„Der Stadt eine Zier“ Das Sendenhorster Rathaus wird 100 Jahre alt: Eine Führung durch den Jubilar

Tag des offenen Denkmals 11.09.2011 - 100 Jahre Rathaus Sendenhorst Sendenhorst • Uralte Blümchen-Tapeten unter dem Dach, eine schwere Geldschranktür im Bürgeramt und drei Arrestzellen im Keller: Im Sendenhorster Rathaus gibt es vieles zu entdecken. 100 Jahre ist das Gebäude jetzt alt. Grund genug für eine Führung durch den Jubilar.

Hermann Specht, Stellvertretender Leiter des Bauamts und Denkmalpfleger, sowie Karin Schwarz vom Sachgebiet Gebäudemanagement beginnen diese Tour ganz oben im Rathaus – auf dem Dachboden. In einigen Winkeln ist dort die Zeit stehengeblieben. Staub rieselt aus dem 100-jährigen Gebälk, ein alter Stuhl träumt vor sich hin, ein vergessenes Architektenmodell des Sendenhorster Stadtkerns auch. Gleich nebenan lagern noch alte Akten. Aus den Fenstern fällt der Blick auf schmucke Bürgerhäuser unter weitem Himmel. Warum irgendwann jemand die Wand neben den Fenstern mit einer niedlichen Blümchentapete beklebte, weiß Denkmalpfleger Specht leider nicht. Zwar gebe es noch die Zeichnungen des münsterschen Architekten Georg Diening für das Rathaus, bis zu den Plänen für den Umbau des Gebäudes in den 80er- Jahren hat Specht aber kaum weitere Unterlagen über das Haus. Veränderungen am Gebäude wurden schlicht oft nicht aktenkundig gemacht.


Eine drastische Ausnahme lässt sich allerdings in Dienings Zeichnung entdecken: Der Architekt hatte für das Rathaus einst ein schmuckes Türmchen eingeplant. Irgendjemand durchkreuzte es mit Rotstift. Es wurde nie gebaut. Beim tapezierten Bodenraum vermutet Specht jedenfalls, dass der vielleicht doch mal jener Wohnung eines Stadtbediensteten zugeschlagen wurde, die einst ein Stockwerk tiefer lag.

Dorthin führt der Weg jetzt, vorbei an im Dachbereich eingerichteten modernen Büros. Auch im Obergeschoss arbeiten nun Verwaltungsmitarbeiter. Specht erinnert sich aber noch daran, dass es dort vor den Umbauten in den 80ern noch das altertümliche Badezimmer der einstigen Dienstwohnung gab. Überhaupt: die Umbauten. Specht atmet tief durch, wenn er auf dieses Thema zu sprechen kommt. Zu Lasten des Denkmalschutzes sei damals das Rathaus modernisiert worden, betont er. Ein Opfer des Umbaus war die große hölzerne Wendeltreppe. Sie musste einer neuen Treppenkonstruktion und einem Fahrstuhl weichen. Über diese Treppe gelangt man in den ersten Stock. Früher wohnten hier Bürgermeister oder Stadtdirektoren direkt neben dem dunkel vertäfelten Ratssaal, der heute in leicht veränderter Form noch als Trauzimmer dient.

Dort und im Treppenhaus sind auch noch prächtige Glasmalereien von Franz Hange aus Münster erhalten. „Dem Bürger ein Hort/Stätte für freies Wort/Der Stadt eine Zier/Stehe ich hier“, schrieb Hange kunstvoll in eins dieser Fenster. Das Rathaus-Motto gilt, trotz aller Umbauten, noch heute. Allerdings wandelte sich die „Zier“ über die Jahre ganz kräftig. Besonders gut ist das im Erdgeschoss des Rathauses zu sehen. Dort gab es einst das Büro des Bürgermeisters sowie das städtische Amtsbüro. Im vorderen Bereich des Gebäudes residierte bis zum Ende der 50er Jahre die Sparkasse. Davon zeugt im heutigen modernen Bürgerbüro noch die weiß lackierte Tür des ehemaligen Panzerschranks.

Wäre jemand vor Jahren mal beim Knacken dieses Safes erwischt worden, hätte der nächste Weg des Spitzbuben wohl in den Keller des Rathauses geführt. Dort lagen nämlich einst drei Arrestzellen. Heute gibt es hier Büros, Lagerräume und ein Archiv. Dort findet sich noch ein Band, der, als das Haus einst in wenigen Monaten hochgezogen wurde, ganz wichtig war: das Reichsgesetzblatt aus dem Jahr 1911. Der Kreis schließt sich.

Jan Schneider


www.dreingau-zeitung.de/nachrichten/sendenhorst/der-stadt-eine-zier.html

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