Sendenhorster Kneipenkultur II - Ridder-Herweg

Eine Stadt wandelt sich stetig, gerade an so exponierter Stelle (Ecke Kirchstraße – Südstraße). Heute finden wir hier die Sendenhorster Filiale der Vereinigten Volksbank Münster (und gegenüber den Info-Kasten des Heimatvereins). Vor 50 Jahren hieß die Bank noch Spar- und Darlehenskasse (Spadaka) Sendenhorst.

Luftbild (Anfang der 1970er)

Davor befand sich an dieser Stelle das Gasthaus und Hotel Ridder, von dem hier nun berichtet wird. Ein weiterer Text aus dem Stadtarchiv:

SPADAKA SENDENHORST ERWIRBT  HOTEL RIDDER  ZEIT: 1967 – 50 JAHRE HER..
Sendenhorsts altes und renommiertes Hotel Ridder am Kirchplatz ist in den letzten Monaten d. J. in das Eigentum der Spadaka Sendenhorst übergegangen. Damit verliert Sendenhorst ein lange Zeit im besten Ansehen stehendes gut bürgerliches Gasthaus, das auch von auswärtigen Gästen, insbesondere von Reisenden, gern aufgesucht wurde. Die Spadaka, die bei der Ausweitung ihres Geschäftsverkehrs gezwungen war, ihr vor 40 Jahren (im Bild Neustraße Ecke Ostgraben, Promenade , alle Häuser stehen noch) errichtetes Haus an der Neustraße aufzugeben, wird in Kürze mit dem Abbruch des Hotels Ridder beginnen
Wenn auch angenommen werden darf, dass sie mit ihrem neuen Geschäftsgebäude an so bemerkenswerter Stelle im Herzen der Stadt einen neuen und befriedigenden Akzent in das Stadtbild setzen wird, so sieht die Bevölkerung Sendenhorsts doch dem Verlust dieses behäbigen und in seinen Proportionen recht eindrucksvollen Bürgerhauses gehobenen Stiles mit einem gewissen Bedauern entgegen.

Der Name des Hotels Ridder stammt von dem Brennereibesitzer und Gastwirt Peter Jos. Ridder, der in Sundwick 1833 geboren war, und 1864 die Tochter des Ackerbürgers Joan Th. Wieler aus dem benachbarten Hause heiratete. Joh. Th. Wieler vermählte sich 1853 in 2. Ehe mit der Ww. Lange, Maria, Elisabeth, geb. Hoßelmann- Ählke. Ridder setzte den Wirtschaftsbetrieb Topp fort, der inzwischen die Wirtschaft auf der Südstraße übernommen hatte. Sein Vater Bernd Topp (1800 – 1874) stammte aus Beckum und war Metzger. Von 1800 stand das Haus in Eigentum der Familie Fry. Vor 200 Jahren wird als Inhaber der Hausstätte der Wirtschafter und Brauer Joan Herm. Hölscher genannt. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts heißt es nach dem Verzeichnis des Pfarrers Kuipers Geister, früher Suer jetzt Hölscher. 

Bild rechts (v.l.): Ridder (heute Volksbank), Plüschke-Lewe (Hurtig), Brandhove, Mössing (Löckmann& Greive), Hölscher

Aus der Geschichte des Hauses selbst ist als bemerkenswertestes Ereignis der Brand von 1806 zu erwähnen. Damals wurde das alte Gast- und Brauhaus wie zahlreiche Bürgerhäuser das Opfer eines großen Stadtbrandes. Der Wiederaufbau erfolgte zweigeschossig mit abgewalltem Dach im Stile einiger repräsentativer Sendenhorster Bürgerhäuser wie frühere Nachbarhäuser Wieler - Bonse, Schwarte – Brüning – Roetering – Meyer – Hesse – Graute, Jönsthövel, Everke, Bonse (Post) u. a. (Ende des Textes von 1967) Mehr erfahren »Historische Augenblicke« Das Projekt beschäftigt sich mit der Aufhübschung von Stromkästen in Sendenhorst und Albersloh. Zu den Bildern gibt es im Netz per QR-Code mehr Infos, so auch hier zum Hotel Ridder und dem ersten Kino von Sendenhorst im hinteren Bereich (Opens external link in new windowSprung hier auf der Seite).

Bild: "Wahlkampf" der Nazis 1938, Veranstaltung im Saal, Interessant: Eine Zapfsäule befindet sich vor dem Hotel!"

Kino hinter dem Hotel
Im Jahre 1938 wurde vom Inhaber Bernhard Herweg ein Kino eingerichtet. Das hinter dem Hotel liegende Stallgebäude wurde hierbei zum Saal umgebaut.
Im Jahre 1946 wurde an der südlichen Seite des Wohnhauses der Neubau eines massiven Giebels anstelle des baufälligen Fachwerkgiebels vorgenommen. Der Hotelbesitzer Herweg, Kirchstraße, erstand dafür die zum »Kühl« hin liegenden Hintergebäude, die ursprünglich als Stall genutzt wurden, um einen Saal und Garagen zu bauen.

Bild: Blick um die Ecke in die Südstraße

Neben Filmen und Wochenschauen gab es LiveAuftritte, wie z. B. das Komiker-Duo Pat & Patterchon, ein Flimpaar aus der Stummfilmzeit. Einen Filmvorführer, der auch gleichzeitig die Leinwand bediente, gab es auch. Der erste Film, der gezeigt wurde, war »Quo Vadis«, in der Topbesetzung Robert Taylor als Marcus Vinicius, Deborah Kerr als Lygia und Peter Ustinov als Kaiser Nero. Der Zeitzeuge C. W. aus S. erinnert sich, dass das Losto-Filmtheater auch den Anfang mancher Romanze bedeutete, skandalös für die damalige Zeit! Der technische und auch der hygienische Zustand waren wohl eher gering, von Nagetieren war die Rede, so der Zeitzeuge, aber die gab es wohl überall im alten Sendenhorst, es gab ja auch überall noch Viehwirtschaft in der Stadt und natürlich die dazugehörigen Misthaufen. Auch wurde der Filmvorführer wohl aufgrund einer Kriegsverletzung gemobbt, undenkbar heutzutage.  Das Losto-Filmtheater zog später unter der gleichen Namensführung um an das Westtor in den Saal der Gaststätte Werring, heutiger Standort des Deutschen Roten Kreuzes, Weststraße 29. Am Standort Kühl wurden die Räumlichkeiten weiterhin als Kino genutzt. Dies wurde unter dem Namen »Central-Theater« betrieben.

Bild (v.r.): Lewe-Plüschke, Hotel Ridder, Uhrmacher Leifert, Gasthaus Surmann

Saal im oberen Stockwerk: Nicht zu vergessen ist der große Saal im oberen Stockwerk des Hotels, in dem z. B. gesellschaftliche und politische Veranstaltungen stattfanden genauso wie Hochzeiten. Zeitzeugin I. Plüschke erinnert sich, dass im großen Saal des zweiten Stockwerks des Hotels Herweg regelmäßig der Kirchenchor »Cäcilia« unter der Leitung von Eberhard Haselmann, genannt »Eppi«, probte. Auf den Bildern ist sehr schön das alte Sendenhorst zu sehen. Interessanterweise sind aber auch auf vielen Bildern alte Gebäude zu sehen, die die Stadtsanierung »überlebt« haben und noch heute unser schönes Stadtbild prägen!

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