Aus der Geschichte von Sendenhorst - 5/5

 

Sendenhorst, dessen Stadt und Kirchspiel in der Verwaltung für Jahrhundert getrennt gewesen waren, erhielt am 1. April 1955 seine "Wiedervereinigung". Die Stadt im äußersten Nordwesten des Kreises Beckum hatte infolge ihrer Lage mehr als andere Städte und Gemeinden sich nach neuen Amtern, Kreisen und Kantonen orientieren müssen. Die Stadt im altsächsischen Dreingau, im 17. Jahrhundert Bestandteil vom Amt Stromberg, im

18. Jahrhundert vom Amt Wolbeck, kommt in der ersten preußischen Zeit von 1804 bis 1808 an den Kreis Warendorf, von 1808 bis 1811 zum Kanton Ahlen im Arrondissement Hamm des Ruhr-Departements im Großherzogturn Berg. Von 1811 bis 1814, nunmehr napoleonisch wird Sendenhorst selbst  -Kanton und zählt selbst Wolbeck, den einstmaligen bischöflichen Amtsort, und Amelsbüren zu seinem Bereich im größeren Bezirk Dortmund. Mit der zweiten preußischen Zeit mit 1814 wird Sendenhorst zum Kreise Beckum geschlagen, dem es nun 150 Jahre angehört. Mit dem Amt Vorhelm blieb es von 1833 bis 1851 in "Personalunion" verbunden, um mit dem 28. Oktober 1851 unter fortan wieder eigenem Bürgermeister amtsfreie Gemeinde zu werden. Da

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aber das Kirchspiel für noch mehr als hundert Jahre bei Vorhelm Stadt und Land Sendenhorst jedoch die gleiche Kirche und die gleiche sm im gleichen Lebens- und Wirtschaftsraum "Groß-Sendenhorst" behielten, ergab sich das ebenfalls vielgenannte Sendenhorster Kommunalkuriosum von säkularer Dauer.

Zu einem Ereignis von säkularem Erwähnungswert für die Sendenhorster Stadtgeschichte aber wurden jene sechzig Wochen vom Samstag, dem 14. Oktober 1944 bis zum Dienstag, dem 18. Dezember 1945, in denen mit dem Bischof von Münster auch der größere Teil der Diözesanverwaltung aus der Bischofsund Provinzialhauptstadt Münster in das kleinste der Münsterland-Städtmen nach Sendenhorst, gekommen war, während weniger wichtige Stellen der bischöflichen Behörden in die Nachbarschaft, nach Albersloh, sowie nach Greven und Gimbte evakuiert worden sind. Die Großangriffe vom Herbst 1944 mit der Zerstörung des Domes und fast aller noch bis dahin verbliebenen Kirchen war vorausgegangen. Clemens-August, Graf von Galen, wie viele andere auch längst zum Kellerbewohner geworden, kam mit einem Lastwagen nach Sendenhorst. Der Pfarrer von Sendenhorst, Pastor Westermann, und der Hausrektor, Pfarrer Huthmacher; hießen ihn in seiner neuen Residenz, den im überfüllten Sendenhorster Josefsspital frei geräumten zwei Zimmern, willkommen. In diesem Hause der Barmherzigkeit, das in den Jahren des 1. Weltkrieges den Soldaten als Lazarett gedient hat, wurde in den fortan schwersten Wochen von Kriegs- und Nachkriegszeit viel Trost gegeben. Denkwürdig bleibt das Christfestamt von 1944 in der überfüllten Martinskirche, als der Bischof von der Sendenhorster Kanzel aus sein Wort zugleich auch an die vielen Evakuierten richtete, in Stadt und Bauerschaften und an die Menschen draußen, so weit seine Stimme noch vernommen wurde. Denkwürdig bleibt aber auch der Gründonnerstag 1945, als zu Sendenhorst der Bischof Öl und Chrysam für die weite Diözese weihte. Wie aber sollten Chrysam und Öl in das bereits umzingelte Münster, in die inzwischen besetzten Gebiete und gar noch in das vom Einmarsch bedrohte und darum besonders gefährdete Bistumsgebiet gelangen: da radelten die Kapläne aus dem Münsterland, als Kuriere des hl. Ols, mit den Schreckensmeldungen der Invasionstage vor Ostern 1945 um die Wette, da fuhren in ihren Jeeps in den Tagen nach Ostern die Kriegskapläne der Alliierten das heilige Öl ins Ruhrgebiet und in den Raum des Niederrheins. Von Ruhr und Rhein waren aber schon in den Wochen zuvor auf oft abenteuerlichen Wegen die Pfarrer ratsuchend zu ihrem Bischof nach Sendenhorst gekommen. Zu ihm radelten sie auch in der gruseligen Nachkriegszeit auf nicht minder lebensgefährlichen Pfaden. Mit dem Messerstich im Rücken, von Russen überfallen, zerschunden und ausgeraubt, das alles tausend Meter von des Bischofs Residenz zu Sendenhorst entfernt, kam der neue Pfarrer von Haldern in jenen Tagen den weiten Weg von Rees am Niederrhein nach Sendenhorst geradelt. Von Sendenhorst aus tat der Bischof seine ersten Firmungs- und Visitationsfahrten der Nachkriegszeit zunächst in der Sendenhorster Nachbarschaft des Dekanates Ahlen, später ins weitere Münsterland und schließlich auch ins

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Ruhrrevier, an den Niederrhein und ins Oldenburger Münsterland. Sie sollten auch die letzten Bistumsreisen seines bald sich endigenden Lebens werden. Der Name Sendenhorst war wieder in vieler Leute Mund und kam in die Gazetten des neutralen Auslands und der westlichen Siegermächte, als den einrollenden Soldaten und den hohen Militärbesuchen die Reporter auf den Fersen folgten. Von Sendenhorst aus appellierte der Bekennerbischof auch an das Gewissen der Sieger und forderte Gerechtigkeit und Schutz für das unter der Willkür der Besatzung sowie unter den raubmörderischen Übergriffen der russischen und polnischen Lagergruppen leidende Münsterland. Von Sendenhorst aus waren noch in den letzten Kriegstagen die entstellenden Gerüchte bis in den "Führer-Bunker" nach Berlin gedrungen. Von Sendenhorst aus erfolgten Ehrenrettung und Würdigung des "Löwen von Münster", über den fünf Tage nach seinem Abschied aus Sendenhorst, am vierten Adventssonntag 1945, der Rundfunk aus Rom seine Kardinalsernennung in die Welt kündete. In den letzten Märztagen 1946 wurde Clemens-August Graf von Galen, mit dem Purpur des Kardinals, triumphierend soeben aus Rom zurückgekehrt, in den Ruinen des Domes zu Münster begraben. Mit den Kerzen und Blumen zu seiner Gruft im wieder aufgebauten Dom kamen seitdem auch die Sendenhorster viel. Sie gingen und gehen zu "ihrem" Bischof, der in schwerster Zeit einer der Ihrigen in der Evakuierung gewesen war.

Im Jahre 1867 prägte der Schützenkönig Franz Stapel sich den Spruch: "Ein fröhliches Herz macht ein blühendes Alter." Sendenhorst, nach einem Dutzend Großbränden in seiner nun 650jährigen Stadtgeschichte und nach mehr als einem Dutzend harten Kriegsläuften und manchen bitterbösen Schlechtwetter-, Not- und Seuchenjahren hat dennoch zu Zeiten, das fröhliche Herz nie vergessen. Das gab ihm den Mut zu Wiederaufbau und Neubeginn, und das gibt ihm auch die Hoffnung, sein blühendes Alter um weitere Säkula fleißig zu mehren. 

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