Wir sind alle Sachsen!

Nicht erst seit der Städtepartnerschaft mit unseren sächsischen Freunden aus Kirchberg, die nun schon 25 Jahre besteht und mit denen wir dieses Jahr unser Jubiläum gefeiert haben.

"Wanderung" des Namen Sachsen

Woher stammen die alten Sendenhorster? Ganz eindeutig lässt sich das nicht mehr klären, aber so viel steht fest: Sendenhorst und das Münsterland gehörten bis zur Aufteilung des Herzogtums Sachsen durch Kaiser Barbarossa zum Herzogtum Sachsen, das in seiner Lage und Einwohnerschaft gar nicht dem heutigen Bundesland Sachsen entsprach. Aber der Reihe nach:
 
Die erste Erwähnung der Sachsen stammt aus der Zeit um 150 n. Chr. Von Ptolemäus von Alexandria. Er nutzte vermutlich Nachrichten, die während römischer Erkundungsfahrten im Jahr 5 n. Chr. gesammelt worden sind. Nach Ptolemäus sind die "Saxones" als Stammesverband nördlich der Elbe und südlich der kimbrischen Landenge, also im heutigen Holstein, zu finden.

Mit dem Ende des römischen Reiches setzte die Völkerwanderung ein und die germanischen und auch andere Volksstämme strömten in südlichere Siedlungsräume ein, so z.B. die Sachsen in unsere Gegend. So sind z.B. typische Sachsensiedlungen in Warendorf und Münster-Gimbte ausgegraben worden, genauso wie ein sächsisches Fürstengrab aus der Zeit um 650 n.Chr. bei Beckum gefunden wurde.

Springen wir wieder ein paar Jahrhunderte weiter: Wir schreiben das Jahr 800 n.Chr. – Der gerade in Rom zum neuen römischen Kaiser gekrönte Karl der Große herrscht über das Reich der Franken. Die Franken sind ebenfalls ein germanischer Stamm, der, ursprünglich aus Nord-Deutschland kommend, in den Jahrhunderten nach der Völkerwanderung ein neues Imperium aufgebaut hat.

Das Frankenreich umfasst um 800 das heutige Frankreich, die Benelux-Staaten, Teile Süd-Deutschlands, Nord-Italien. Karl führt Krieg an vielen Fronten. Die Langobarden in Nord-Italien bereiten ihm immer wieder Probleme, die Araber halten weiter Nord-Spanien und stellen eine permanente Bedrohung dar. Gleichzeitig führt Karl seit 776 im Nord-Osten seines Reiches Krieg mit dem heidnischen Stamm der Sachsen. Karls Mission ist aber nicht nur die Erweiterung seines Imperiums, sondern die Verbreitung des christlichen Glaubens mit Feuer und Schwert. Die Sachsen gliederten sich zu dieser Zeit in 3 Unterstämme: Die Engern (in der Gegend von Braunschweig, Hannover, die Ostfalen und die Westfalen.
 
Zu Zweck der Missionierung wurden Missionare bestimmt und ausgesandt. Der für uns bedeutenste Missionar ist sicher Liudger. Er gründete eine Siedlung an einem Ort namens Mimigerneford. An einem nahe gelegenen Hügel neben einem Fluss-Übergang (Furt). Er errichtete dort eine Domburg und ein Kloster und ließ die Siedlung befestigen. Das Kloster gab dem Ort seinen neuen Namen, Monasterium und das wurde dann zu …. Münster! Liudger stammte übrigens aus Utrecht und war somit ein West-Friese (Die Niederlande gab es noch nicht).

Die Bilder aus Kirchberg sind mittlerweile auch schon 25 Jahre alt, viel hat sich seitdem geändert.

Liudger begann die Urpfarreien hier im Münsterland aufzubauen. Unter anderem Ahlen, wo er ein Wunder wirkte und einen Blinden wieder sehen ließ.  Albersloh zählt ebenfalls zu den ganz frühen Gründungen Mit der Missionierung wurden die heimischen Sachsen nun in das Frankenreich integriert, wohl eher aber assimiliert. So ließ Karl ganze Dörfer umsiedeln, z.B. ins Sachsen Kern-Frankenreich, aber auch umgekehrt. Ob die Bauerschaft Sendenhorst nun eine fränkische oder eine sächsische Gründung war, lässt sich nicht mehr ergründen.

Der christliche Glaube verbreitete sich nun immer weiter und die heidnische Anbetung der Irminsul als dem Weltenbaum (Vermuteter Standort: mehrere Orte Ost-Westfalen) und der alten Götter verschwand nach und nach.

Das Frankenreich zerfiel in den folgenden Jahrhunderten in einen Ost- und einen Westteil. Der Ost-Teil mit den Stämmen der Bayern, Alemannen, Franken und Sachsen wurde zum späteren Deutschland. Allerdings handelte es sich hier nicht um ein gemeinsames Reich, sondern mehr um einen Staatenbund unter einem König. Der erste „deutsche“ König war Heinrich I., ein Sachse.

Sendenhorst, um 900 n.Chr. (Somit hätten wir auch 1.115 Jahre Seondonhurst feiern können) das erste Mal als Bauerschaft erwähnt, gehörte nun zum Fürstbistum Münster, aber die weltliche Hoheit lag beim Herrscher des Herzogtums Sachsen. In den darauf folgenden Jahrzehnten erreichte das Stammesherzogtum Sachsen seine größte Ausdehnung (siehe Karte). 

Das änderte sich um 1180. Heinrich der Löwe war Herzog von Sachsen und ein mächtiger Gegenspieler seines Vetters Kaiser Friederich I., genannt Barbarossa. Heinrich eignete sich immer Macht im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, so hieß der „Staatenbund“ nun, an. Unter anderem war er nun auch Herzog von Bayern. Als Barbarossa ihn aufforderte, einmal mehr einen Kriegszug gegen die nord-italienischen Städte (ebenfalls Teil des „Deutschen Reiches“) zu ziehen, verweigerte ihm Heinrich die Gefolgschaft. Dies verzieh ihm der Kaiser nie und entmachtete  bei nächster Gelegenheit Heinrich den Löwen von Braunschweig. Das Herzogtum Sachsen mit Zentrum in Braunschweig wurde aufgeteilt und dem Erzbischof von Köln zugeschlagen. Das Fürstbistum Münster wurde ein eigener Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Niedersachsen, das westliche Sachsen-Anhalt und Westfalen lagen im Siedlungsgebiet der Altsachsen oder waren Teil des Stammesherzogtums Sachsen im Mittelalter. Dieses gilt nicht für das heutige Bundesland Sachsen, das historisch auf die Mark Meißen zurück geht und den Sachsennamen aufgrund von dynastischen Übertragungen - also nur durch „Wandern des Herrschaftstitels“, des Titels “Herzog von Sachsen” erhielt,  nicht etwa aufgrund einer Wanderung der Sachsen selbst. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurden die Einwohner der Mark Meißen (Slawen und Thüringer sowie eingewanderte Hessen und Franken) als “Obersachsen” oder “Sachsen” bezeichnet.

Die heutigen "Sachsen", also die Bewohner der Mark Meißen, sind durch die Einwanderung von süd- und mitteldeutschen Siedlern - Franken, Hessen, Bayern und vor allem Thüringer - in diese ursprünglich slawischen Gebiete um Dresden, Chemnitz und Leipzig im Verlauf der deutschen Ostsiedlung (11.-13. Jahrhundert) entstanden. Diese neue, namenlose süddeutsch-slawische Bevölkerung hat im 16. Jahrhundert den Titel ihres Herrschers als Eigenbezeichnung übernommen und damit einen aus Norddeutschland stammenden Namen erhalten, zu dem es keinerlei sonstige Verbindung gibt. Auch ihr Dialekt - das heutige "Sächsisch" - ist nicht die sächsische Sprache: Sächsisch ist die Sprache der Niedersachsen, die heute als "Plattdeutsch" oder "Niederdeutsch" bezeichnet wird. Niederdeutsch geht auf die altsächsiche Sprache zurück und wurde bis in das 16. Jahrhundert "Sächsisch" (auf Sächsisch/Niederdeutsch "Sassisch") genannt. Auch Kaiser Otto der Große (936 - 973) sprach Sächsisch, also (Alt-)Niederdeutsch, welches im Mittelalter als vom Süddeutschen völlig eigenständige Sprache verstanden wurde. Der heute als "Sächsisch" bezeichnete Dialekt gehört dagegen zum Ostmitteldeutschen und ist eine Mischsprache, die von den aus mittel- und süddeutschen Sprachgegenden stammenden Siedlern der Ostsiedlung geschaffen wurde und die anfangs "Meißnisch" genannt wurde.

Ob nun das alte Sendenhorst von Sachsen oder Franken gegründet wurde, kann abschließend nicht beurteilt werden. Zumal es in den folgenden Jahrhunderten umfangreiche Migrationsbewegungen gab, was zu einer Vermischung der ehemaligen germanischen Volksstämme führte und darüber hinaus! Wer weiß heute schon noch, woher seine Ur-großeltern stammen, geschweige denn, welchem Volksstamm deren Vorfahren angehörten. Das Niederdeutsche ist uns noch als Mönsterlänner Platt bekannt, das hier vor Ort bis über den 2. Weltkrieg hinaus die allgemeine Muttersprache war. Leider nimmt dessen Bedeutung mehr und mehr ab.

Letztlich ist es ja auch nicht wichtig, wer nun genau die Vorfahren waren, zumal in letzter Konsequenz alle Menschen aus Ost-Afrika stammen, der Heimat aller Menschen! Zeit: ca. 80.000 v. Chr.  Es stellt sich dann aber noch die Frage nach der Hautfarbe: Die ersten Menschen waren wahrscheinlich dunkel pigmentiert. Früher haben Wissenschaftler die Menschen anhand der Hautfarbe in Rassen eingeteilt. Dieser Ansatz gilt heute als überholt.
Die verschiedenen Farbnuancen spiegeln nur Anpassungen an unterschiedliche Umwelten. In evolutionären Zeiträumen gemessen kann sich die Pigmentierung schnell verändern. Deswegen gehört die Hautfarbe zu den am wenigsten aussagekräftigen Merkmalen, um Verwandtschaften zwischen Menschengruppen zu erkennen.

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