1961: Von reizvoller Landschaft, Umweltsünden, Sehenswürdigkeiten und einem Schatz – Längs der Angel - von der Quelle bis zur Mündung

„..Abgelagerter Faulschlamm zeigt, daß es ihr noch nicht gelungen ist, sich von den in Neubeckum aufgenommenen Abwässerstoffen zu reinigen…. An den Stauwehren tummeln sich trotz der abgelagerten Schmutzstoffe badelustige Kinder, die mit den seifigen Schaumflocken spielen..“ aber nicht nur von Umweltsünden ist hier zu lesen, sondern auch von reizvoller Landschaft mit intressanten Orten und Natur - und von einem Schatz in der Bauerschaft Rinkhöven - ist heute in der Serie zu lesen!

Gesucht wird noch ein Foto der Angel bei Sendenhorst! Dieses entsammt Wikipedia und zeigt die Angel bei Wolbeck.

Es ist an der Zeit, sich einmal nach der Angel und ihrem Wassereinzugsgebiet umzusehen, bevor die Landschaft durch die sich anbahnenden Veränderungen ein Aussehen erhält, das ihren bisherigen Zustand nicht mehr erkennen lässt. Fragt man nach der Angelquelle, so bekommt man landläufig die Antwort:
„Die Angel entspringt unter einem „Backs“ auf dem Hofe Meier Westhoff in Neubeckum.“
Es ist nun so, daß hier zwei Bäche, verdeckt durch Hainbuchen, Erlen und Weiden, hinter dem „Backs“ am Rande eines großen Appelhofes zusammenfließen, die fortan den Namen Angel führen.

Während der aus der Hoest kommende Zufluss Merschbach genannt wird, entspringt der zweite, namenlose Bach, der die Gewässer der nördlichen Abdachung des Hohen Hagens sammelt, auf einer Wiese des Bauern Theodor Tentrup. Diese Quelle könnte man demnach als die eigentliche Angelquelle bezeichnen.
Unmittelbar nach dem Zusammenfluss der beiden Bäche führt die Angel bereits so viel Wasser, daß sie mitunter über die Ufer tritt. Sie durchfließt eine wald- und wiesenreiche Landschaft und biegt hinter der Straße Neubeckum - Ennigerloh nach Norden um. Beschwerlich wird nun ihr Weg. Kalkbänke und felsiger Untergrund zwingen sie immer wieder zum Ausweichen oder zum Durchnagen des harten Gesteins.

Ober den Verlauf der Angel längs des Zementwerkes Elsa sind lange Verhandlungen geführt worden. An dem breiten Steinbruch, einem heutigen Fischteich, hat man sogar dem Wasser ein künstliches, unterirdisches Bett zugewiesen. Gebannt schauen wir auf klobige Bauten und hohe Schornsteine, aus denen dichte grauweiße Raumwolken emporsteigen. Einen Blick werfen wir auch hinauf zu den Buben, die in den mit der Waldrebe besetzten Uferbäumen wahre Kletterkünste zeigen.

Nach ihrem Austritt aus der Steinkuhle begleitet die Germania-Schutthalde die Angel. Abgelagerter Faulschlamm zeigt, daß es ihr noch nicht gelungen ist, sich von den in Neubeckum aufgenommenen Abwässerstoffen zu reinigen. Freundlich erzählt uns Bauer Ohlmeier, dass noch vor dreißig Jahren die Wäsche in dem klaren Angelwasser nachgespült und der weiße Angelsand zum Bestreuen der Diele und der Stuben benutzt wurde. Uns überrascht der Wildreichtum in diesem Industriegelände. Zahlreime buntschimmernde Fasanenhähne und gestreifte Hennen flüchten in das Ufergehölz.

Bild: Letzter Winterschmuck der Angel vor der
Begradigung.

Am Gehöft Schürkmann ist eine Eiche, die einen 1,5 m dicken Stamm und eine tief ansetzende und reichastige Krone aufweist, schon Jahrhunderte hindurch Freund und Nachbar der Familie. Drei bereits stattliche Eichen zeugen davon, daß auch Großvater, Vater und Sohn je einen Baum gepflanzt haben.

Auf unserer weiteren Angelreise begegnen wir ausgedehnten Getreide- und Maisfeldern. Unverhofft steigt vor uns mit klatschenden Flügelschlägen ein Schof Wildenten auf und kehrt nach einem Geschwaderflug unter lautem Quaken wieder zur gewohnten Äsungsstelle zurück.
In gastlicher Weise zeigt uns Bauer Schulze Höckelmann in Enniger die Sehenswürdigkeiten seines Hofes : den uralten Speicher, der früher als Bierkeller diente, die über der Haustür angebrachten Wappen des Jesuitenordens und der Adelsgeschlechter Büren und Loe Horst, die Gräfte mit Tulpenbaum, mehrfarbigen Ahornarten, amerikanischen Eichen und Blutbuchten. Alte Akten künden von der ehrwürdigen Vergangenheit des Hofes.
In der Nähe mündet der von Ennigerloh (Biesterbau) kommende Biesterbach, der seinen merkwürdigen Namen Augustin Wibbelt verdankt. Zur linken Hand grüßt uns der spitze Vorhelmer Kirchturm und zur rechten der behäbige Turm des Gotteshauses zu Enniger.

Nahe dem Bahnhof Enniger lohnt ein Abstecher zum "Haus Vorhelm", das malerisch zwischen großen Teichen am wunderlich gewundenen und tiefgefürchteten Hellbach, der auch am Hohen Hagen entspringt, gelegen ist. Eine alte Ölmühle erregt unsere Aufmerksamkeit. Von einer sehenswerten äquatorialen Sonnenuhr in Polyederform, auf der eine Wetterfahne angebro1cht ist, lesen wir die Zeit ab. Eine herrliche Kastanienallee führt auf verträumte Waldpfade. An den Kastanien fallen uns mächtige Geschwulste auf. In dem Wald lebt der Dachs einsiedlerisch im Bau.

Uns lockt wieder die Angel. Wir stehen vor Haus Neuengraben, einem früheren Rittergut. Es liegt im Schatten einer mächtigen Eiche, die für ewig Wache zu halten scheint. So mögen auch die Donareichen ausgesehen haben. Der trotzige, knorrige Saum sah die wechselvolle Gestalt des Rittergutes. Er ist wohl der einzige Zeuge dafür, wie vor 350 Jahren der Ritter Gerd von Beverförde-Werries in das Haus Neuengraben eindrang und die Gutsfrau Anna von Berg-Tork entführte.
Nimmermüde springt die Angel an uns vorbei. Am Hof Schulze Brüning umrahmen seltene in- und ausländische Gehölze die Ufer.

Bild rechts: Die Angel kurz vor dem begradigten Lauf an der Gemeindegrenze Enniger - Sendenhorst.

An einem idyllischen Platz lädt eine Bank zum freundlichen Verweilen ein. „Horch, wie das geigt und singt und pfeift und klingt im frischen, grünen Wald!“ Da - zur Linken ein interessantes Naturdenkmal! Stamm und Ast einer mächtigen Eiche bilden ein eigentümliches Tor, das wiederum den Rahmen abgibt für eine dunkle Eibe. Dieser Baum gehörte im Mittelalter zu jeder Burganlage. Bemerkenswert ist eine vogelkundliche Sammlung auf dem Brüningschen Hof.

Plötzlich ist es, als wenn das Tosen eines Wildbachs an unser Ohr tönt. Überrascht stehen wir vor einem Wasserfall. Rauschend und schäumend, glucksend und sprudelnd springt das Wasser kopfüber, kopfunter über Moos und Stein und regt plätschernd zum Weiterwandern an. Eichendorffs Lieder begleiten uns. Auf einem vorspringenden Ast entdecken wir einen blaugrünen Fischer. Es ist der Eisvogel, der fliegende Edelstein unserer Gewässer. Über „Amerika“, einem größeren Waldgebiet, gewahren wir das Flugbild der dort kreisenden Bussarde.

Auf der Sendenhorster Hardt tritt eine langgestreckte Bodenwelle auffällig in Erscheinung. Bei dieser Erhebung handelt es sich um eine Rinnenausfüllung mit eiszeitlichen Ablagerungen. Der Sand- und Kiesrücken ist etwa 6oo Meter breit und 18 Meter tief. Zuweilen bedeckt Geschiebelehm die an den Rändern befindlichen Sandbänke.

Bild: Mündung von Angel und Voßbach.

Im Kirchspiel Sendenhorst stehen wir vor Mündung von Angel und Voßbach. der regulierten Angel. Ihr Wasser war in trockenen Jahren für die Landwirtschaft ein Segen, in feuchten Jahren aber eine Gefahr. Darum gaben Bagger der Angel, deren Name von den Sprachforschern als die „Krummfließende“ gedeutet wird, die erforderliche Breite und Sohlentiefe. Mit frohem Herzen stellen wir fest, daß man dem Fluss kein langweiliges, kanalähnliches Bett aufgezwängt hat. Mit der Beseitigung der vielen Holzbrücken, die Zeugen von manchem „Stelldichein“ waren, schwand ein Stück Romantik dahin. Wasserläufer, Rot- und Grünschenkel, Rohrammer und Rohrsänger sind nun aus den bisher feuchten Angelwiesen abgewandert. Uferbewuchs und Wasserpflanzen geben aber bereits heute wieder dem heimischen Wild die notwendige Deckung.

In Suermanns Busch [Bauerschaft Rinkhöven] entdecken wir die immergrüne Stechpalme und den Märzenbecher. Bisher ist ein in der Nähe des Busches unter einem Erdhügel vermuteter reicher Schatz noch nicht gefunden worden. Die nahe Brüggenfeldstraße soll früher als Schmuggelweg gedient haben. An den Stauwehren tummeln sich trotz der abgelagerten Schmutzstoffe badelustige Kinder, die mit den seifigen Schaumflocken spielen.

An der Straße Sendenhorst - Hoetmar fanden am Karsamstag 1945 am Angelufer zehn blutjunge deutsche Soldaten beim Angriff auf eine amerikanische Panzerspitze den Tod. Bei dem Kampf wurden vom Gegner vier Rinkhöver Bauernhöfe in Brand geschossen. Einige Monate vorher schlug eine Flakgranate in eine am Ufer weidende Schafherde.

Rechter Hand liegt der ausgedehnte Ketteler Horst. Dort verweilen wir in der Werkstatt des Holzschuhmachers Schwippe, der uns auf eine Fischreiherkolonie aufmerksam macht. Mit einem durchdringenden Geschrei umstreifen die stolzen Segler der Lüfte ihre in hohen Eichen- und Buchenwipfeln angelegten Horste. Auf den Waldwegen findet man das gefleckte, das breitblättrige Knabenkraut und die zweiblättrige Kuckucksblume. Als vierte Orchidee steht einzeln weiter, aber an verschiedenen Stellen, das "Rote Waldvöglein". Längs des Voßbaches bildet der seltene Wolfseisenhut ganze Bestände. Einbeere, Salomonsiegel und Aronstab sind reich vertreten.

Bild: Die begradigte Angel schlängelt sich durch die Landschaft.

An der Straße Sendenhorst - Alverskirchen verlässt die Angel den Kreis Beckum, nachdem sie kurz vorher den von Enniger kommenden Voßbach aufgenommen hat. Sein Wasser trieb in unserer Kinderzeit unsere selbstgebastelten Mühlräder. Unweit mündet der saubere Wieninger Bach, der von Hoetmar heraneilt Er trägt auf einer im Jahre 1807 auf Veranlassung von Napoleon angefertigten Karte den Namen Botter Bach. In diesem Niederungsland sind die Bachläufe von langen Kopfweidenreihen eingefasst. Stämmige Bullen bewachen die gemächlich auf den Wiesen grasenden rotweißen Rinder. Angler finden im Schilf ein beschauliches Plätzchen.

Bei Haus Horst klapperte auch früher an einem alten Angelarm die „Mühle am rauschenden Bach“. Seit Jahren stehen die Räder still. Uns überrascht ein Kreuz, das sich durch eine künstlerische Gestaltung des Gekreuzigten auszeichnet. Sockel und Kreuzesstamm sind mit bemerkenswerten Reliefs und Symbolen geschmückt. Am Angelforsthaus künden Reste von den einst viel besuchten Mosaikgrotten und Kuppelbauten, die der Einsiedler Pater Bücker dort errichtet hatte.

Von weitem grüßt uns auf unserer Entdeckungsreise eine von breiten Gräfte umzogene Wasserburg, die der Frührenaissance entstammt. Es lohnt sich, einen Blick auf das Türmchen, auf die Toreinfahrt und auf die Statue der hl. Elisabeth zu werfen. Das Haus Brückhausen mit seinem 1.300 Morgen großen Grundbesitz gehört der Familie von Twickel. „Am Brüggekotten“ taucht plötzlich im dichten Ufergras Meister Reineke auf. Wir haben ihn bei der Jagd auf vorwitzige Entenkinder gestört. Weiterhin liegt eine erholsame Stille über der Landschaft.

Zahlreiche fischreiche Bäche und Rinnsale speisen die nun müde gewordene Angel, die uns an die Worte der Droste erinnert: „Du bist nicht mächtig, bist nicht wild, bist deines stillen Kindes Bild, das, ach, mit allen seinen Trieben gelernt vor allem, dich zu lieben.“

Bei Wolbeck berührt die Angel auf ihrem Lauf den Tiergarten, das bekannte Gut Frohnhof und das Blumen- und Baumparadies der Gartenbauschule. Ein letzter Blick gilt noch dem Hause der Fürstin Gallitzin in dem reizvollen Angelmodde. Dann verabschieden wir uns von der Angel, die von hier gemeinsam mit der Werse den 200 km weiten Weg ins Meer antritt.

Opens external link in new windowAus Wikipedia:

 

Flusssystem

Ems

Abfluss über

Werse → Ems → Nordsee

Quelle

Südöstlich von Neubeckum
51° 47′ 47″ N, 8° 3′ 59″ O

Quellhöhe

ca. 132 m ü. NN[1]

Mündung

Bei Angelmodde in die WerseKoordinaten: 51° 55′ 32″ N, 7° 41′ 57″ O | http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c9/OpenStreetMapLogo.png/17px-OpenStreetMapLogo.png| http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/55/WMA_button2b.png/17px-WMA_button2b.png
51° 55′ 32″ N, 7° 41′ 57″ O

Mündungshöhe

ca. 48 m ü. NN[1]

Höhenunterschied

ca. 84 m

Länge

38,2 km[2]

Einzugsgebiet

195,134 km²[2]

Abfluss am Pegel Sendenhorst[3]
AEo: 67,85 km²
Lage: 19,51 km oberhalb der Mündung

NNQ (26. Jun. 1960)
MNQ 1960/2007
MQ 1960/2007
Mq 1960/2007
MHQ 1960/2007
HHQ (5. Dez.1960)

17 l/s
86 l/s
756 l/s
11,1 l/s km²
12,5 m³/s
22,5 m³/s

Abfluss am Pegel Wolbeck[3]
AEo: 161,21 km²
Lage: 7,55 km oberhalb der Mündung

NNQ (25. Jul.1959)
MNQ 1957/2007
MQ 1957/2007
Mq 1957/2007
MHQ 1957/2007
HHQ (23. Feb.1970)

24 l/s
119 l/s
1,58 m³/s
9,8 l/s km²
21,2 m³/s
33,1 m³/s

 

Die Angel ist ein 38,2 km langer, orografisch rechter Nebenfluss der Werse in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Geographie

Die Angel entspringt etwa 2 km östlich von Neubeckum auf einer Höhe von 132 m ü. NN. Von hieraus fließt sie vorrangig Richtung Nordwesten, ändert dabei jedoch öfters die Richtung.

 

 

Zuerst umfließt der Fluss das schon erwähnte Neubeckum im Norden, um dann nach Enniger zu fließen. Kurz vor Erreichen des Ortsrandes nimmt die Angel rechtsseitig den Biesterbach auf. Enniger wird am südlichen Ortsrand passiert. Einige Kilometer flussabwärts mündet links der Hellbach. Beim Weiler Watermann fließt ebenfalls linksseitig der Nienholtbach der Angel zu.

Östlich von Sendenhorst wendet sich der Lauf in eine nördliche Richtung, so dass die Ortschaft nicht tangiert wird. Beim Weiler Witte mündet rechtsseitig der Voßbach und wenig später der Wieninger Bach. Im folgenden Abschnitt bis Wolbeck ist der Fluss begradigt. Wolbeck selbst wird windungsreich durchflossen. Im Ort mündet der Piepenbach in die Angel, die wenig später selbst in Angelmodde auf 48 m ü. NN rechtsseitig in die Werse mündet.

Auf ihrem 38,2 km langen Weg überwindet die Angel einen Höhenunterschied von 84 m, was einem mittleren Sohlgefälle von 2,2 ‰ entspricht. Dabei entwässert sie ein Gebiet von 195,134 km².

 

 

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