Straßennamen der Stadt: Südendamm

Im Stadtarchiv ist folgender Bericht über den Südendamm gefunden worden: Sendenhorst. Vom Südtor zweigt der Südendamm ab. Er führt in Richtung Ahlen...

1965 - Kreuzung Südtor - Südendamm, Richtung Nord. Josef-Kapelle, später abgerissen.

.. und erinnert durch seine Breite und Gradlinigkeit an frühere Heerstraßen, wie sie zur Zeit  Napoleons entstanden. Während vor dem Kriege 1939/45 nur vier Häuser (zwei älterer, zwei jüngerer Bauart) die Straße säumten, ist inzwischen die Straße fast bis in Höhe der Gehöfte Schmetkamp und Schulze-Horstrup beidseitig bebaut.

Mit dem Hof Schulze-Horstrup verbindet sich die Erinnerung an die Feme. Alte Urkunden berichten – so lauten die Aufzeichnungen von August Stafflage –, daß der Freistuhl der Sendenhorster Freigrafschaft zeitweilig zu den bedeutendsten in Westfalen zählte und seit 1319 oft genannt wurde. Er lag in der Nähe der Königsstraße unweit des Hofes Tergeist, so der Wortlaut: In platea regia propre opp. S. ante curtim dictam toe Ghest.“  Die hiesige Freigrafschaft umfaßte die Orte Albersloh, Sendenhorst, Vorhelm und einen Teil von Ahlen (vermutlich die Bauerschaft Halene).

Um 1400 scheint der Richtstuhl in der Hohen Ward bei Albersloh den Sendenhorster Hauptstuhl abgelöst zu haben. Das letzte Femegericht soll 1811 in Gremen stattgefunden haben. Außerdem ist aufgezeichnet, daß ein Übergriff der anmaßend gewordenen Schöffen bei Sendenhorst den Bischof Erich von Münster veranlaßt haben soll, die Femegerichte in seinem Gebiet aufzuheben.

Das Kumannsche Manuskript besagt: „Im Jahr 1516 übten einige Freischöffen im Kirchspiel Sendenhorst einen Gewaltstreich, der den so gefürchteten Femegerichten einen gewaltigen Stoß versetzte. Auf dem Hof Horstrup waren diese Männer zu einem Gastmahl eingeladen und unterredeten sich in einer den Gästen unverständlichen Sprache. Einer der anwesenden Gäste namens Hesso erlaubte sich die Bemerkung, er habe alles verstanden, was sie gesprochen hätten. Als er in der Nacht nach Hause wollte, lauerten sie ihm auf, ergriffen ihn und hängten ihn an den ersten besten Baum. Noch heute erinnert ein am Wege stehendes Kreuz an diese Freveltat.“

Ferner sind im Zusammenhang mit dem Südendamm die alten Flurbezeichnungen Härderfeld, Steinkühlerfeld und „De witte Poahl“ zu nennen. So bezeichnet Pfarrer Kuipers 1778 u. a. die folgenden Flurstücke als Pastoratsland: Auf dem Roggenkamp, vor dem Glorienbaum, auf dem Sommerlager vor dem Plaggenbaum und im „Härderfeld“ vor dem Bersenbaum. Vermutlich stand unter dem bereits 1582 im Heberegister erwähnten Glorienbaum ein Heiligenhäuschen. Sendenhorsts höchste Erhebung ist nach alten Aufzeichnungen der „Witte Poahl“. Es ist anzunehmen, daß diese Benennung von einem weiß angestrichenen Grenzpfahl herrührt, der in der Nähe des Weißen Berges (78,3 Meter hoch) und des Schafsberges (81,8 Meter hoch) gestanden hat. Dort soll auch zur Zeit der Befreiungskriege 1812/13 ein Kosake beerdigt worden sein; die Grabstelle ist heute unbekannt.

Zwischen dem Härderfeld und „Witten Poahl“ liegt auf der nördlichen Seite des Dammes das Steinkühlerfeld. Auf dieser ehemals hügeligen Grenzscheide zwischen Sendenhorst und Ahlen wurde beim mittelalterlichen Schnadezug „Das Ganze halt!“ geblasen. Vom Steinkühlerfeld zogen die Jäger heimwärts zum fröhlichen Festschmaus im Rathaus. Im Jahre 1811 wurde die Gemeinheit Steinkühlerfeld an die Hudeberechtigten aufgeteilt. Man entdeckte, daß der dort vorhandene Mergelboden zahlreiche Plattenkalke enthielt, die fortan als Baumaterial Verwendung fanden. Selbst die Flurplatten der ehemaligen Aegidii-Kaserne in Münster stammten aus diesen Steinbrüchen. Sie wurden weit über Sendenhorst und Westfalen bekannt, als am 30. November 1932 bei Erdarbeiten in zwei Urnen 1400 Münzen zu Tage kamen, die um die Zeit um 1426 dort vergraben worden waren.

Weniger bekannt ist, daß bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts berühmte Geologen ihre Schritte zum Steinkühlerfeld lenkten und dort die 90 Millionen Jahre alten Fossilienfunde von Sendenhorst – Fischabdrücke im Kalkstein der oberen Kreide – machten, die heute noch im Geologisch-paläontologischen Museum der Wilhelms-Universität in Münster in besonderen Schaukästen zu sehen sind.

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