Der Stadtgründer, Bischof Ludwig von Hessen

Bild: Bischof Ludwig von Hessen, sitzend unter einen Baldachin: zu seiner Rechten der münstersche Balkenschild, zur Linken das hessische Löwenwappen (Siegel von 1310)

Ludwig entstammte einer Familie, die erst 1292 die Besitzgarantie für Hessen und den Aufstieg in den Reichsfürstenstand geschafft hatte. Seine Urgroßmutter war die hl. Elisabeth, die ungarische Königstochter, die als Frau des Landgrafen von Thüringen auf der Wartburg und im benachbarten Eisenach ihr Leben für die Armen aufgeopfert hatte. Über ihrem Grab in Marburg hatte Landgraf Heinrich, der Vater Ludwigs, den ersten Bau der Gotik in Deutschland, die Elisabethkirche, errichten lassen. Bevor der Papst in Avignon Ludwig 1310 als Bischof von Münster bestätigte, hatten sich mehrere hochgestellte Persönlichkeiten bemüht, ihm eine standesgemäße geistliche Versorgung zu beschaffen. Der Bruder des französischen Königs vermittelte wegen einer Domherrenprähende in Mainz. Da zu der Zeit keine Stelle frei war, mußte sich Ludwig mit einem Scholastikat begnügen. Der deutsche König Heinrich VII. forderte das Kölner Domkapitel auf, sich in Münster um eine Domherrenstelle zu bemühen. Zu dem Zeitpunkt, als er durch Vermittlung seines Neffen Otto von Kleve endlich auf den Bischofsstuhl von Münster berufen wurde, war Ludwig Domherr in Chartres.

Die Vermittlung des münsterschen Bischofsstuhles war auch eine wirtschaftliche Transaktion, für die Ludwig die Beteiligten bezahlen mußte. Die päpstliche Kurie wollte für ihr Entgegenkommen die Taxe von 3.000 Gulden. Graf Otto von Kleve erhielt die Pfandschaft und zeitweilige Verfügung über münstersche Ämter, Burgen und Gerichte31. Die hessischen Freunde bekamen einträgliche Pfründe an münsterschen Kirchen32. Bischof Ludwig gab seine Verbindung zum heimatlichen Hessen niemals auf. Als Leibgedinge, zur persönlichen Verwaltung, war ihm die Stadt Marburg mit Biedenkopf und die Hälfte des Amtes Wetter zugefallen33. Zeit seines Lebens kümmerte er sich um seine Stadt Marburg, um das väterliche Schloß, um die Elisabethkirche. Ingeborg Schack schreibt: »Bischof Ludwig ist ein guter Hirte für Marburg gewesen, die Bauten seines Vaters und die Entwicklung der Stadt hat er mit gleicher Tatkraft gefördert … Nicht nur für die Vollendung des schon Begonnenen (der doppelgeschossige Saalbau der Burg) sorgte sich der geistliche Herr, er kümmerte sich als guter Hausvater auch um die alltäglichen Bedürfnisse des Schlosses … Aus Ludwigs Regentenzeit, die durch die Bauten auf dem Schloßberg und durch die Arbeiten an den mächtigen Türmen der Elisabethkirche gekennzeichnet ist, stammt die älteste Stadtrechtsurkunde von Marburg aus dem Jahre 1311 34«.

Weil ihm Marburg zeitweilig genauso wichtig war wie Münster, reiste Ludwig häufig zwischen beiden Besitzungen. Der Fernweg von Münster in das Hessenland führte über Sendenhorst und Soest. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Ludwig in Sendenhorst rastete, daß er mit seinem Gefolge von oder nach Marburg Quartier nahm. Es ist nicht auszuschließen, daß die Lage Sendenhorsts an der Fernstraße Münster-Soest Ludwig zur Stadterhebung veranlaßt hat. Im übrigen verhielt sich Bischof Ludwig so, wie man es von einem fürstlichen Herrn jener Zeit zu erwarten hatte. Er ließ sich in zahllose Kriege und Fehden verwickeln, griff an oder wurde angegriffen, mal gegen die Nachbarn, mal gegen rebellische Herren des eigenen Landes. Damit setzte Ludwig die Politik seiner Vorgänger konsequent fort und führte sie zu einem vorläufigen Abschluß. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts deckte sich das politische Herrschaftsgebiet der Bischöfe von Münster weitgehend mit den Grenzen der geistlichen Jurisdiktion. Die münsterischen Bischofschroniken schildern seine Regierungszeit als eine ununterbrochene Folge von Fehden. Die Liste seiner Gegner ist lang. 

Nach Darstellung des Chronisten legte sich Ludwig mit halb Europa an.
Bischof Ludwig
(Auszüge aus der münsterschen Bischofschronik; Übersetzung der niederdeutschen Fassung)35
Ludwig von Hessen, der war einmalig rühmenswert. Er hielt eine freigiebige Tafel. Als Bischof Otto starb, war er ein staatlicher Jüngling und ein Kanoniker zu Chartres in Frankreich. Ihm wurde die Kirche von Münster durch die Vermittlung Graf Ottos von Kleve von Papst Clemens V. übertragen. Er war der erste münstersche Bischof, der die Bestätigung durch den Papst erhielt.
Als Ludwig durch Otto von Kleve in sein Amt eingeführt wurde, da fand er seine Leute in guter Ordnung, Geistliche, Bürger, Dienstleute und Burgmannen fand er in Eintracht und dem Heiligen Paul untertan. Und er regierte sein Land nach dem Rat des Grafen Otto ausgezeichnet.
Er richtete streng. Seine Untertanen, die gegen ihn waren, bezwang er durch sein Gericht, durch Kampf und Belagerung, durch Stürmung ihrer Burgen.
Er führte auch mehr Kriege und Fehden als seine Vorgänger. Dadurch änderte sich seine Einstellung. Aber er blieb stets männlich und unerschrocken und bereicherte sein Stift mit vielen Gerechtsamen.
Er kaufte die Herrschaften Bredevort und Lohn. Er erbaute das Wigbold Ramsdorf und befestigte Rheine, was sein Vorgänger nicht vermocht hatte. Er errichtete auch zwei Burgen, z. B. die Heidemühle.
Als er eine Fehde mit dem Grafen von der Mark hatte, schlug er zwei Brücken über die Lippe und fügte dem Grafen großen Schaden zu. Aber schließlich wurde er bei der Brücke vor Hamm mit wenigen Gefährten gefangen, weil die Hessen Pech hatten und unvorsichtig waren. Zum Glück kam er wieder frei. Während er in Gefangenschaft war, ging Haltern verloren. Mit Mühe und Not bekam er den Ort durch den Herren Bitter zurück. Er nahm viele Feinde gefangen, warf sie in den Turm von Dülmen und forderte für sie Lösegeld.
Darauf hatte er einen großen Krieg mit … dem Graf von Geldern, dem König von Böhmen, dem König von Frankreich, den Bischöfen von Lüttich und Utrecht, den Grafen von Jülich, von der Mark, von Berg, von Flandern, von Holland, den Herren von Steinfurt, dem Stift Osnabrück, den Grafen von Tecklenburg und Bentheim, von Oldenburg, von Hoya und Diepholz, von Arnsberg … Er hatte viele Kriege zu führen, große und kleine, lange und kurze, alle um seiner Kirche willen.
Zu seiner Zeit, als man schrieb das Jahr 1350, ging über die ganze Welt ein großes Sterben, so daß einer den anderen kaum begraben konnte oder daß der eine kaum beim anderen bleiben konnte wegen der gräßlichen Seuche. In Münster starben an die 11.000 [!?] Menschen. Die Leute nennen die Seuche den Großen Tod. Überall wurden die Juden getötet, denn man gab ihnen die Schuld an der Seuche.
Ludwig starb, als man schrieb 1357, im 49. Jahr seines Bischofsamt auf St.-Agapitustag [18. August], und am St. Bartholomäustag wurde er begraben.

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