Siedlungsbau im Zeitalter der Salier

Siedlungsbau im Zeitalter der Salier - Doppelhöfe - Sadelhöfe, die »Prinzipalisten« im Kirchspiel 40)

Doppelhöfe

Bis zum Jahre 1000 wuchs die Bevölkerung in Sendenhorst, wie überall in Westeuropa, stark an. Die Siedlungsforschung hat viele Untersuchungen angestellt, viele Indizien wie neue Siedlungsnamen, Einschränkungen der Markennutzung, Reglementierung der gemeinsamen Hude, Bevölkerungsabwanderungen geprüft, um die Auswirkungen des Wachstums festzustellen. Trotzdem sind wir über den in dieser Zeit einsetzenden Siedlungsausbau nur sehr bruchstückhaft unterrichtet. In der weitgehend schriftlichen Zeit berichtet keine erzählende Quelle über Rodungstätigkeit oder die Anlage neuer Höfe in unserem Raum. Auch die Urkunden jener Zeit sind rar und befassen sich höchsten zufällig mit unserem Problem. Umso wichtiger ist es, den kleinsten Spuren und Hinweisen nachzugehen, um wenigstens ein paar Schlaglichter auf den so wichtigen Vorgang der »Binnenkolonisation« werfen zu können. Einen Zugang zu dem Problem liefert die Beschäftigung mit dem System der Doppelhöfe. Überall im Münsterland finden wir Höfepaare mit gleichem Namen, nur voneinander unterschieden durch den Zusatz Große (Grote) oder Kleine (Lütke) 39)
Es war grundherrliche Initiative, die um die Jahrhundertwende, zum Teil auch noch später, die Teilung eines Hofes veranlaßte. Auf Anordnung der weltlichen Herren - die kirchlichen Besitzer wurden seltener aktiv - wurde die Anbaufläche eines Hofes geteilt und mit zwei selbständig wirtschaftenden Familien besetzt. Die Höfeteilung wurde möglich, weil die Ackerflächen durch Rodung größer geworden waren, auch, weil sich die Ertragsfähigkeit des Bodens verbessert hatte. Die Landwirtschaft hatte Fortschritte gemacht, hatte endlich gelernt, weitgehend, wenn auch nicht immer, an den Hungersnöten vorbei zu operieren, die Ernährung sicherzustellen. Und so konnte die Bevölkerung wachsen, langsam und stetig. Für den adligen Grundherrn, für Grafen, Edelherren, Äbte oder Bischöfe, war die Aussicht verlockend, statt eines zinspflichtigen Bauern gleich zwei zu haben, doppelten Besitz und doppelte Einnahme. Deshalb schritt man zur Teilung, wobei beide neuen Höfe annähernd gleiche Größe erhielten. Für Sendenhorst lassen sich heute noch acht Doppelhofpaare, also 16 Höfe, die durch Teilung entstanden sind, nachweisen. Zum Teil ist eine Identifizierung nur nach Urkunden und alten Heberegistern möglich. Die Höfe verteilen sich über das gesamte Kirchspiel. Eine Häufung in bestimmten Bauerschaften ist nicht zu erkennen.

Doppelhöfe

 

Name

Jahr

älteste Namensform

erster bekannter Grundherr

Bracht
Große Kogge
Lütke Kogge


1498
1498


Johan to Rameshovel
Johan Kogge


Freckenhorst
Familie von der Heghe

Schulze Horstrup
Lütke Horstrup++

1363
1447

Hove to Horstop
Luttikenhorstorpe

Freckenhorst, Lehen
Familie Brockhagen

Brock
Kösendrup
Rötgermann


1100
1363


Culsinctorpe
Lutke Culsinctorp


Bischof, Lehen
Überwasser

Elmenhorst
Hinsenbrock++
Ahland


1320
1320


domus Hilsincbroke
parva domus Hils.


Bischof
Hinrich Travelmann (1458)

Hardt
Grote Düveler
Lütke Düveler


1498
1498


Grote Dovelhover
Lütke Dovelhover


Heinrich Ledebur (1603)
Caspara Schenking (1603)

Middelhove
Grieskamp
Geilern
Schmetkamp

1511
1511
880
1502

Groite Middelhove
Luttike Middelhove
Gesandron
Luttike Geiseldorn

Kloster Vischbeck (1329)
Familie von der Heghe
Kloster Werden
Bischof

Rinkhöven
Vrede
Lütkehaus


1492
1437


Grotehuß
Luttekehues


Alter Dom, Münster
Wessel von Husen (1437)

Die Sadelhöfe, die »Prinzipalisten« im Kirchspiel 40)


Einem weiteren Hinweis sollten wir nachgehen, um den Vorgang des Siedlungsausbaus genauer zu fassen, der Bezeichnung »Sadelhof« für eine Gruppe von Bauernhöfen, die sich auf den ersten Blick von ihren Nachbarhöfen überhaupt nicht unterscheiden. Die Sadelhöfe sind wie alle Höfe im Besitz eines geistlichen oder weltlichen Grundherrn. Sie müssen zusammen mit allen Höfen des Kirchspiels die öffentlichen Lasten, Steuern und Kirchspielsbeschwer tragen. Aber die Sadelhöfe haben eine Sonderstellung, wenn es darum geht, Abgaben an Küster und Pastor zu zahlen. Alle Vollhöfe liefern dem Kirchherrn, dem Pfarrer, jährlich einen Scheffel Meßgerste. Nicht so die Sadelhöfe. Sie sind von Pfarr- und Küsterabgaben befreit. In neuerer Zeit, nach den großen Kriegen, mußten sie einmal im Jahr für den Pastor einen halben Tag Mist fahren.

Die Sadelhöfe unterscheiden sich von den übrigen Höfen auch durch die Lage ihrer Hofesländereien. Blockartig, so als habe die Flurbereinigung schon in mittelalterlicher Zeit stattgefunden, lagern sich die Äcker und Weiden um die Hofesstelle. Eine Gemengelage der Grundstücke mit anderen Höfen kommt bei den Sadelhöfen nicht vor, es sei denn, die Grundstücke sind später getauscht worden. Aus der Sonderstellung gegenüber dem Pfarrer, vor allem aus den vorherrschenden Blockfluren hat die Forschung auf Gründung der Sadelhöfe durch mächtige


Mittelalterlicher Siedlungsausbau: Doppelhöfe (Häuserpaar): 1 = Große Kogge/Lütke Kogge; 2 = Schulze Horstrup/Lütke Horstrup; 3 = Kössendrup/Rötgermann; 4 = Hinsenbrock/Ahland; 5 = Große Düveler/Lütke Düveler; 6 = Middelhove/Grieskamp; 7 = Geilern/Schmetkamp; 8 = Vrede/Lütkehaus. Sadelhöfe (einzelnes Haus): 1 = Schulte Tergeist; 2 = Schulte Bernd; 3 = Schulte Henrich; 4 = Schulte Bockholt; 5 = Schulte Northoff; 6 = Schulte Elmenhorst; 7 = Vrede (auch Doppelhof); 8 = Ottenloh; 9 = Kleikamp; 10 = Schürmann; 11 = Schulte Horstrup (auch Doppelhof); 12 = Schulte Bering; 13 = Wisch (Haus zur Wiese).

Herren, durch Grafen, Herzöge, Könige im 10. Jahrhundert schließen wollen. Aber auch eine Anlage durch die fränkischen Eroberer im Lauf des 9. Jahrhunderts wird nicht ausgeschlossen. Auf jeden Fall steht hinter den Sadelhöfen planvolle Gründung einflußreicher, mächtiger Grundherren. Die Sadelhöfe bilden einen wichtigen Markstein auf dem Wege von der ungestalteten Wildnis zur ausgebauten Kulturlandschaft. Über Namen und Abgaben der Sadelhöfe notiert Pastor Balthasar Raden:

1711
 Registrum seu specifica designatio derer also genannten und im Kirchspiel Sendenhorst belegenen Saedelhöfe, welche von altersher, laut ihrer selbsteigenen Bekenntnisse, schuldig und verpflichtet sind, dem zeitlichen Pastori zu Sendenhorst jährlich einen halben Tag Mist zu fahren.

In der Stadt Sendenhorst
Schulte tor Geist
In der Bröcker Bauerschaft
Schulte Berndt und Schulte Henrich
In der Sandtfurter Bauerschaft
Schulte Bockholt und Schulte Northoff
In der Elmenhorster Bauerschaft
Schulte Elmenhorst
In der Rinckhöver Bauerschaft
Vrede, Ottenloh, Kleikamp, item Schürmann, welcher letztere wüst ist
In der Brächter Bauerschaft
Schulte Horstrup
In der Jonsthöveler Bauerschaft
Schulte Bering

Aus älteren Registern geht außerdem hervor, daß auch »de Wyssch«, das Haus zur Wiese, in der Bauerschaft Bracht ursprünglich ein Sadelgut war.

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