Auch die Obrigkeit, Rat und Bürgermeister, Richter und bischöfliche Beamte, waren zutiefst von dem Wirken des Satans überzeugt und handelten entsprechend.

Zwischen 1590 und 1630 überrollte eine Lawine von Hexenprozessen das katholische wie evangelische Deutschland. Nach Meinung damaliger Theologen waren Hexen und Hexenmeister Menschen, die im Bund mit dem Teufel unerhörte, außernatürliche Dinge vollbringen konnten. Die Justiz glaubte, das Übel nur durch Folterung und Verbrennen ausrotten zu können. Aus heutiger Sicht können wir folgende Anmerkungen machen: Fast immer waren die Opfer der Hexenprozesse Angehörige der Unterschichten, selten der Mittelschicht. 

Es bestand ein Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Krisenlage (Höhepunkte des Krieges) und Intensität der Prozesse. Offensichtlich brauchte man in Zeiten der Krise einen Schuldigen für Not und Unglück. Schließlich übte die Obrigkeit mit den Hexenprozessen einen vorzüglichen Disziplinierungsdruck auf das noch zu formende Untertanenvolk aus.

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