Erster Hinweis auf Branntweinherstellung in Sendenhorst

Obwohl die Westfalen den Branntwein bereits im 15. Jahrhundert kennenlernten, sein Genuß sich nach dem 30jährigen Krieg stark ausbreitete, gibt es den ersten verwertbaren Hinweis auf Branntweinherstellung in Sendenhorst erst für die Zeit nach dem Siebenjährigen Kriege. Dieser Krieg hatte der Stadt ständig wechselnde Einquartierungen und endlose Fouragelieferungen beschert.

Zum Ende des Krieges mehren sich in den Stadtrechnungen die Ausgaben für Branntweinlieferungen an die Truppe. 

So notiert Stadtsekretär Dufhues allein für August 1761:

12. August12 Husaren bei mir verzehrt eine Kanne Branntwein;
zwölf Husaren, die übernachten wollen, im 
Vorbeimarschieren verzehrt an Branntwein und Tabak wie auch Weißbrot
15. August: 30 Jäger zu Pferde an Branntwein verzehrt und mitgenommen 31/2 Kannen
17. August: 40 Jäger an Branntwein, Tabak und Weißbrot
18. August: an auswärtige Wachen [der königlich französischen Truppen] 181/2 Kannen Branntwein 56

Zu Beginn des Krieges forderte die Truppe Kaffee, Wein oder Bier. In der letzten Kriegsphase wurde immer häufiger Branntwein ausgeschenkt. Wahrscheinlich kamen zu dieser Zeit einige Sendenhorster Wirte auf den Gedanken, selbst Branntwein herzustellen. Mauritz Schindeler verarbeitete in seinem Haus östlich der Kirche, bereits vor 1765 Getreide - Roggen oder Gerste - zu Branntwein. Das Brandkataster von 1768 kennt bereits fünf-»Fuselbrenner«, und zwar

* Joseph Mertens, Kirchstraße 17 [später Knabenschule, dann Leifeld]
* Bürgermeister Suermann, Oststr. 
17 [später Silling], angezimmertes Brennhaus von Gefach
Franz Mauritz Schindeler, Kirchplatz [an der Stelle seines Hauses später das Rathaus]
* Wirt und Kaufhändler Bernard D. Bonse, Weststr. 
13 [später Fye, Schwarte, Brüning, Roetering], Fuselbrennerei.
* Wittib Bonse, Südstr. [Posthalterei], angezimmerte Fuselbrennerei 57

Außer Schindeler betrieben alle Branntweinbrenner die Brennerei nebenberuflich, von Zeit zu Zeit und bei Bedarf, vor allem in den Wintermonaten. 1803 stellte die preußische »Spezialkommission« die Sendenhorster Branntweinhändler, Zäpfer und Brenner, die Menge der Produktion und des Verkaufs im Jahre 1801 fest 58. Die bei der Herstellung verwendeten Branntweinblasen faßten im Durchschnitt 480 Liter. Es wurde Branntweinschrot aus Weizen oder Roggen verschwelt. Im Jahre 1801 waren nur drei Brennreien aktiv gewesen.

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Branntweinbrenner 1801

1. J. H. Bücker, Oststr. [später Böcker; Laink gt. Vissing; heute »Zur Börse«] brennt 150mal im Jahr. Jahresproduktion 19 Ohm [2600 Liter]
Verkauft solchen Branntwein nach Münster 10 Ohm, in hiesigem Orte 
Ohm, auch verzapft zu Hause ½ Maß und glasweise, Ohm. Hat gar keinen Handel damit im Ausland; kauft das Getreide dazu in der Gegend von Sendenhorst

2. Christian Silling sen., Weststr. 17 [später Westhoff, Meyer, Hesse, Graute; heute Kleinhans] brennt 132mal im Jahr. Jahresproduktion 33 Ohm [4.520 Liter]
Den Branntwein verkauft er teils in hiesigem Wigbold, teils in umliegenden Gegenden aufm platten Lande, und auch im Hause, verzapft zu 
Ohm; kein Handel ins Ausland. Getreide dazu teils aus hiesigen und benachbarten Kirchspielen, teils zieht er solches selbst auf den von ihm gepachteten Ländereien

3. Schulze Tergeist, westlich der Stadt [heute Im Holt] brennt 200mal im Jahr. Jahresproduktion 33112 0hm [4600 Liter]
Von solchem Branntwein verkauft er im Wigbold Sendenhorst 
16 Ohm, nach Münster 16 Ohm und 11/2 Ohm im Hause maßweise. Das Korn zum Brennen hat er teils selbst auf dem Erbe, teils aus dem Kirchspiel Sendenhorst.

Insgesamt produzierte Sendenhorst 1801 ungefähr 12.000 Liter Branntwein, wovon ein Drittel nach Münster verkauft wurde. Aus dem in Stadt und Kirchspiel verbleibenden Quantum errechnet sich ein Jahres-Prokopfverbrauch (sämtliche Einwohner) von 6 Liter Branntwein, eine  ansehnliche Menge, die außerdem durch Zukäufe aus den Nachbarorten noch erhöht wurde. Über die Sendenhorster Branntweinherstellung zu Beginn des 19. Jahrhunderts berichtet Kurlbaum zusammenfassend in seiner Untersuchung der gewerblichen Verhältnisse in den

Städten des Kreises Beckum 1803:

Es befinden sich hier überhaupt nur drei Branntweinbrenner, welche nur allein im Winter/und alsdann auch nur bei Tage und nicht die Nacht hindurch brennen. Einer dieser Branntweinbrenner, der Colonus und Bürger Tergeist, wohnt außerhalb der Stadt nahe vor dem Tore. Der Branntwein bleibt größtenteils in der Stadt und wird verzapft. Es wird aber auch wohl etwas nach Münster und anderen umliegenden Städten verkauft, ingleichen an einige Zäpfer in benachbarten Bauerschaften.

Fremder Branntwein sowohl wie vom Lande oder anderen inländischen Städten kommt hier nicht ein. Der hiesige Branntwein wird jetzt per Faß von 11/2 Ohm zu 54 bis 44 Reichstaler verkauft [Umrechnung: Liter kostete 9Schilling; Tagesverdienst eines Tagelöhners 7 Schilling 59.

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