Freckenhorst und Überwasser/MS

Freckenhorster Höfe - Güter des Klosters Überwasser in Sendenhorst

Die Geschichte des adligen Damenstifts Freckenhorst geht bis in die Frühzeit des Christentums in Westfalen zurück. Um 860 gründeten der Edelherr Everhard und seine Frau Geva an belebter, verkehrsreicher Stelle, eine Wegstunde südlich der Burg Warendorf, ein Frauenkloster. Die Stifter statteten ihre Gründung mit Grundbesitz und abhängigen Höfen im Umfeld des Klosters reich aus. In der Blütezeit besaß Freckenhorst mehr als 200 abhängige Höfe. Die Stiftung entwickelte sich zu einer Versorgungsstätte für Töchter edelfreier Familien. Später wurden auch Töchter des münsterschen Adels aufgenommen.
Gerichtsbarkeit und Waffenhandwerk waren nach Kirchenrecht den frommen Schwestern wie allen übrigen Klosterinsassen untersagt. Hierfür wurde ein weltlicher Statthalter, ein Vogt, bestellt, der für seine Leistungen von den Freckenhorster Bauern die Vogteiabgaben fordern konnte. 1170 ist Widukind von Rheda Stiftsvogt, gefolgt von dem Edelherrn Bernhard von der Lippe. Seit 1365 besitzen die Grafen von Tecklenburg das Amt. Alle drei Familien beanspruchten Vogteirechte über Freckenhorster Besitzungen in Sendenhorst. Sie erscheinen mehrfach in Urkunden. In fast allen Sendenhorster Bauerschaften war Freckenhorst mit Grundbesitz vertreten. Obwohl erst um 1090 aufgeschrieben, könnten die Sendenhorster Höfe des Stifts durchaus zur Erstausstattung des Klosters gehören. Eine spätere Schenkung durch irgendeine heimische Adelsfamilie ist allerdings nicht auszuschließen.

Um 1090 - Aus der ältesten Freckenhorster Heberolle

An das Amt Vehus
Van Sendinhurst van themo Deddesconhus en gimalan malt gerston, 20 mudde haveron
An das Amt Balhorn
Van Brath (Bracht) Deiko tuenthi muddi gerston
Van Rammashuvila (Ramshövel, später Bracht) Azelin tein muddi gerston end tein muddi haveron
Van Astrammashuvila (Ostramshövel) Mannikin thritihe muddi gerston
Van thero harth (Hardt) ses muddi rockon ende nigon muddi gerston
Liudger an themo selvon tharpa nigon muddi gerston
Van Seandforda (Sandfurt) Rothard fierthihe muddi haveron
Buniken an themo selvon tharpa thritich muddi haveron
Van den Luckissconhus (Wüstung bei Elmenhorst) Fretheko en gerstin malt gimalan end thri malt gerston end sivon muddi
Van West Judinashuvila (West-Jönsthövel) en gimalan malt ende tuentich muddi gerston
Emma an themo selvon tharpa ses muddi rockon ende ses malt muddi maltes
Ibiko an themo selvon tharpa en gerstin malt gimala ende en mal gerston
Makko an themo selvon tharpa tuentich muddi gerston

Anmerkung: Die Sendenhorst betreffenden Abschnitte werden im Originaltext gebracht. Mittelalterliche Register und Verzeichnisse wurden ausschließlich in lateinischer Sprache niedergeschrieben. Der altniederdeutsche Freckenhorster Text ist deshalb ein einzigartiges Sprachdokument. Die Verwandtschaft des Niederdeutschen mit dem Englischen ist deutlich zu erkennen. Einige Worterklärungen: Mudde und Malt = Getreidemaße; gerston = Gerste, rockon = Roggen, haveron = Hafer; Zahlen: en = 1, thri = 3, ses = 6, seven = 7, nigon = 9, tein = 10, thirtich = 30, fiertihe = 40, an themo selvon tharpa = aus derselben Siedlung (Dorf).

Güter des Klosters Überwasser in Sendenhorst

1040 gründete Bischof Hermann von Münster in seiner Bischofsstadt jenseits der Aa (trans Aquas, über dem Wasser, Overwater) ein adliges Frauenstift mit einer der hl. Maria geweihten Kirche. Erste Äbtissin wurde Hermanns Schwester Betheithe. Auf einer glanzvollen Fürstenversammlung, im Beisein Kaiser Heinrich III., wurde die Kirche zum Jahresende 1040 eingeweiht. Bischof Hermann stattete seine Gründung großzügig mit Grundbesitz aus. Die Marienkirche wurde zweite Pfarrkirche Münsters. Die edelfreie Äbtissin umgab sich mit einer Dienstmannschaft, die mit Stiftsgut belehnt wurde. Der Grundbesitz, soweit nicht an ritterliche Dienstmannen auf Lebenszeit verliehen, wurde teils von Münster, teils von zentralen Verwaltungsstellen, den Oberhöfen, bewirtschaftet. Ungefähr fünfzig Jahre nach der Gründung legte Überwasser ein Besitzverzeichnis an, in dem auch Güter in Sendenhorst aufgeführt werden. Es spricht vieles dafür, daß diese Höfe in der Bauerschaft Elmenhorst bereits zur Erstausstattung des Klosters gehörten. Der Sendenhorster Besitz wurde zu dem Hofesverband Elmenhorst zusammengefaßt 36). Im 11. Jahrhundert, zur Zeit der Gründung von Überwasser, war es eigentlich nicht mehr üblich, Grundbesitz zu einem Hofesverband zusammenzuschließen und von einem Meier oder Schulten verwalten zu lassen. Das System funktionierte nicht mehr. Die unfreien Verwalter arbeiteten auf eigene Rechnung, strebten ehrgeizig danach, in den Stand der Dienstmannen aufzurücken und die Dienste und Abgaben der Bauern, die sie im Auftrag einziehen sollten, für eine eigene Herrschaft zu benutzen.

Trotzdem verwaltete Überwasser seine Sendenhorster Höfe nicht von der Zentrale Münster aus - das wäre vernünftig gewesen -, sondern beließ es bei einem Verwalter, einem »Villicus«, der sich mittlerweile als »adlig« verstand. Wie zu befürchten, behandelten die adligen Verwalter - seit dem 14. Jahrhundert die Familie Bock auf dem Albersloher Hof Grevinghoff (Bünker, Storp) - den Hofesverband Elmenhorst wie ihr Eigentum, das sie beliebig für ihren eigenen Bedarf nutzten. Bis 1600 mußte das Kloster Überwasser zufrieden sein, wenn ein neuer Villicus (Verwalter) den Treueeid ablegte und eine einmalige Gebühr zahlte. 1598 starb der Villicus Heinrich Buck zu Grevinghoff ohne leibliche Erben, ein unerwarteter Glücksfall für die adligen Damen von Überwasser. Jetzt konnten sie die Elmenhorster Güter wieder in eigene Verwaltung nehmen. Allerdings mußte Überwasser zunächst einen langwierigen Prozeß führen, denn die Erben wollten freiwillig nicht auf den profitablen Hofesverband verzichten 37).

Die Stiftskirche Überwasser und Häuser an der Aa 1840 (F. W. Harsewinkel).

Der Hofesverband Elmenhorst, übrigens die einzige Villikation auf Sendenhorster Gebiet, war nicht sehr groß. Nach dem Verzeichnis von 1100 hatte der Haupthof, die »curia Helmenhorst«, vier bewirtschaftete Höfe in Elmenhorst und einen in Warendorf unter sich, die zur Lieferung von Hafer, Roggen und Malz verpflichtet waren. In den Auewiesen der nahegelegenen Angel wurden Kühe geweidet. Der Hofesverband hatte 36 Käse nach Münster zu liefern. Die wüste, unbesetzte Hove »Luckentharpe« wurde vom Villicus mitbewirtschaftet. Außerhalb des Elmenhorster Hofesverbandes stand der Hof Kössentrup (Culsencthorpe) in der gleichnamigen Bauerschaft, später zu Brock gerechnet. Dieser Hof lieferte Malz und Hafer nach Münster 38).

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