Hexe Clara Fye und der Pfarrer von Westönnen

Der erste Hinweis auf eine Sendenhorsterin, die als Hexe verdächtigt wurde, findet sich in einem Schreiben des Pfarrers von Westönnen. 1616 bittet er Rat und Bürgermeister der Stadt Sendenhorst dringend um ihre Hilfe. Es bestehe kein Zweifel, Clara Fye aus Sendenhorst sei eine Hexe. Das bestätigen in gesonderten Schreiben die Pfarrer von Bremen (bei Werl) und Neheim. Schließlich befaßte sich auch der Guardian des Paderborner Franziskanerklosters in einem langen lateinischen Brief mit dem Fall

Es ist nicht klar, ob die Schreiber Bestrafung oder Besserung der vom Teufel Verführten wollten. Da Westönnen im kölnischen Westfalen lag und die Justizbehörden nicht eingeschaltet wurden, mag die Korrespondenz ohne Folgen für die Frau geblieben sein. Die Verdächtigung ist so lächerlich, so absurd, daß man Sorgen haben müßte um den Zustand des Pfarrers, nicht der Beschuldigten. Leider waren solche Anschuldigungen nicht nur grotesk, sie konnten für die Betroffenen tödlich sein. 

Und so berichtet Pastor Mechler: An den Ehrenachtbaren, wohl vorsichtigen, großgünstigen Herrn Bürgermeister: In Gegenwart mehrerer zuverlässiger Zeugen habe ich Clara Fye, Bürgerin aus Sennenhorst, befragt und erfahren, ein gewisser Johann Schneiden der wegen Freierei mit den Verwandten der Clara in Streit lag, habe ihr zwei Obstbeeren [Birnen?] zu essen gegeben und dadurch den Teufel in sie hineingezaubert. 

[Um seiner Aussage das nötige Gewicht zu geben, führt Pastor Mechler einige haarsträubende Geschichten an, die ihn als Autorität in Sachen Hexen und Zauberei ausweisen sollen.] 

Man hat schon viele Exempel erlebt, daß etliche mit Käse und Brot. andere mit einem Becher Bier in die Gewalt des Satans geraten. Es mögen auch Leute sagen, was sie wollen und abstreiten, wie vor einem Jahr einer von Süddinker. Als er von der Bauerschaft vor dem Herrn Richter zu Hamm angeklagt, ist ihn das Herz [der Mut] entsunken. Ferner wurde vor kurzem einer Person durch eine leichtfertige Hure ein Becher Bier gegeben, worauf sie vom Teufel besessen. Darauf ich [P. Mechler] den Bösen mit starken Worten zum Weichen gezwungen. Bevor er aber von dannen ging, fragte der Satan: »Weil ich nun räumen muß, was wolltu mir geben?« Ich [P. Mechler] nun scherzweise auf die Person gewiesen, die ihn hierin gezaubert. Darauf er zum dritten Mal gefragt: »Soll ich?« Weil ich nun mit Ja geantwortet, er sollte in dieselbe fahren, so ist nicht zu glauben, mit was für Ungestüm und Schreien dies Weib angefangen: »Oh Jesu Christo, erbarme Dich meiner; o Du Sohn Gottes, vergib mir meine Sünde. Oh Jesus, oh Jesus!« Und läuft alsbald aus der Kirche und sucht ein ander Fürstentum [einen anderen Aufenthaltsort]. Dieses Exempel setze ich hierher, daß man sehen soll, wie der List des Teufels nicht zu glauben ... Doch die Herren von Sendenhorst werden wissen, was hierin zu tun sein wird.

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