Als 50 Höfe mal fast verschwunden waren

Sendenhorst/Albersloh/Drensteinfurt - Es sollte ein Verkehrsprojekt mit internationalem Format werden. Anfang der 1970-er Jahre wurde für das Gebiet zwischen Sendenhorst, Dreinsteinfurt und Albersloh ein Großflughafen geplant, der die Region und das Ruhrgebiet an die Welt anbinden sollte. Genau vor 40 Jahren wurden die Plane nach vielem Hin und Her beerdigt.

Das Gebiet zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt sähe heute sicher anders aus. Über Umgehungsstraßen würde kein Mensch mehr reden, die wären stets gut befahren. Eine Autobahnzufahrt gäbe es wohl auch. Vermutlich würde es auch auf der WLE-Strecke regen Personenverkehr geben. Und über erhebliche Leerstände von Geschäftslokalen in den Innenstädten würde wohl auch niemand klagen. Ob die Menschen allerdings zufriedener wären als heute – das darf sicher bezweifelt werden.

Doch es kam eben doch anders. Mitte Januar 1973 – also heute vor 40 Jahren – wurden in Düsseldorf die Pläne für einen Großflughafen beerdigt. Im Jahre 1970 war das südliche Münsterland als Standort für einen dritten Flughafen in NRW – neben Düsseldorf und Köln-Bonn – auserkoren worden, da die bisherigen Flughäfen an ihre Kapazitätsgrenzen stießen und das Münsterland, das südliche Niedersachsen sowie Westfalen-Lippe nach Ansicht der Landesregierung und auch von Verkehrsplanern bisher unzureichend an das Luftverkehrsnetz angeschlossen waren.

Dass die Region zwischen Drensteinfurt, Sendenhorst und Albersloh auserkoren worden war, hatte nicht nur verkehrstechnische Gründe. Es sollte auch eine Art Trostpflaster sein für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers bei Drensteinfurt. Auch dieser hätte die Stadt sicher berühmter gemacht als sie heute ist. Aber auch das wurde nichts.

2000 Hektar Land waren für den Flughafenbau ins Auge gefasst worden, heißt es in damaligen Zeitungsberichten. Die gesamte Bauerschaft Alst sollte dem Projekt weichen. Der Airport sollte nach ersten Berechnungen 1,1 Milliarden Mark – ohne Grunderwerb – kosten. Für „spätere Jahre“ wurde seinerzeit ein Ausbau mit einer weiteren Start- und Landebahn ins Auge gefasst. Von 130 Starts und Landungen in der Stunde war die Rede.

Das versetzte die einen in Goldgräberstimmung, andere befiel die blanke Panik. Die Bauern fürchteten um die Existenz ihrer zum Teil seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindlichen Höfe. Etwa 50 Gehöfte, so wurde damals gerechnet, würden verschwinden.

An den Stammtischen und bei vielen Treffen ging es fast nur noch um das Thema Flughafen. Die betroffenen Landwirte stellten alle weiteren Planungen zurück, Kaufleute hingegen sahen gute Geschäfte.

Die Bewohner dieses Teils des Münsterlandes fürchteten aber eines ganz besonders: den Fluglärm. Auch die Stadt- und Amtsverwaltungen waren verunsichert. Einige Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeindedirektoren gingen auf die Barrikaden. Können überhaupt noch weitere Baugebiete realisiert werden?, war eine der vielen Fragen.

Stinksauer waren alle jedoch über eines: fehlende detaillierte Informationen aus Düsseldorf und der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Und so wurde unter anderem auch darüber spekuliert, dass das St.-Josef-Stift möglicherweise der Lärmschutzzone würde weichen müssen.

Doch auch die Landes- und Bundespolitiker taten sich schwer mit der Umsetzung. Nicht nur aus planerischen und finanziellen Gründen. Verteidigungsminister Helmut Schmidt und Verkehrsminister Georg Leber waren eingeschaltet.

Am Ende scheiterte das Projekt aber vor allem aus Gründen der Flugsicherung. Die britische Besatzungsmacht legte ihr Veto gegen den Flughafen ein. Das Münsterland war während des „Kalten Krieges“ von zahlreichen Tiefflugschneisen durchzogen, besonders auch der Bereich des geplanten Großflughafens.

Vielleicht hätte jemand vor den Planungen mal die Briten fragen sollen.

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