Aus der Geschichte von Sendenhorst - 2/5

 

Mit dem Abbruch des alten Gotteshauses verging das mutmaßlich älteste Sendenhorster Sankt Martinsbild, ein überpinseltes und verwittertes Freskos der Innenwand. Das Bild des Kirchenpatrons, des aus dem damals römischen Ungarn (Pannonien) stammenden Soldaten und nachmaligen Bischofs im fränkischen Gallien, des Helfers hoch zu Roß, der den Mantel an den Bettler teilt, kam aus dem Sakralraum in den Profanbereich der Kommunalverwaltung, wurde zum Siegelbild der städtischen Urkunden und zum neuzeitlichen Wappenbild der Stadt Sendenhorst. Nach dem ältesten auf uns gekommenen Siegelbild einer Urkunde vom Jahre 1489, (Stadtarchiv Soest), schuf der Königlich-Preußische Hofwappenmaler Rehling Anno 1910 zu Berlin jenes Stadtwappen, zu dem Kaiser Wilhelm persönlich Meinung und Genehmigung

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gab und das zugleich auch als Sinnbild vielhundertjähriger Magistratsgeschichte die Front des 1911 an alter Stelle neugebauten Rathauses ziert. Sendenhorster Urkunden aus jenen frühen Jahrhunderten geben allerdings nur spärliche Einblicke in die Sendenhorster Stadtgeschichte. So ist es eine Urkunde aus dem Jahre 1315, in der Sendenhorsterstmalig als Stadt bezeichnet wird. Diese Tatsache ist uns der Anlaß zum Jubiläum ,,650 Jahre Stadt Sendenhorst". Wann aber Sendenhorst Stadt geworden ist, läßt sich auf Jahr und Tag nicht bestimmen. In jenen Jahren jedoch, als auch Ramsdorf und Rheine ummauert wurden, beziehungsweise Stadtrecht erhielten, mag dieses Sendenhorster Datum geschehen sein. -Fast ein halbes Jahrhundert lang regierte damals Landgraf Ludwig von Hessen, der Urenkel der Wartburg-Heiligen Sankt Elisabeth, als Fürstbischof von Münster. Obwohl er selber lauter und barmherzig war, führte er dennoch viele Kriege, wie die Chronik sagt. In der märkisch-münsterischen Fehde von 1323 verwüstete und verbrannte Graf Engelbert von der Mark Sendenhorst. Nach dem November-Vergleich von 1323 erhält das wiederaufgebaute junge Städtchen die erste Befestigung: Wall und Graben und das Burghaus binnen den Wällen. Wall und Graben blieben bis in die Neuzeit. Als Münster seinen Mauergürtel in einen Promenadenring verwandelte, legte, Anno 1778 auch Sendenhorst seine Wälle nieder. Die vier nach den Himmelsrichtungen geheißenen Tore jedoch verschwanden erst Anno 1841. Der Judenfriedhof am Wibsenwall blieb als letzter Rest. Obwohl Sendenhorst mit einer vielhundertjährigen Geschichte aufwartet, bietet die Stadt keine ins Blickfeld fallende Bauten der Vergangenheit. Die Häuser der Gewerbetreibenden und Ackerbürger der Altstadt stehen an relativ breiten Straßenzügen. Der Wiederaufbau nach dem Großbrand des Jahres 1806 erfolgte mit schon neuzeitlich städtebaulicher Maßnahme. 

Sendenhorst hat oft gebrannt. Die vielen Katastrophenjahre haben den Aufschwung der Stadt in früheren Generationen gedämpft. Die Folgen der Notjahre wurden nämlich lange getragen. Die wichtigsten Daten des „Roten Hahns" über Sendenhorst sind nächst 1323, als die ganze Ortschaft in Asche gelegt wurde. Der 23. Oktober 1529 mit dem Totalbrand der Stadt samt Turm und seinen fünf Glocken, der 3. November 1639 mit dem Verlust von achtzig Häusern, der 29. Dezember 1650, also nur elf Jahre später, als nochmals fünfzig Häuser und nun auch das Rathaus verlorengehen, der 19. September 1749, als die. halbe Stadt, nämlich mehr als hundert Häuser samt Pastorat und Südtor niederbrennen, der 29. April Anno 1806, als von den 280 Häusern gar 154 abbrennen und nun erneut Rathaus, Pastorat, Kirchturm samt Glocken auflodern, und der letzte Großbrand vom 12. August 1885, der im Verhältnis zu den vorherigen Katastrophen dennoch nur geringe Ausmaße, aber die für den weiteren Feuerschutz wichtigste Folgenwirkung fand. Da lediglich die schnelle Nachbarschaftshilfe der Wehren von Münster bis Ahlen die größeren Schäden in Sendenhorst verhinderten, bewirkte dieser Eindruck die spontane Gründung der "Freiwilligen Feuerwehr Sendenhorst" schon einige Tage später. Zu ihrem Silberjubiläum Anno 1910 wurde der erste Geschichtsabriß über Sendenhorst vorgelegt (Peter Werland/Münster). Zwischen jenen Großbrandjahren liegen viele mindertraurige Daten. Einige Brandkatastrophen 


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fielen zudem in kriegerische Zeiten. Nach solchen doppelt belasteten Jahren wie im Dreißigjährigen Krieg und in der napoleonischen Zeit vollzog sich der Wiederaufbau noch schleppender, als dies schon an sich in den nicht immer fetten Wirtschaftszeiten geschah.

Die dunklen Daten der Sendenhorster Kriegschronik beginnen wiederum mit dem Hiobsjahr 1323. Mit den Kriegsknechten marschierte immer wieder der Kummer, auch wenn sie nicht die Lunte an die Häuser legten; Soldatenquartier zu werden oder gar langfristig terminierte Garnisonstadt zu sein, war eine der vielen Plagen von Anno dazumal. Anno 1450 wird Sendenhorst "Kostplatz" münsterischer Kriegsknechte des Demagogen und Diktators Johann von Hoya und seiner münsterischen Mitläufer, die den rechtmäßig gewählten Bischof bekriegten. Mit der"Sendenhorster Tagfahrt" fand diese sieben Jahre währende "Münsterische Stiftsfehde" ihre Beendigung. In der Wiedertäufer-Revolution verfügte sich Meissener Militär aus der Münster belagernden Reichsarmee nach Sendenhorst. Die den Deserteuren nachgefahrenen Geschütze brachten sie nach kurzem Gefecht auf Jungmanns Hof in das Verwahr der hinter ihnen zugesperrten Wolbecker Kirche. Viertausend Braunschweiger Infanteristen werden in der Braunschweiger Bischofsfehde von 1553 den Sendenhorstern zur Landplage.

Sendenhorst-Stadt und -Land leiden, als die vom Landesherrn ins Land gerufenen Spanier, laut zeitgenössischer Publikation (1599), diese Stadt wie andere feste Orte "bedräuet, beschossen, gestürmet und eingenommen haben". Bis aufs äußerste ausgemergelt hat der "Tolle Christian" von Braunschweig die Stadt Sendenhorst, in der er fünf Tage im Monat Mai Anno 1626 sein Hauptquartier aufschlug. Von Sendenhorst aus wiederholte er seine Geldforderungen an Münster in unverschämter Höhe, die dennoch bezahlt wurden. Aber im nächsten Jahre kam die kaiserliche Armee mit den für Sendenhorster Quartier bestimmten drei Reiterfähnlein des Grafen Anholt. Sie waren nicht braver als die Hessen, die am 27. Oktober 1637 Stadt und Land von Sendenhorst plünderten. Im Jahre 1734 belegten Truppen der durchmarschierenden preußischen Armee für die Länge eines Winters ihr Quartier nach Sendenhorst. In den Maitagen von 1758, zur Zeit des zweiten Siebenjährigen Krieges in unserem Land, belegten Soldaten des Hannoverschen Infanterie-Regiments von Diepenbrock die Sendenhorster Quartiere. Zwei Jahre später hat man auf den Raum Sendenhorst so viele Soldaten verteilt, daß ihrer gleich drei Dutzend auf einen Hof gekommen waren. Die napoleonische Zeit brachte ihre großen Veränderungen im Kommunalgefüge, verschonte aber die Stadt mit den dicksten Schreckensdaten. Anno 1848 waren es die Sendenhorster selbst, die ihre "Revolution" riskierten. Sie taten dies kurios und kurzfristig. An den Kriegen des 19. Jahrhunderts nahmen Sendenhorster Söhne all die Jahre teil. Ihren Toten erwies die Stadt die gebührende Ehrung wie auch jenen hundert Gefallenen, die der I. Weltkrieg und der noch größeren Zahl von Opfern, die der II. Weltkrieg aus Stadt und Kirchspiel heischten. Ihrer aller Namen wird das Ehrenblatt im kommenden Heimatbuch nennen.

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