Zeitplan - Vom Anfang 1969 bis zum Ende 1973

vom Anfang bis zum Ende Drensteinfurt / Düsseldorf (Eig. Ber.). Vor über drei Jahren trat am 28. Juni 1969 das Drama Drensteinfurt in seine entscheidende Phase. Die Landesregierung begann mit der konkreten Planung des dritten NRW-Großflughafens in der Gegend von Drensteinfurt/Sendenhorst. Das Lieblingsprojekt aller Parteien galt als Trostpflaster für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers in der gleichen Gegend.

Grund für das Scheitern: DIe Tiefflugschneisen im Münsterland

Und plötzlich hatten viele die Fluglafen-Euphorie gepackt. Landwirte und Geschäftsleute stoppten ihre Investitionen. Sie planten bereits im  Zeichen der Zukunft: Die Riesenvögel der Luft sollten das Münsterland an die große weite Welt anbinden - zum Wohle auch des Ruhrgebiets, das mit dem Großprojekt hei Drensteinfurt besseren Anschluß an das Luftverkehrsnetz gewinnen sollte. Doch die Zukunftsmusik verebbte in einem Planungsdesaster ersten Ranges. Die Verantwortlichen kamen mit ihrer Strukturhilfe für das Münsterland am Boden trefflich voran. 
Doch der Haken hing sozusagen in der Luft: 

Die Militärs machten den Planern einen Strich durch die Rechnung. Tiefflugschneisen für NATO- Jets und der britischen Militärflieger aus Gütersloh haben die Luft über Drensteinfurt mit Beschlag belegt. Eine Verlegung des Systems zugunsten des dritten Großflughafens würde den ohnehin überlasteten Flugsicherung derart starke Kopfschmerzen bereiten, daß sie gleich vorsorglich ein deutliches Veto einlegten - und mit Hilfe Bonns und des Verteidigungsministeriums am Ende gar siegreich blieben. Und so sehen die Stationen der dreineinhalb Jahre zwischen Hoffnung und Scheitern aus: 

28. Juni 1969
Die Landesplanungsgemeinschaft Westfalen rechnet mit dem Bau eines Großflughafens südlich von Münster ,zu einem späteren Zeitpunkt". Standort: wahrscheinlich die Gegend um Drensteinfurt / Sendenhorst.
7. August 1969
Landesverkehrsminister Dr. Kassmann kündigt den Bau eines dritten interkontinentalen Flughafens in NRW nordöstlich des Ruhrgebiets an.
31. Oktober 1969
Staatssekretär Dr. Stakemeier vor der Industrie- und Handelskammer Münster: „Dreieck Münster - Beckum - Hamm optimaler Standort für Großflughafen" (bei Erläuterung der Ziele des Generalverkehrsplans NW unter Berücksichtigung der Verkehrsprobleme des Münster- 
4. März 1970
Die NRW-Landesregierung beschließt den Bau des 3. Großflughafens im Städtedreieck Münster - Hamm - Beckum. (Geschätzte Kosten: 3 Mrd. DM, ohne Grunderwerb, der Endausbau soll 1980 erreicht sein.)
13. März 1970

Nach Behördentermin fällt im Düsseldorfer Verkehrsministerium die Entscheidung über den Flughafen-Standort: Die Bauerschaft Alst zwischen Sendenhorst und Albersloh soll dem neuen Großflughafen weichen.
23.März 1970
Im Generalverkehrsplan NW werden Einzelheiten des Flughafen-Projekts bekanntgegeben: Der Flächenbedarf beträgt 2000 ha / Baukosten: 1,1 Mrd. DM (ohne Grunderwerb) ihm ersten Bauabschnitt sollen zwei Parallel-Start-Landebahnen von 2,5 und 4 km Länge sowie entsprechende Flughafengebäude errichtet werden. Das Endstadium des Ausbaus• soll „in einigen Jahren erreicht sein".
8. Juli 1970
Betroffene Flughafen- Landwirte lehnen mutmaßlichen Quadratmeter-Verkaufspreis von fünf DM ab.
3. September 1970
Die „Eigentümervereinigung der Flugplatzbetroffenen e. V." konstituiert sich. Von 106 Betroffenen werden 90 Mitglieder.
7. Oktober 1970
Heinz Ostrop, CDU- Landtagsabgeordneter, bezeichnet die Flughafen-Pläne als „noch unverbindlich", da die NRW-Landesregierung auf Anfrage eingesteht, daß die von ihr erstrebte volle Übereinstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium über den Bau des Flughafens einschließlich Höhe der finanziellen Beteiligung bisher noch nicht erzielt worden sei.
24.September 1971
NRW-Verkehrsminister Dr. Riemer gesteht auf Anfrage unserer Zeitung ein, daß der Flughafenbau durch militärische Tiefflugschneisen der NATO gefährdet sei.
15. Oktober 1971
Parlamentarischer Staatssekretär Börner erklärt im Bundestag auf Anfrage des münsterschen Abgeordneten Franz Berding (CDU): Das Verteidigungsministerium hat bei Bekanntwerden der Planungsabsicht des Landes NRW im Mai 1970 auf Problematik der militärischen Tiefflugschneisen hingewiesen und Bildung einer Planungskommission vorgeschlagen (gleichlautende Antwort auch auf Frage von Helmuth Becker. SPD).12. November 1971: Minister Riemer kündigt auf Anfrage von Ostrop im Landtag an: „Abschließende Entscheidung bis zum Jahresende".
17. Dezember 1971
Ministerpräsident Kühn bittet Bundeskanzler Brandt um Spitzengespräch über Projekt Drensteinfurt. Weiterer Kühn- Brief an Brandt zu diesem Thema am22. Februar 1972: Kanzleramtsminister Ehmke schlägt Kühn Gespräch zwischen NRW-Landesregierung und den Ministern Schmidt (Verteidigung) und Leber (Verkehr) vor.   10. März 1972: Der Westfälisch Lippische Landwirtschaftsverband fordert durch Heereman eine Klarstellung zum Projekt Drensteinfurt, die trotz Ankündigung der Landesregierung auch bis Ende Januar 1972 nicht erfolgte.
14. März 1972
Die CDU-Landtagsfraktion bringt die "große Anfrage 6" zum Problem des 3. Verkehrsflughafens bei Drensteinfurt ein.
17.März 1972
Bei einem Gespräch zwischen Kühn und Schmidt bleibt die Entscheidung über Drensteinfurt weiter offen. Es werden Detailüberprüfungen des Projekts angekündigt.
5. Mai 1972
Verkehrsminister Leber bezeichnet in einem Antwortschreiben an die IHK Münster "den Standort Drensteinfurt für Verkehrsflughafen als völlig ungeeignet' . Er verweist außerdem auf die Bedenken der Militärs wegen NATO-Flugschneisen in diesem Gebiet.
18. Mai 1972
Ministerpräsident Kühn kündigt bei Beantwortung der „großen Anfrage 6" der CDU zum Flug-hafen eine Entscheidung bis 31. 12. 1972 an. Am 1. Oktober 1972 soll ein Zwischenbescheid dem Landtag vorgelegt werden.
28. September 1972
Minister Riemer legt Zwischenbescheid vor. Nach Spitzengespräch Schmidt - Lel Kühn - Riemer wurde Arbeit: „Flugsicherung" um einen Zwischenbericht gebeten. in diesem Berichtstellt am 2. 6. 1972, sind verschiedene Lösungsvorschläge erarbeitet WE um den Flughafenbau durch Ver rung der Luftraumstruktur doch realisieren zu können. Der Zwischenbericht geht am 22. 6. an Veiteidigungsminister Schmidt. Nach Absprache mit allen verantwortlichen Stellen werden die Lösungsvorschläge als "unrealisierbar" bezeichnet.9. 1972 ergeben sich laut Rieche weitere Gesichtspunkte. die eine Verwirklichung doch möglich erscheinen lassen und deshalb weitern' werden sollen. Die Landesregierung NRW glaubt daher doch an ..rung und will bis Jahresende eine endgültige Entscheidung ..führen.
13. Dezember 1972
Anläßlich Anfrage Ostrops im Landtag Flughafen gibt die CDU-Landtagsfraktion dem Projekt keine mehr. Riemer: „Wir kämpfen um dieses Projekt". Eine endgültige Entscheidung der Landesregierung soll oder 
17. Januar 1973
im Lantag bekannt gegeben werden. 

 

 

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