Nr. 57 - Von den Gewässern

Sendenhorst ist arm an Gewässern jeglicher Art. Dieser Mangel kann in einem Brandfalle zu einem Übelstande werden und den Bewohnern unsäglichen Schmerz zufügen. Durch Anlegung tiefer und weiter Brunnen oder durch Anschluß an die Brennereibetriebe hofft man diesen Übelstand zu beseitigen. Jedenfalls ist man sich einig darin, daß etwas geschehen muss. Ehedem war es anders.

Die Nordenbleiche um 1970

Die Gemeinde hatte mehrere Gewässer, den großen, breiten Stadtgaben und eine Anzahl Teiche bezw. Kuhlen, die ständig hinreichend mit klarem Wasser versehen waren, sodaß im Brandfalle genügend Wasser vorhanden war. Wenn aber trotzdem Sendenhorst in früheren Jahrhunderten von vielen großen Bränden heimgesucht worden ist, so wie die große Ausdehnung der Brände auf die mangelhafte Organisation des Feuerlöschwesens und die leicht brennbaren Baustoffe zurückzuführen. Es sei nur daran erinnert, daß vor dem letzten großen Brande im Jahre 1806 die Mehrzahl der Häuser noch mit Stroh gedeckt war.

Die Gewässer dienten früher besonders auch der Fischerei. Sie müssen daher so beschaffen gewesen sein, daß die Fische darin leben konnten. Die Stadt hatte in den meisten Gewässern das Fischereireicht. Dieses alte Recht (wenn es ihr auch nicht viel einbringt) hat sie von früher her jetzt noch an der Angel obgleich dieses Flüsschen ganz in der politisch abgetrennten Gemeinde Kirchspiel Sendenhorst liegt. Bis vor etwa 20 Jahren hatte der Hellenbach noch Fische. Aber seitdem er die Abwässer aus der Stadt durch die Kanalisation aufnimmt und der Wasserstand in seinem oberen Laufe in normalen Jahren erheblich gesunken ist, sind die Fische aus diesem Bach verschwunden.

Vor 150 Jahren wurde die Fischerei in folgenden Gewässern öffentlich verpachtet:

1.   In der Lehmkuhle, Diese ist heute noch vorhanden und dient ausschließlich als Bleiche.

2.   In der Greinkuhle. Über einige Jahre wird nur mehr der Name an diesen Teich erinnern, da er gegenwärtig eingeebnet wird. Er diente früher auch als Schwemme für die Pferde und Tränke für das auf der Ostheide weidende Rindvieh. Vor etwa 20 Jahren wurde die Greinkuhle nochmals als Fischteich hergerichtet und diente diesem Zweck bis zum trocknen Sommer des Jahres 1911.

3.   In dem Teiche am Ostendamm. In dem Pachtverzeichnisse vom 21. Oktober 1780 wird als Lage des Teiches die Stelle angegeben, "alwoh vormahlen ein Galgen gestanden hat". Der Teich ist nicht mehr. Es kommt eine Örtlichkeit in der Mitte zur Ostheide an der Chaussee nach Vorhelm in Frage. In dortiger Gegend befindet sich auch eine Flur mit dem Namen Galgenkamp. Ein Teil dieses Galgenkamp ist heute im Besitz der Stadt. Nach der Überlieferung soll dort 1338 zum letzten Male einer gehenkt worden sein.

4.   In dem Teiche am Südendamm (Landweg nach Ahlen). Hier war die sog. Dammkuhle, die anfangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts von der Stadt an den Briefträger Wessel verkauft und von diesem eingeebnet wurde. Von dieser Kuhle wird uns eine Anekdote aus dem Leben des Pfarrers Lorenbeck (1839 -1685) erzählt. Die Bauern aus der Bauerschaft Bracht ließen eine Zeit lang fortwährend Weihwasser vom Pastor holen. Schließliche fiel es dem Pfarrer auf, daß immer dieselben Leute nach Weihwasser begehrten. Als er nach dem Grunde fragte, erhielt er die Aufklärung, daß in der Bauerschaft eine Kälberseuche ausgebrochen sei, und die Bauern die Kälber mit Weihwasser tränkten. Um die vielen Wünsche leichter befriedigen zu können, schlug der Pastor dann den Bauern vor, er wolle die Dammkuhle einsegnen.

5.   Im hohen Mehr. Das Mehr liegt nordwestlich von Sendenhorst in der Nähe des früheren Rittergutes Toggenburg, jetzt B. Wißling. Das Mehr ist recht sumpfig. Vor 150 Jahren lag dort eine Ziegelei. Der Ziegelmeister pachtete in der Regel die Fischerei der beiden Mehrbäche, von denen der eine aus der Bauerschaft Elmenhorst, der andere von der Stadt kommt. Sie durchfließen die Bauerschaft Sandfort und vereinigen sich unmittelbar am Bahngleise in der Nähe des Gehöftes Seiling. Im März sieht man auch jetzt noch vielfach Fische im Mehrbache. Diese kommen von der Werse durch den Alster- bewz. Hellenbach dorthin.

6.   In der Stadts Börne am Süden-Bollweg. Die Lage dieser Fischerei hat sich noch nicht feststellen lassen. In den Verpachtungsterminen machten auch immer private ihre Rechte geltend, sodaß diese Fischerei wiederholt von der öffentlichen Verpachtung ausgeschlossen wurde.

7.    In dem Hellbrüggenbach oder Hellenbach. Diese Fischerei muß wohl nicht die schlechteste gewesen sein. Dann diese behielten die Magistratsherren zur eigenen Benutzung und wurde nicht verpachtet.

8.   In der Angel. Aus der Angel versprach man sich einen reichen finanziellen Ertrag, da der Verpachtungstermin in den Nachbargemeinden Enniger, Hoetmar, Everswinkel und Alverskirchen bekannt gegeben wurde. Durch den Arbeiter Ostholt, der immer in der Angel gefischt hatte, war z. Zt. das Recht, das man der Stadt streitig machte, gewahrt worden.

9.   In der Stadtgräfte. Die Stadtgräfte wurde in vier Losen zum Fischen Verpachtet. Vom Nord- zum Osttore waren zwei Lose, vom West- zum Nord- und Ost zum Südtore je ein Los. Die Stadtgräfte von Westen nach Süden muß keine Fische gehabt haben, da sie zum Fischen nicht verpachtet wurde.

Die Fischereien gehören der Vergangenheit an. Und heute trägt man sich mit dem Gedanken, die idyllischen Teiche auf der Hardt zu Badegelegenheiten, Kahnpartien und Fischereien herzurichten. Ob sich die Träume alle erfüllen werden?

Mit voller Kraft pumpt seit dreiviertel Jahren wieder das Wasserwerk der Stadt Ahlen. Es deckt heute wieder einen großen Teil seines Wasserbedarfs von der Hardt, und Ahlen freut sich, daß es Anfang 1923 den Betrieb nicht verkauft hat. Es freuen sich auch die Sandbetriebe, daß sie immer tiefere Löcher machen können. Aber die Freunde des Wassersportes fürchten, daß die Zeit kommen könnte, wo man das Wasser gerne gebrauchen möchte, und daß es dann nicht mehr da ist.

"Wat den senen sin Uhl, is den annern ein Nachtigall."

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