Alte Osterbräuche in Sendenhorst

In Sendenhorst haben sich zwei Osterbräuche, wenn auch in abgewandelter Form, bis in die heutige Zeit erhalten: die Karfreitagsprozession und das Ostersingen. Im April 1721 hatte der Sendenborster Magistrat die Karfreitagstracht gestiftet. Es war eine Zeit, da das religiöse Gefühl stark zu öffentlichem Ausdruck drängte, aber auch andererseits die Leidensgeschichte des Herrn die Menschen ergriff. Die zahlreichen Gründungen von Bruderschaften, die der Todesangst Jesu sich betrachtend widmeten, sind bezeichnend dafür.

Die Kreuztracht war eine der damaligen Barockzeit entsprechende szenisch auf Effekt gestaltete Karfreitagsprozession. Ein Dutzend dunkel gekleidete junge Männer stellten wie beim Passionsspiel das jüdische Volk und die römischen Soldaten dar. Sie trugen Marterwerkzeuge und andere Leidenssymbole des Heilands. Der eine hatte ein Rohr in der Hand, der andere trug eine kleine Leiter, ein Dritter eine Lanze usw. . Sie verspotteten und verhöhnten einen in der Karfreitagsprozession barfuß schreitenden unbekannten Mann, der durch eine sichere Maske vor dem Erkennen geschützt blieb. Während der Prozession trug er ein großes Holzkreuz, das ausgehöhlt war und dessen Gewicht durch das Einfüllen von Steinen erheblich erhöht werden konnte.
Schon Jahre zuvor liefen bei dem jeweiligen Pfarrer die Meldungen für das bußfertige Amt des unbekannten Kreuzträgers ein. Dieser Kreuzträger führte im Volksmund den Namen "Krüs-Leiwe-Häer". Bei den jüdischen Personen wurde auch stets Samson (Simson) dargestellt, der im Alten Testament als israelitischer Richter von großer Körperkraft geschildert wird, die Philister besiegte, doch von Delila seiner Kraft beraubt und von den Philistern geblendet wurde, um dann sterbend Rache zu nehmen.
Die Art und Weise aber, Juden und andere Personen darzustellen, muß im Laufe der Zeit ausgeartet sein. So hat Pfarrer Hermann Andreas Kuipers, der von 1759 bis 1779 Pastor zu Sendenhorst war, im März 1769 aufgezeichnet: "Es wurde verboten, da in der Karfreitagsprozession Ausgelassenheiten vorkamen, daß jüdische Personen dargestellt wurden, Samson und andere."
Die Kreuztracht hingegen bestand bis zum Jahre 1889. Es hatten alljährlich junge  Burschen während der Prozession den unbekannten Büßer so stark gehänselt, daß der amtierende Pfarrei Bernhard Lorenbeck (1837 -1865) kurzerhand die Kreuztragung aufhob. Die Karfreitagsprozession findet aber noch alle Jahre statt. Sie führt von der Pfarrkirche St. Martin aus durch die Straßen der Stadt. Vier alte, an Hausecken befestigte Holzbildnisse zeigen Ausschnitte aus der Leidensgeschichte und kennzeichnen die vier Gebetsstationen der mehr als 250 Jahre alten Prozession.
Eine andere Volkssille zur Osterzeit ist die Feier der Auferstehungsnacht. Sie dürfte wesentlich älter sein als die 1721 gestiftete Karfreitagstracht. Über die Festungswälle von Sendenhorst zogen bereits im Mittelalter junge Männer und verkündeten der Bürgerschaft durch das Singen uralter Lieder die Osterbotschaft.

Sendenhorst ist 1323 durch Graf Engelbert von der Mark niedergebrannt und vernichtet worden. Nach dem W1ederaufbau ist die seit 1315 mit Stadtrechten versehene Gemeinde mit Wall und Graben befestigt worden. Durch vier Stadttorhäuser bestand Verbindung mit der Außenwelt. Die  Festungswerke wurden um 1772 planiert.

Heute erinnern noch der Promenadenring, verschiedene Straßenbenennungen und ein Reststück des Walles an der Ostenpromenade mit der Begräbnisstätte jüdischer Mitbürger an die früheren Befestigungen. Dadurch ist aber erklärlich , daß nunmehr die beiden Gruppen von jungen Männern beim Ostersingen, dem sogenannten "Üm de Wälle goahn", singend um Mitternacht durch den heutigen Promenadenring ziehen.
Text und Melodie der allen Osterlieder haben unverändert Jahrhunderte überstanden. Generationen von Sendenhorstern habe das Liedergut von Vältern übernommen und an nachfolgende Generationen weitergegeben.
Unter Wechselgesang zieht die Prozession in althergebrachter Ordnung ohne Geistlichkeit dreimal durch die Promenaden, dann durch die Straßen der Stadt und mehrere Male um die Kirche, um mit einem gemeinsamen Morgengebet das Ostersingen zu beenden. Dieser schöne heimatliche Brauch ist Jahrhunderte allen Anfeindungen und Verboten zum Trotz beibehalten worden und wird weiterleben.

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