2.2 Als noch die Dreschmaschinen summten

Sendenhorst - Stadt der Ackerbürger

Viele Bürger der Stadt besaßen um die letzte Jahrhundertwende ein mehr oder weniger großes Stück Land außerhalb des Ortes. Jeder war bemüht, durch intensiven Ackerbau möglichst hohe Ernteerträge zu erzielen, so dass er seinen Viehbestand halten, oder sogar noch vergrößern konnte. Im Stadtgebiet standen in den Ställen der Ackerbürger hauptsächlich Schweine und Kühe, aber auch Ziegen und Pferde; Schafe gab es selten. Mit Pferden oder mit Kühen wurden die meist kleinen Felder beackert. Manche Bürger hatten die Bearbeitung ihrer Äcker einem größeren Ackerbürger gegen Entlohnung übertragen.



Aufgabe: Wie heißen die abgebildeten Getreidesorten. Benenne sie und schreibe den Namen darunter

lange Grannen                 kurze Grannen                           keine Ähre                 keine Grannen
hängende Ähre                gebogene Ähre                          eine Rispe                 gerade Ähre
kurzer Halm                      langer Halm                               kurzer Halm               kurzer Halm

Bier/Malzkaffee              Vollkornbrot                              Haferflocken                Weißbrot



Die Feldarbeit

Die Arbeit auf dem Feld begann im Frühjahr mit dem Ausfahren des Mistes, dem Pflügen und dem Bestellen des Feldes. Sie setzte sich im Sommer mit dem Einfahren der Ernte und dem Einsäen von Zwischenfrüchten fort und endete im Herbst mit der Aussaat des Wintergetreides. Im Sommer wurde das reife Korn auf den kleinen Feldern mit der Sense durch einen oder mehrere Schnitter gemäht. Die Frauen besorgten das Zusammenharken, wellern genannt, sowie das Binden der Garben, die anschließend in Richten zum Trocknen aufgestellt wurden. In den Erntemonaten Juli und August wollte natürlich jeder sein Getreide möglichst trocken vom Feld holen. Zog plötzlich ein Gewitter auf, begann ein Gerangel um Pferde, Wagen und Helfer. Dann mangelte es an Menschen, Tieren und leeren Leiterwagen, da jeder noch schnell "trocken Einfahren" wollte. Das geerntete Getreide wurde zum nächstgelegenen Dreschplatz gefahren.



Die öffentlichen Dreschplätze

In Sendenhorst gab es vier Dreschplätze. Gedroschen wurde:
- im Osten auf dem Sägewerkplatz Decker, heute Edeka-Markt
- im Süden auf dem Gelände des Mühlenbesitzers Sommersell, heute Südtor 5,
- im Westen in Reuls Scheune hinter dem Friedhof an der Landstraße
nach Münster, und
- im Norden auf dem Platz des Sägewerks Wessel an der heutigen Fillstraße.

Die Arbeit auf dem Dreschplatz

Ältere Mitbürger erinnern sich noch gut an die Erntezeit, als in den Sommermonaten von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein auf den Dreschplätzen unentwegt die Dreschmaschinen summten. Bei gutem Wetter herrschte dort Hochbetrieb. In langen Reihen standen die vollen Erntewagen hintereinander zum Dreschen an. Die Bürger warteten geduldig, bis sie, meist per Hand, ihren vollen Erntewagen an die Scheune oder unmittelbar an den Dreschkasten schieben konnten. Der Mann zum "Abtun" stieg auf den Erntewagen und warf die Garben hinüber auf den Dreschkasten. Dort wurden die Garben von einer Frau los geschnitten. Die anderen Helfer hatten das Stroh hinter der Presse in Empfang zu nehmen. Stand kein leerer Leiterwagen zum sofortigen Beladen zur Verfügung, so wurden die Strohbunde erst auf dem Dreschplatz gestapelt. Nach dem Dreschen wurden die mehr oder weniger prall gefüllten Kornsäcke aufgeladen und dann das Stroh darüber gepackt. Anschließend ging es, oft auch spät in der Nacht, mit der Fuhre heim. War einmal kein Pferd zur Hand, so ging ein Mann vorne ins "Stell", während die anderen Helfer den Wagen schoben. Auf diese Weise wurde zur damaligen Zeit ohne viel Aufhebens beim Einfahren, Dreschen, Strohaufladen und -abladen stets tatkräftige Nachbarschaftshilfe geleistet.



Dreschplatz Sommersell im Süden der Stadt

Die Arbeit der Dreschmaschine

Die aufgeschnittenen und aufgelockerten Garben werden möglichst dünn auf dem Einlegetisch eingelegt.  Zwischen Dreschkorb und Dreschtrommel werden die Körner ausgedroschen. Sie fallen durch den Korb nach unten in die 1.Reinigungsvorrichtung. Die Körner, die noch lose im Stroh sitzen, werden auf dem Langstrohschüttler durch schwingende Bewegungen ausgeschüttelt; dabei fallen Körner, Spreu und Kurzstrohteile auf den 1.Rücklaufboden und von dort auf den Kurzstrohreuter, der das Kurzstroh absiebt. Körner und Spreu gelangen über den 2.Rücklaufboden zur 1.Reinigungsvorrichtung. Dort treffen sie mit den vielen vom
Dreschkorb durchgelassenen Körnern zusammen. In der 1.Reinigung erzeugt ein einstellbares Gebläse Wind, der die Spreu heraus bläst; auf Sieben werden Unkraut, Steine und andere Beimengungen vom Korn getrennt. Jetzt ist das Korn, das bisher allein durch sein eigenes Gewicht weiterbewegt wurde, ganz unten angelangt; es muss für die nächsten Vorgänge wieder hoch befördert werden. Das geschieht mit einem Elevator (=Aufzug); es handelt sich dabei zum Beispiel um einen mit Bechern besetzten Treibriemen. Nach der Entfernung der Grannen im Entgranner und der 2.Reinigung wird das Korn im Sortierzylinder über weitere Siebe grob sortiert. Von hier läuft dann endlich das marktfertige Korn in die Säcke.



Die Arbeitsweise einer größeren Dreschmaschine



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