Gusiseppe Palumbo - Vor 50 Jahren: Der erste Gastarbeiter

Sendenhorst - Vor 50 Jahren kam Giuseppe Palumbo nach Sendenhorst - Als er nach Sendenhorst kam, wusste der damals junge Mann nicht, wie lange er bleiben würde - beziehungsweise konnte. Doch der 19. Oktober des Jahres 1961 war für den seinerzeit jungen Italiener der erste Tag in seinem neuen Leben. Mit 23 Jahren kam Giuseppe Palumbo nach Sendenhorst.

Als Eisverkäufer, im Karneval (re.[Bild nicht abgebildet, SG] und heute: Giuseppe Palumbo nahm und nimmt als damals erster Gastarbeiter rege am Leben in der Stadt teil. Foto: (-jot-

Als Eisverkäufer, im Karneval (re.) und heute: Giuseppe Palumbo nahm und nimmt als damals erster Gastarbeiter rege am Leben in der Stadt teil. Foto: (-jot-)

Heute vor 50 Jahren war er der erste „Gastarbeiter“ in der Stadt, ein Begriff der heute vielfach nicht mehr als politisch korrekt betrachtet wird. „Ein Bekannter, der damals in Telgte arbeitete, hatte in Erfahrung gebracht, dass der Salon Sander in Sendenhorst einen Friseur sucht“, erinnert sich der heute 73-Jährige.

Und da fügte es sich gut, dass Giuseppe Palumbo, den sie heute eingedeutscht zuweilen auch Josef nennen, das Friseurhandwerk gelernt hatte. Das Abkommen „über die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte“ zwischen Deutschland und Italien war unterzeichnet, und so konnte sich der junge Mann aus dem kleinen italienischen Nest Castelvenere auf den Weg in das größere deutsche Nest Sendenhorst machen.

Doch ganz so einfach war das dann auch nicht. „Ich habe zunächst drei Tage in Verona verbracht“, blickt Giuseppe Palumbo zurück. Viel Papierkram und eine Art medizinische Untersuchung durch einen deutschen Arzt waren zu absolvieren. „Damals war das ja anders als heute. Man konnte nicht einfach über die Grenze“, erinnert sich Palumbo. Die Zeiten in Italien, vor allem im Süden, waren schlecht. Aber das war nicht der einzige Grund, warum Giuseppe Palumbo aus seinem Dorf weg wollte.

„Ich wollte wissen, was sonst noch in der Welt los ist“, blickt er zurück. Und so ging er nach Deutschland. Drei Jahre arbeitete er im Salon Sander, dann ein halbes Jahr bei Funke. „Als Frisör verdiente ich nicht viel“, erinnert sich Palumbo.  Geld war nicht üppig vorhanden, auch wenn seine inzwischen verstorbene Frau mitarbeitete. Nebenberuflich fuhr er - ganz italienisch - mit dem Eiswagen durch die Stadt und lernte dadurch viele Sendenhorster kennen. Schließlich heuerte er bei Haver & Boecker an, wo er bis zu seiner Rente vor nunmehr 13 Jahren blieb.
„Integration“ war seinerzeit rein begrifflich gesehen noch nicht so ein beherrschendes Thema wie heute. „Damals war das alles noch nicht so offen wie heute“, blickt Palumbo auf die Anfangszeit zurück. „Die Menschen waren nicht so tolerant.“ Nach dem Krieg sei viel von Mussolini und Hitler gesprochen worden.
Einen - sprichwörtlich gesehen - Sack Salz hätte er wohl essen müssen, um die Achtung der Mitmenschen schneller erlangen zu können. Aber das sei durchaus nichts Ungewöhnliches gewesen. „Damals war in Sendenhorst jemand aus Albersloh ja auch fast ein Ausländer.“ Gleichwohl: „Ich habe Glück gehabt und schnell Kontakt bekommen“, meint Palumbo. Auch durch seine Jobs als Frisör und Eisverkäufer. Andere hätten es da schwerer gehabt. Und er war auch in Vereinen aktiv, wodurch er viele Leute kennengelernt habe.

Auch in der SG, in der sein Sohn später in der Ersten kickte, während der Vater am Rand stand. Und bei den Karnevalisten. Und im Vespa-Club, dessen Mitglieder ihn viele Jahre später in seiner italienischen Heimat besucht habe. Gekegelt hat Giuseppe Palumbo auch. Die große Welt wollte Giuseppe Palumbo als junger Mann entdecken. Im beschaulichen Sendenhorst ist er „hängengeblieben“, was er aber nicht bereut. „Ich würde es wieder so machen“, sagt er. Auch wegen der Familie.  Nur das Wetter sei nicht immer nach seinem Geschmack, weshalb er heute die Wintermonate in „seinem“ italienischen Dorf verbringt. Aber in diesem Jahr wird am heutigen Mittwochabend im Hause seiner Tochter Teresa, die in der Kita „Stoppelhopser“ arbeitet, erst einmal der 50. Jahrestag seiner Ankunft in der Stadt gefeiert. Freunde, Bekannte, der Vespa-Club und auch ehemalige Bürgermeister der Stadt schauen vorbei. Und er wird vermutlich noch einmal seine Lebensgeschichte als italienischer Sendenhorster erzählen. VON JOSEF THESING, SENDENHORST

[G. Palumbo verstarb 2013]

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