Die Hollandgänger

Die Hollandgänger - Auswanderung in die Niederlande im 19. Jahdt. Anm.: Bereits 3 Freunde aus den Niederlanden führen Ihre Wurzeln auf Sendenhorst zurück! beste groeten to H. Bronnemann, Den Haag, J. Hagendoorn, Rotterdam.

Abwanderung in Nachbarstädte hat es zu allen Zeiten gegeben. Die Bürgerbücher von Münster. Warendorf. Ahlen verzeichnen zahlreiche Zuwanderer aus Sendenhorst. Die Umsiedler hatten viele Gründe wie Einheirat, Ausbildung, berufliche Besserstellung, Familienzusammenführung. Ortsveränderungen in das nächste Kirchspiel, in die übernächste Stadt waren alltäglich und normal. 
Ein wenig mehr Abenteurergeist und Unternehmungslust gehörten dazu, die Grenzendes heimatlichen Münsterlandes zu überschreiten und sein Glück im Ausland als Geselle, Arbeiter oder als Kaufmann zu versuchen. 

Seit eh und je übte Holland auf die Sendenhorster eine große Anziehungskraft aus. Das Wirtschaftswunderland Holland brauchte ständig Gastarbeiter aus dem benachbarten Westfalen, Arbeiter für Industrie und Landwirtschaft, Soldaten für die Kolonien. Die Stadt Haarlem beschäftigte Arbeitskräfte aus dem Münsterland in der Bierbrauerei und dem Textilgewerbe. Die westfälischen Wanderarbeiter, die sich nur auf Zeit in Holland aufhielten, gehörten einer Unterstützungskasse auf Gegenseitigkeit an,d er »Westphaalschen Bos«. In den Mitgliederlisten finden wir auch Sendenhorster Jan ten Buijunck (Boining) 172 1, Marcus Heijsen (Heese) 1725, Adolf Panninck1733. Willem Eedlinck (Edeling) 174018• Theodor Beumer, dessen Ehernhaus am Kirchhof. am Eingang zu Bußmanns Gärten stand (Everke), trägt sich um 1800 ins Kaufmannsbuch Everke mit folgender Adresse ei n: »in de Lagte vande cadyu in de gekroonde Boltenon tot Amsterdam. 19)

Seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts war die saisonale Wanderarbeit in den wohlhabenden, gewerbereichen Holland ein wichtiges Ventil der wirtschaftlichen Dauerdepression in der Heimat. 230 Arbeiter waren 1828 aus dem Kreis Beckum nach Holland gegangen, um beim Torfstich, als Korn- oder Grasmäher Beschäftigung zu finden. Die Regierung in Münster sah die Abwanderung ihrer Untertanen nicht gern. Sie wies auf die gesundheitlichen Gefahren hin; 4 Arbeiter waren verstorben, 36 waren krank zurückgekehrt. Der Verdienst stehe in keinemVerhä1tnis zum Aufwand. Hier halte die Regierung zweifellos recht. Der durchschnittliche Nettogewinn eines Arbeiters betrug 15-16 Taler, zu wenig, um die Familie durch den Winter zu bringen. 1831 verstärkte die Regierung ihre Warnungen. Im Amtsblatt konnten die Bürgermeister lesen:

Von der großen Zahl der Hollandgänger sind in diesem Jahr sind in diesem Jahr viele zurück gekommen, ohne dort Arbeit gefunden zu haben. Diese sind durch das Fehlschlage ihrer Hoffnungen auf Arbeitsverdienst und durch den Verlust der Reiseauslagen meistens in Armut geraten Diejenigen, welche in Holland Arbeit fanden, haben wegen niedriger Arbeitspreise und Teuerung der Lebensmittel wenig verdient. Auch einige Sendenhorster wurden zu Hollandgängern. Im Frühjahr zogen sie über die holländische Grenze, arbeiteten den Sommer über als Schnitter, und kamen, wenn alles gut ging, im Herbst mit soviel Geld nach Hause, dass die Familiebesser über den Winter kam. Häufig erkrankten sie auf dem Wege nach Holland oder an ihrer Arbeitsstelle. Durch keine Krankenkasse abgesichert, mussten sie entweder unverrichteter Dinge zurückkehren oder den Verdienst für Arzt und Arzneikosten verbrauchen. Im Sommer 1828 gingen 15 Schnitter aus Stadt und Kirchspiel nach Holland (2 erkrankt), im folgenden Jahr waren es 13 (2 erkrankt). Von den 13 Arbeitssuchenden des Jahres 1830 kam Johann Heinrich Borgmann nach 6 Wochen krank zurück, 2 hatten keine Arbeit gefunden, die übrigen halten bei Amsterdam und Leiden insgesamt 152 Taler verdient. Nach dem Hungerjahr 1830 stieg die Zahl der Hollandgänger zwar auf 15, aber es herrschte ein Überangebot an Arbeitskräften, 8 Sendenhorster kehrten zurück, ohne Arbeit gefunden zu haben. Der Tagelöhner Benard Heinrich Artmann kam 1830 um Unterstützung beim Armenvorstand ein. Er war »auf einer Tour nach Holland zum Grasmähen fast ganz erblindet« 21). 1853, bei gebesserter Wirtschaftslage in der Heimat. stellten nur noch fünf Tagelöhner einen Passantrag »zu einer Reise nach Holland auf drei Monate, um daselbst als Grasmäher zu arbeiten«

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