Aus der Geschichte von Sendenhorst - 1/5

Geschichte Sendenhorst zusammengefasst 1965

 

Sendenhorst, die fast 500 ha große Stadt mit dem fast zehnmal so großen gleichnamigen Kirchspiel im Nordwesten des lehmgründigen, kalkreichen und waldarmen Kreises Beckum, -ist eine von der vierzig Horst-Siedlungen des Münsterlandes. Diese Namensgebung führt in die Landnahmezeit der altsächsischen Vorfahren. Denn nur im westfälisch-niedersächsischen Siedlungsraum ist die Horst-Bezeichnung anzutreffen. Die Siedlung Sendenhorst aber ist älter. Ihre Lage auf leichtsandiger Höhe wurde zum Anziehungspunkt der ersten Siedler im umgebenden Klei-Münsterlande. Bodenfunde für solch ferne Vorzeit liegen vor. 

Die letzten, 1949 bei Ausschachtungsarbeiten am Martiniring zu Tage getretenen Grabstättenreste belegten die hiesige Ansiedlung auf das zweite vorchristliche Jahrtausend. Durch diesen Siedlungsort nahmen die späteren Fern- und Königsstraßen ihren Verlauf. Auf ihnen rollte hernach auch der Salzhandel von Soest nach Münster; auf ihnen zogen aber auch, bis in unsere jüngste Vergangenheit, die Soldaten vieler Völker. Zur Malstätte um den Freistuhl am Königsweg dieser Straßen forderten Frei- und Gogericht zu Sendenhorst die Eingesessenen ' zum echten und zum gebotenen Ding. Der sandige Kiesrücken, die Lage an sich kreuzenden Wegen und der Treffpunkt zur Dingstätte am Orte sollen dieser Siedlung im gerodeten Waldgestrüpp ihren Namen gegeben haben; so wollen dies die jeweils verschiedenen Deutungen . Selbst . der Anklang an einen keltischen Flurnamensrest vorgermanischer Siedlungszeit ist gegeben. Die Deutung des Namenssinns der Horst Siedlung zu „Seondon" ist vielschillernd geblieben; auch die neuzeitliche Ortsnamensforschung (Georg Niemeier) hat diesen Schleier nicht gelüftet.

Zunächst blieb der Name begrenzt auf die Kernsiedlung Sendenhorst in der Größe eines Bauerschaftsbereichs. Hier hatten mit anderen weltlichen und geistlichen Grundbesitzern auch die damals noch verhältnismäßig armen westfälischen Abteien Freckenhorst und Werden einige Höfe. Ihre lateinisch und altniederdeutsch geschriebenen Güterverzeichnisse nennen die ältesten uns bekannten Namensformen: Seondonhurst (Werden) im 9. undSendinhurst (Freckenhorst) im 11. Jahrhundert. Ein Jahrhundert später wird die noch heute gültige Namensform erstmalig niedergeschrieben. In ihr nennt sich eine uns nur aus Zeugenzitierungen dem Namen nach bekannt gewordene Adelsfamilie der "Herren von Sendenhorst" für die wenigen Jahre von 1133 bis um 1140. Im Jahre 1175 erfolgt die größerräumige Ortsnamensverwendung, angewandt für die Lagebezeichnung eines Hofes: belegen bei der "Villa Sendenhorst".

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Mit dem Namen Sendenhorst verbindet sich im Hochmittelalter bis zur Neuzeit das Rechtsleben in Sendenhorst selbst und seiner weiteren Nachbarschaft, so das Freigrafschaftsgericht mit seinen vier Freistühlen in und bei Sendenhorst, zuständig zudem für Vorhelm, Ahlen-Halene und Albersloh. Der Gerichtsstuhl an der Königstraße vor dem Geest-Hof zu Sendenhorst wurde mit dem 13. und 14. Jahrhundert so bedeutend, daß er zeitweilig zum Hauptstuhl im größeren Freigrafschaftsbezirk "auf dem Drein" erkoren wurde. In dieser Zeit verdrängte der Name Sendenhorst sogar die ältere "Drein"-Benennung für das übergeordnete Freigrafschaftsgericht. Sendenhorster Richter sprachen damals auch an anderen Orten Recht. Die Gerichtsherren aber waren jeweils einflußreiche Familien im Lande. Sie · wurden in der Frühzeit vom Könige selbst und später vom münsterischen Landesherrn belehnt. In Notzeiten haben Münsters Fürstbischöfe das Sendenhorster Gericht verpfändet wie eine Konsumsteuereinnahmequelle. Anno 1367 hatte es einen Pfandwert von fast vier Zentnern Silber, und im Jahre 1515 kaufte es wieder einmal der münsterische Bischof, nun für viertausend Goldgulden, zurück Schon im 14. Jahrhundert hatte das Gogericht Sendenhorst dem alten Freigericht die Bedeutung abgenommen. Um 1500 ist der Droste von Merveldt, Marschall des Stifts Münster, Sendenhorster Gograf. Er bewohnt das feste bischöfliche Burghaus zu Sendenhorst. Seitdem soll es den noch heute in der Straßenbezeichnung erhaltenen Namen "Drostenhof" führen. Anno 1622 nennt sich Adolf von der Mark "fürstlicher Richter zu und außerhalb Sendenhorst". Aus dem einstigen Befugnisbereich des Gogerichts Sendenhorst stammt das Markengericht Sendenhorst. Im 18. Jahrhundert untersteht es dem Magistrat. Sendenhorster Konsuln befinden über Hude und Schüttung des Weideviehs auf den Marken auch in Albersloh, Drensteinfurt, Hoetmar und Rinkerode. Im 'jungen 19. Jahrhundert, allerdings nur für die beiden Jahre von 1815 bis 1817 und allem Anschein nach auch "nur auf dem Papier", macht das "Stadt- und Landgericht Sendenhorst" von sich reden. Den größten Gesprächsstoff aber gab das heimliche Gericht der Feme. Denn mit dem Namen Sendenhorst verbindet sich das Schlußkapitel der Feme im Münsterland, sofern man der Überlieferung trauen darf. Nach dem Fememord an dem Sendenhorster Bürger namens Hesso, einem vorwitzigen Mitwisser, den im Jahre 1516 auf dem Heimgang just von einer Hochzeit auf dem Sendenhorster Hof Horstrup die auflauernden Schöffen aufhängten, soll Münsters Fürstbischof Erich 1., Herzog von Sachsen-Lauenburg, das Femegericht fortan für seinen Machtbereich verboten haben. "Hessenbaum" und "Horstrups Krüs" geben noch heute den schaurigen Hinweis.

Aber nicht das Rechtsleben, sondern der Kirchenkontakt haben Sendenhorst seine Selbständigkeit gegeben. Die "Villa Sendenhorst" des Jahres 1175, die nicht mehr Bauerschaft war und noch nicht Stadt wurde, hatte sich um die Kirche von St. Martin ausgedehnt. Die Pfarrkirche gilt als Gründung des Bischofs von Münster. Allem Anschein nach hat Bischof Werner, Freiherr von Steusslingen, um 1140 das Kirchspiel Sendenhorst gebildet. Wie bei weiteren Kirchspielgründungen des 12. Jahrhunderts (Roxel) geschah die Fundierung mit der Wirtschaftshilfe der ortsansässigen Ministerialenfamilie, hier der Herren von Sendenhorst. Sie standen just in jenen Jahren auch in es Bischofs Diensten. Zudem wurden zu jener Zeit, besonders auch im südlichen Münsterland, kirchliche Neuordnungen vorgenommen. Erst im Jahre 1230 jedoch wird die Pfarre Sendenhorst urkundlich belegt. Sie umfaßt mit em Ortskern 'äi'e sieben Bauerschaften Brock und Bracht, Jönsthövel und Hardt, sowie Rinkhöven, Elmenhorst und Sandfort. In ihnen stecken die Anteile der älteren Nachbarpfarreien Ennigerloh, Everswinkel und Albersloh. Auch ihre Namen reichen in die sächsische Siedlungszeit zurück, und auch sie werden in den Heberollen der dort begüterten Klöster Freckenhorst und· erden genannt. Zu ihnen gehört auch der Name der Bauerschaft Schorlemer, die seit langem den Namen des einstigen Haupthofes Rinkhöven führt. Tiefsinniger Ausdruck der Zusammengehörigkeit der sieben Bauerschaften mit dem Kirchort Sendenhorst und seiner Bürgerschaft, hier vertreten durch die Webergilde, wurden später die acht Opferlichter im Chor der Martinskirche. Diese Martinskirche, einer unter den mehr als Dutzend im Bistum Münster, wurde im 13. Jahrhundert im romanischen Stil neu gebaut, erhielt zu später Zeit gotische Zutaten, hatte überdies bereits Elemente des Übergangsstils, wie er am deutlichsten am Dom zu Münster ausgeprägt ist und wurde 1854 abgebrochen. Ihren Abbruch bedauern wir heute umso mehr, nachdem sie ein" zwar schlichtes, kunsthistorisch jedoch bemerkenswertes Gotteshaus war (Wilhelm Lübke, 1853). Der Neubau im neu gotischen Stil. fand aber die Zustimmung der Zeitgenossen, bot Raum der gewachsenen und weiterhin wachsenden Gemeinde und gab den verschönerten Gottesdiensten den festlichen Rahmen. Er ist das Werk des Sendenhorster Pfarrers BernhardLorenbeck, der als begeisterter und begeisternder Planer und Mitarbeiter eigens die Ziegelei zu Sendenhorst für diesen Kirchbau anlegte, selber die Formen für die Zierate entwarf und herstellte und für die Anfuhr der für den Westturm bestimmten Bruchsteine aus der auf Abbruch angekauften "steenernen Schluse" des einstmals fürstbischöflich-münsterischen Max-Clemens-Kanals sorgte. Acht Stunden zogen vier Pferde den langen Weg von Greven oft lediglich einen dicken Stein. Viele kleine Steine "fielen" unterwegs vom Wagen, aus denen eine frühere Behelfskantine der Kanalarbeiter, das danach nun noch so benannte Gasthaus der "Höltenen Schluse" bei Sprakel, sein massives Mauerwerk erhielt. (Mitteilung des inzwischen verstorbenen Gastwirts Renfert, Sprakel).

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