1900-1949

Sendenhorst in der 1. Hälfte des 21. Jahrhunderts - Vom Kasierreich über den 1. WK, die Weimarer Republik, die Nazi-Zeit und der 2. Weltkrieg bis zur Gründung der BR Deutschland

1900
1.995 Einwohner
3. September 1900
Sendenhorster Volkszeitung, Nr. 1 erscheint. (Ahlener Volkszeitung gegründet 31.3.1898)

1901
Gründungsversammlung Allgemeiner Schützenverein unter der Linde im Hof Gasthaus Voßding, Südstraße / Wiederbegründung

1903
Eröffnung der Westfälischen Landeseisenbahn, Sendenhorst erhält Anschluss an die Strecke Lippstadt - Neubeckum - Enniger - Sendenhorst - Albersloh - Wolbeck - Münster. Erste Fahrt geht von Beckum nach Münster und zurück

1905

Schließung der Bestattung im Ost-Friedhof  - Eröffnung eines neuen Friedhofs
am Westtor

1907
Straßenlampen mit Strom durch Wieler, auch  Haus- und Stallbeleuchtung; Ende der Petroleumlampen

1910
Gründung des Turnvereins
Einwohner: 2.480 Stadt   836 Kirchspiel     Fläche Stadt:  389 ha = 1.556 Morgen    Fläche Kirchspiel: 4.808 ha = 19.232 Morgen 

1911
Stadtwappen und Rot-Weiß-Fahnen durch Kaiserliche Genehmigung von Wilhelm II.
Post zieht vom Südtor zur Nordstraße 248 um, wo sie seit 1742 war. 1980 zur Schulstraße im September 2003 dann Poststelle im Geschäft Lotto-Totto, Schulstraße Rathausneubau Sparkasse zieht um von Rötering ins Rathaus, 2 Räume, 1 Tresorraum
Lehrer Kaspar Möllers, Katjo, Knieper, Erpenbeck, Bussmann Verspohl, von Roschee; 7 Klassen - 448 Kinder

1912
Die letzte Jüdische Familie verlässt die Stadt. Seit 1838 ist zwar eine eigene Schule belegt, eine kleine Synagoge befindet sich am Schlabberpohl, insgesamt gibt es sechs jüdische Familien in Sendenhorst. Einziges verbliebenes Relikt ist der unversehrte jüdische Friedhof auf dem ehemaligen Stadtwall (Ostenpromenade).
16.6.1912
Erstes Bezirksturnfest in Sendenhorst. Turnhallenbau beginnt
28. April 1912
Brieftaubenzüchter gründen den Militär-Brieftauben-Liebhaber-Verein „Luftbote“. Züchter stellen Tauben dem Kriegsministerium zur Verfügung Militärbrieftauben im Krieg für Eilmeldungen und in Friedenszeiten für Spionage.

1913
Gründung Brieftaubenverein Blitz
Turnhalle errichtet, Fertigstellung

1914
Gründung des Gesellenvereins und Gründung des Jugendvereins
Promenadenbau Nord-West
1914- 1918
I. Weltkrieg: Deutsches Reich, Österreich-Ungarn & Osmanisches Reich (Mittelmächte) gegen die Alliierten: Großbritannien, Frankreich, Russland, ab 1917 USA
28. Juni 1914
Attentat von Sarajevo  als Auslöser des I. Weltkrieges. Bei seinem Besuch in Sarajevo wurde der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, von mehreren Mitgliedern einer bosnisch-serbischen nationalistischen Bewegung erwartet. Infolge dessen: Der Krieg beginnt am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien.[4] Serbien wird durch das Russische Zarenreich unterstützt, während das Deutsche Reich der Donaumonarchie beisteht. Die Mittelmächte, zu denen sich auch das Osmanische Reich und Bulgarien gesellen, sehen sich einem Zweifrontenkrieg gegenüber, da die Entente-Mächte Frankreich und Großbritannien auf Seiten von Russland und Serbien eingeifen. Später kommen Japan, Italien, Portugal, Rumänien, Griechenland, die USA und andere Länder hinzu.
1. August 1914
Mobilmachung erfolgt
1914 - 1918
Turnhalle und Räckers Fabrik dient als Kriegsgefangenenlager für Franzosen / Krankenhaus als Vereinslazarett

1915
Herstellung von Granaten in Ramesohls Fabrik

21.5.1916
Gründung des Kaninchen-Zuchtvereins. Vorsitzender Wilhelm Düllo, Nordtor

1917
Lager für französische Kriegsgefangene in Räckers Fabrik, (Weberei) - Gefangenenlager Turnhalle, Mühlenkuhle

1918
Sommer 1918
Abgabe der 2. Glocke, Katharinenglocke für Rüstungszwecke
November 1918
Die Westfront kollabiert. Die Alliierten erzwingen einen Waffenstillstand. Im Deutschen Reich bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte. Revolution in Berlin.
9.11.1918
Kaiser Wilhelm II. dankt ab und flieht ins holländische Exil. Phillip Scheidemann (SPD) ruft vom Reichstag in Berlin die Republik aus.
Kriegsende und Revolution in Sendenhorst: 101 Gefallene seit Kriegsbeginn Gründung eines Arbeiter- und Soldatenrats, Quartier ist die Bahnhofsgaststätte. Heimkehrende Soldaten durchziehen Sendenhorst, andere nehmen Quartier für Wochen

1919
24. Januar 1919
Neuwahl von 12 Stadtverordneten, erstmals Frauenwahlrecht
2. März 1919
erstmals 12köpfige Stadtvertretung, unter den Mitgliedern sechs Arbeitnehmer

1920
Gründung Handwerker-und Gewerbeverein
1920
Aufstände von Rechts und Links
13. März 1920
In Berlin kommt es zu ei­nem Putschversuch des Landschaftsdirektors Kapp und des Infanteriegenerals von Lüttwitz. Die Reichsregierung ruft zum Generalstreik auf der weithin befolgt wird und verlässt Berlin. Nach vier Tagen bricht der Kapp/Lüttwitz-Putsch zusammen.
Als Antwort auf den rechten Kapp-Putsch erfolgt nach dessen schneller Niederwerfung ein Aufstand von links.
Im Ruhrgebiet entsteht eine „Rote Ruhrarmee". Diese kann am 17. März Dortmund besetzen, am 19. März folgen Bochum und andere Städte des Reviers. Am 20. März ist das gesamte Revier in der Hand der Aufständischen.
Das Münsterland ist am südlichen Rand von diesen Ereignissen betroffen. Die Rote Armee marschiert nun nach Norden auf Münster zu, besetzt am 22. März Schermbeck, Raesfeld und Dülmen. Südlich von Borken, nördlich von Dülmen und bei Sendenhorst [südlich] bilden sich die Frontabschnitte der Regierungstruppen.  Den Regierungstruppen gelingt jedoch in kurzer Zeit die Rückeroberung des Ruhrgebietes, am 8. April ist die Besetzung des Reviers abgeschlossen.

1920 - 1940
Rektoratschule. „Altes Rathaus“, Westtoror

1921
Gründung der Stadt- und Feuerwehrkapelle

1923
Hyperinflation im Deutschen Reich
Die Inflation erreicht Rekordhöhen. Am 15. November 1923 wird die Papiermark abgelöst mit Einführung der Rentenmark (wertgleich mit der späteren Reichsmark). Körperlich mussten die am 15. November 1923 gültigen Scheine aber noch bis Anfang 1925 als wertstabiles "Notgeld" (Kurs: 1 Rentenmark = 1 Billion Mark) dienen.
Einweihung des Kriegerehrenmals.

1925
Heimatfreunde gründen den Heimatverein.
Gründung des Reitervereins

1926
Februar 1926
Wirtschaftslage sehr schlecht. Emailierwerk, Maschinenfabrik, Schraubenfabrik, Hartsteinwerk. 100 Arbeiter beschäftigt. Werke liegen still
Ausbau südliche Promenade
März 1926
Kanalisation von Weststraße, Nordstraße, Schulstraße bis Schule, Kühl, Drostenhof 
6.Juni 1926
Sommerbadeanstalt Hardt wird eingeweiht. Bassin ist 130 m lang, 50 m breit 27.12.1926
Elektrizität hält Einzug: Straßenlaternen brennen erstmals.

1928
Kläranlage. Beratung
Ausbau der Promenade vom Osttor zur Neustraße

14.7.1928
Freiwillige Feuerwehr. Grundsteinlegung von Steigerturm und Gerätehaus am Placken.

17.11.1929
Wahl zum Stadtparlament

1930
Weltwirtschaftskrise führt zu Insolvenzen und Massenarbeitslosigkeit. [siehe Wiki-Link]
Einweihung des Kriegerdenkmals am Osttor

1931

Obst-und Gartenbauverein Gründung. Vorsitzender Große-Kogge
1932
Jugendheim. Einweihung Sandkuhle, Westtor, westlich von Wößmann 3)
30.November 1932
Auf dem Steinkühlerfeld südlich  von Sendenhorst werden im Rahmen von Notstandsarbeiten zwei Tonkrüge gefunden. Die Krüge enthalten 42 Gold- und über 3000 Silbermünzen, von denen viele eine Prägung aus dem Jahre 1425 n.Chr. aufwiesen. 1)
Sprung in den Sendenhorster Geschichten

1933
30.1.1933
Hitler wird vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt, Beginn der nationalsozialistischen Terror-Herschaft. Zuerst Bildung einer Koalitionsregierung mit den Deutschnationalen. Mit dem Ermächtigungsgesetz am 24. März 1933, dem bis auf die SPD alle Parteien im Reichstag zustimmen, erlangen Hitler und seine NSDAP die absolute Macht.
14.2.1933
Flaggenstürmer, Reichsflagge geholt vom Rathaus, Friedhof abgelegt
2.3.1933
Hakenkreuzfahne am Rathaus

1936
Badeanstalt. Hardt. Abbruch der Gebäude. Einstellung des Badens

26.9.1937
Kirchspielswappen genehmigt. StHAS   =gezinkter roter Balken auf goldenem Grund

1.9.1939
Der II. Weltkrieg beginnt mit dem Überfall Deutschlands auf Polen. Am 3.9.. erklären Frankreich und England Deutschland den Krieg.
1939
Schießplatz und Sportplatz entstehen in Sandkuhle neben Friedhof.

1940
14.4.1940
Einweihung der neuen Orgel in St. Martin
7.9./ 11.10.1940
Bomben britischer Flugzeuge richten Flurschäden an. Bomben Ostheideweg nach Hoetmar, Scheinflughafen Watermann, Hardt

1941
Bombenangriffe auf Münster. 350 Evakuierte kommen nach Sendenhorst

1943
3 Glocken für Kriegszwecke abtransportiert.
4.3.1943
Erstmaliger Beschuss durch britischeTiefflieger. Straßenlampe bei Herweg wird beschädigt.

14. 10. 1944 bis 18.12.1945
Bischof Clemens August von Galen nimmt Quartier in Sendenhorst, nachdem in Münster nach schweren Bombenangriffen das Dompalais schwer beschädigt wurde.

1945
Ende März 1945
Front kommt nach Sendenhorst. Am Westtor wird eine Panzersperre errichtet, die jedoch vor dem Einmarsch der Amerikaner geöffnet wird.
30.3.1945 - Karsamstag
Durchzug amerikanischer Truppen von Drensteinfurt kommend. Weiße Fahnen werden gehisst. Feuergefecht in Rinkhöven. Junge HJ-Soldaten liefern sich letztes Gefecht mit den US-Truppen. 5 Höfe brennen ab. 9 Soldaten tot.
Fremdarbeiter marodieren. Russische Kriegsgefangene liefern sich Straßenschlachten mit Bewohnern Weststraße.
Besetzung durch Amerikaner, dann englische und später belgische Besatzung.
8.5.1945
Das Deutsche Reich kapituliert, Kriegsende.
Deutschland wird in 4 Besatzungszonen aufgeteilt. + 4 Sektoren von Berlin + deutsche Ostgebiete an Polen (Hinter-Pommern, Westpreußen, Schlesien, südliches Ostpreußen) + nördliches Ostpreußen an Russland
Die 3 Westalliierten sind: USA, Vereinigtes Königreich und Frankreich.
Endgültig völkerrechtlich anerkannt wird die Oder-Neiße-Grenze als deutsche Ostgrenze erst mit den 2 + 4 Verträgen der deutschen Einheit:
Mai1945
Gefallen im Krieg 208 Sendenhorster und 45 Flüchtlingsangehörige
1945 Juni
Flüchtlinge aus dem Osten finden Unterkunft.
1945
Evangelischer Gemeindeverband
18.12.1945
Bischof Clemens August von Galen kehrt nach Münster zurück.

27.2.1946
Clemens August, Bischof von Münster, später Kardinal von Pius XII zum Kardinal ernannt, wird erster Ehrenbürger von Sendenhorst

1946
Kommune nach britischen Vorbild (Doppelspitze Bürgermeister & Stadtdirektor)

1949
* Ehrenfriedhof für Gefallene des 2. Weltkrieges wir errichtet.
* Fund eines Gräberfeldes (um 800 v.Chr.) bei Ausschachtungsarbeiten am Martiniring
23.5.1949
Die Bundesrepublik Deutschland wird aus den drei westlichen Besatzungszonen & West-Berlin gegründet.

Oktober 1949
Wasserleitung wird angelegt. Hand-und Spanndienste. Wasserwerk Ahlen bis Wasserturm, Westtor

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