Zwischen St. Martin und St. Aqua - Chronik der 4 Türme v. Sendenhorst

Vier Türme bestimmen die Silhouette der nunmehr 678 Jahre allen Stadt Sendenhorst Es sind der 72 m hohe Kirchturm der Kath. Pfarrkirche St. Martin, der 58 m hohe Turm des Krankenhauses St. Josef-Stift, der 42 m hohe städtische Wasserturm und der 133 m Höhe messende Fernmeldeturm der Post. Die Architektur, die Bauweise und der Baustil der unterschiedlich alten und hohen Bauwerke bleibt außer Betracht.

Links: Turm der St. Martin-Kirche, am 15.11.1865 geweiht / Rechts: "St. Aqua" nennen die Sendenhorster scherzhaft den Wasserrurm

Der Kirchturm St. Martin ist der "Senior" der vier Türme. Im Jahre 1993 konnte er auf das stolze Alter von 125 Jahren zurückblicken. Die alte Kirche von Sendenhorst (eine Kreuzkirche und ein schlichter Bau im romanischen Stil) war im Jahre 1853 zum Abbruch gekommen. Sie hatte bei dem Großbrand am 29. April 1806, als ein großer Teil der Stadt Sendenhorst (allein 154 Wohnhäuser) eingeäschert wurde, schwer gelitten. Der Kireilturm brannte aus, die Glocken schmolzen, und das Mauerwerk des Turmes zeigte weite Risse. Unter Pfarrer Bernhard Lorenheck (1837- 1865) entstand die neue, die jetzige Pfarrkirche. Den Plan daflir entwarf der Dombaumeister Statz aus Köln; die Bauausrührung oblag dem Bauunternehmer Deitmer aus Münster. Für das Sockelmauerwerk und flir den Westturm der Kirche fanden Steine- gewaltige Quader- von den Schleusen des ehemaligen Max-Ciemens-Kanals Verwendung. Die Schiffahrt auf dem Kanal, der hauptsächlich vom Fürstbischof Clemens August von Bayern (1719- 1761) von Münster bis Maxhafen bei Neuenkirchen bei Rheine gebaut worden war, war damals eingestellt worden. Das Material der Schleusen kam zum Verkauf. Im Kirchspiel Greven befand sich eine Steinschleuse, die Pfarrer Lorenbeck, der vorher in Greven als Kaplan tätig war, kannte. Er kaufte diese Schleuse flir den Sendenhorster Kirchenbau. Die gewaltigen Steinquader wurden dann durch Fuhren auf schlechten Wegenjahrelang herbeigeschafft. Oft brachten vier Pferde nur einen einzigen Stein über die etwa 8 Stunden lange Wegstrecke.
An einem Dienstag, dem 21. August 1855, wurde in Anwesenheit des münsterischen Bischofs Dr. Johann Georg Müller der Grundstein flir die neue Kirche gelegt, und wiederum an einem Dienstag, dem 14. November 1865, konnte der genannte Bischof nach mehr als 10-jähriger Bauzeit das Gotteshaus einweihen. Der Initiator und Erbauer der Kirche, Pfarrer Bernhard Lorenbeck, hat die Einweihung nicht mehr erlebt; er starb - tielbetrauert von der ganzen Gemeinde - am 6. Januar 1865. Unter seinem Nachfolger Johann Reinermann (1865- 1872) wurde im Jahre 1868 der große Westturm fertiggestellt und ebenfalls eingeweiht. [Höhe: 78 Meter] Im Turm wurden die 1834 von dem GIockengießer Peter Boitel, einem gebürtigen Franzosen aus Düren, gegossenen vier Glocken aufgehängt. Zwei von ihnen mußten bereits im Kriege 1914/18 für Kriegszwecke abgegeben werden; sie wurden später durch zwei neue ersetzt. Im letzten Krieg mußten gleich alle vier Glocken für Rüstungszwecke zur Verfügung gestellt werden. Erst 1949 wurden im Turm der Kirche St. Martin vier neue Glocken - gegossen von der Fa. Petit und Edelbrack in Gescher- aufgehängt. Unter Pfarrer Josef Brink (1963- 1981) erhielt der Westturm statt der bisherigen, stets reparaturbedürftigen Schieferahdeckung erstmals eine Kupfereindeckung. Stolz wehte auch in früheren Jahren an besonderen kirchlichen Festlagen wie Erstkommunion oder Fronleichnam am hohen Martinsturm die gelbweiße Kirchenfahne.
[So wie auch im Kirchenjahr 2000]

Das nächste zu beschreibende Bauwerk ist der Turm des St. Josef-Stifts. Vor zwei Jahren, am 12. Januar 1992, jährte sich zum 100. Male der Tag, an dem Joseph Spithöver, der Stifter des Sendennorster St. Josef-Stifts, in Rom verstarb. Der gebürtige Sendenhorster, der als gelernter Buchbinder auf Wanderschaft ging und später in Rom zu großem Reichtum gekommen war, hat seiner Heimatstadt das alte St. Josef-Stift bezeichnete Krankenhaus geschenkt. Er hat für dieses Vorhaben in den Jahren 1887 bis 1889 762.000 Goldmark gestiftet.
Die Grundsteinlegung für das Haus erfolgte im März 1887; die Einweihung in Gegenwart des Stifters am 16. September 1889. Die Bauausfüihrung für das St. Josef-Stift lag seinerzeit in den Händen des münsterischen Baumeister und Architekten Wilhelm Rincklake. Das markanteste und weithin sichtbare Wahrzeichen der Stiftung ist der 58 Meter hohe Turm inmitten der seitlichen Gebäudetrakte und des Zugangs zur Stiftskapelle. Die Unterhaltung des Turmes - vornehmlich des Turmhelmes - bereiteten dem Kuratorium und der Verwaltung zunehmend Sorgen. So war Anfang 1958 bei der Erörterung der Krankenhaus-Erweiterung der Plan aufgetaucht, den Turmhelm abzutragen, um die auf das Jahr umgerechneten Unterhaltskosten von ca. 2.000 DM zu sparen. Erfreulicherweie wurde der Plan verworfen. Später erhielt der Turm eine Kupfereindekkung. Auch das Geläut der Stiftskirche ist vor einigen Jahren durch klangvollere Glocken ersetzt worden. Wer sich der Stadt Sendenhorst vom Süden oder Westen her nähert, sieht beide Kirchtürme, deren Kupfereindeckung inzwischen Patina angesetzt hat, von weitem grün schimmern; ein Anblick, der jedem Sendenhorster heimatlich anmuten dürfte.

Der dritte Turm im Bunde ist der Wasserturm im Westen der Stadt, auch scherzhaft "St. Aqua" genannt. Er enttand 1950/51, als in Sendenhorst die städtische Wasserversorgung ein weitverzweigtes Rohrleitungsnetz verlegt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte jedes Haus eine mehr oder weniger gute Wasserversorgung aus eigenem Brunnen. Diese waren vielfach in der Nähe der früheren Festungsgräben angelegt und förderten mittels Handpumpen nicht immer das beste Wasser zutage. Als dann 1950 überall die Wasserleitung verlegt war, hieße stolz in der Lokalpresse: "Endlich Wasser! Lange, sehr lange haben die Sendennorster durch trockene Sommer hindurch auf eine städtische Wasserleitung warten müssen. 1950 erfüllte ihre Hoffnungen! In Hand- und Spanndiensten baute die männliche Bevölkerung in wenigen Monaten ein weitverzweigtes Versorgungsnetz vom Wasserwerk auf der Hardt durch die ganze Stadt, und schon seit etlichen Wochen tropft aus den Hähnen in allen Haushaltungen echtes städtisches Hardtwasser. Als Krönung dieser für die Zeit wohl ziemlich einmaligen Leistung wartet der Wasserturm mit einen 42 m auf seine Vollendung. Sein Fassungsvermögen von 400 cbm wird die Sendenhorster allen Wassersorgen entheben."
Anfang Mai 1951 war der Wasserturm vollendet. Er ist ganz aus Eisenbeton errichtet. [Abbruch 1999] 300 Festmeter Holz sind dabei als Gerüst und Schalung ge- und verbraucht worden. Allein für den Bau des Turmes waren 1.500 cbm Rheinkies erforderlich. Der Turm hat eine Höhe von 42 Meter. Das 8m hohe und breite Wasserbecken ist ebenfalls ganz aus Eisenbeton und in einer Höhe von30m aufgesetzt worden. Von dem Fassungsvermögen des Beckens standen stets nur 300 cbm Wasser zur Trink- und Wirtschaftswasserversorgung zur Verfügung, 100 cbm Wasser bildeten eine ständige Reserve als Löschwasser. Inzwischen hat der Wasserturm ausgedient, da durch Druckpumpen von Gelsenwasser das gesamte Rohrleitungssystem der städtischen Wasserversorgung im Raum Sendenhorst ausreichend mit Wasser versorgt werden kann.

Der letzte, aber mit 133 Metern der größte Turm ist der Fernmeldeturm der Bundespost. und Sein Standort ist nordöstlich der Stadt in der Nähe des Alten Postweges und unweit des neuen Industriegebiets Schörmel.
Mit seinem Bau wurde im Juli 1982 begonnen. Die erste Plattenebene beginnt in einer Höhe von 75 m, die nächste in 83 m Höhe. Der Überbau über den Betonturm fangt in der Höhe von 103 m an. Die reinen Baumaßnahmen waren Ende Oktober 1983 abgeschlossen. Die Baukosten betrugen 4 Millionen DM.
In der Zwischenzeit hat die Post an, in, um und auf dem Turm für mehrere Millionen DM technisches Gerät montiert. Es sind Sende- und Empfangsantennen für den terrestrisehen Empfang von Ton- und Fernsehprogrammen, für Richtfunk- sowie City-Funkverbindungen installiert. Vom Turm werden inzwischen 96.000 Haushalte mit Kabelprogramm versorgt. Das Fundament des 4.300 Tonnen schweren Turmbaues steckt 5 m tief im Erdboden. Bis zum Betriebsgeschoß sind 390 Treppenstufen zu erklimmen; es ist aber auch ein Aufzug vorhanden. Die Turmschwankung an der Spitze kann bei starker Sonneneinstrahlung oder gesteigerter Windeinwirkung bis zu 40cm betragen. Nachts ist die Turmspitze durch rote Warnlichter markiert und dadurch weithin sichtbar. Anläßlich des 100-jährigen Bestehens der Freiw. Feuerwehr Sendenhorst im Jahre 1985 wehte erstmals eine große Fahne von dem hohen Turme.

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