Der Münzschatz von Sendenhorst / 14. Jahrhundert

Im Herbst 1932 ließ der Bauer Große Kogge im Rahmen von Notstandarbeiten (man befand sich auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise) durch drei Sendenhorster Arbeiter eine alte Steinkuhle auffüllen. Am 30. November machten die drei einen einmaligen Fund. Sie stießen auf drei mittelalterliche Tongefäße, einen heimischen Kugeltopf und zwei Siegburger Krüge, bis an den Rand mit Münzen gefüllt. Die Leinenlappen, in die der Eigentümer des Vermögens vor vielen hundert Jahren seine Münzen gerollt hatte, waren noch zu erkennen. Die Münzen waren zu Klumpen zusammengebacken und oxydiert. Die meisten waren aus Silber, aber es befanden sich auch mehrere Goldmünzen in den Gefäßen.

Der Anblick des glänzenden Goldes mag die Finder so geblendet haben, daß sie Fundunterschlagung verabredeten. Unter Umgehung des Grundeigentümers, der Ortspolizeibehörde und des Provinzialmuseums in Münster knüpften sie Verbindungen mit Münzsammlern und Händlern in Soest und Frankfurt an. Es scheint, daß die Münzen unter Wert abgegeben wurden. Als sich der Fund nicht mehr verheimlichen ließ, präsentierten die drei Finder der Öffentlichkeit 382 Münzen, einen Bruchteil des tatsächlichen Fundes'. Die Verheimlichung des Fundes hat es den Münzwissenschaftlern in Münster schwer gemacht, sichere Aussagen über Umfang und Inhalt des Sendenhorster Münzschatzes zu machen. Unter Auswertung aller Nachrichten, u. a. Frankfurter Auktionskataloge von 1933 und 1935, geht man heute davon aus, daß mehr als 4.000 Silbermünzen, dazu einige Goldmünzen (nach einem Zeitungsbericht ohne Quellenangabe

untersucht werden konnte, stellt den üblichen Geldumlauf im Münsterland im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts dar. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Bistum Münster keine einzige Münzstätte. Es kursierte nur ausländisches Geld, aus den Hansestädten längs der Ostsee, aus den Niederlanden, aus Brabant und Flandern. Die westfälischen Münzstätten der Grafschaften Mark (Unna, Schwerte) und Limburg (Hohenlimburg) steuerten silberne Kleinmünzen bei, Pfennige mit einem Durchmesser von etwa 1,5 cm. Die große Verbreitung ausländischer Münzstätten von Frankreich bis Ungarn und Polen wird verständlich, wenn wir bedenken, daß die Prägung keine Rolle spielte, sondern nur das Silbergewicht für den Wert einer Münze bestimmend war. Beliebte Zahlungsmittel waren Groschen und Doppelgroschen (auch Groote und Doppelgroote), meist in Utrecht, Brabant oder Lüttich geprägt. Der »Witte« oder »Weißpfennig«, eine von Hansestädten Bremen, Hainburg, Lübeck und Wismar vereinbarte Prägung, wenig mehr als 1 Gramm schwer, ist in zahlreichen Exemplaren im Sendenhorster Münzschatz vertreten. Die Münzen des Wendischen Münzvereins fehlen ebenfalls nicht. Im Gegensatz zum heutigen Geld waren die Münzen des Mittelalters nicht exakt kreisrund. Manchmal ist die Prägung aus dem Zentrum verrutscht. Die Grooten, Witten (Weißpfennige), Vierlinge oder Hälblinge sind in der Regel dünne Scheiben. Viele Münzen sind durch den münsterschen Gegenstempel (der ca. 0,5 cm große Kopf des hl. Paulus) als gültiges Zahlungsmittel bestätigt. Die Stempel haben tiefe Spuren hinterlassen. Auf der Rückseite sind die gegengestempelten Münzen gewölbt.

 

 

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