Sendenhorst Kneipenkultur I - Kaupmann

Oft schon wurde der Wunsch nach einer Serie über Sendenhorster Kneipen geäußert. Es stellte sich immer die Frage, wo und wie anfangen? Von Kneipen, die man selbst noch kennt, bevor sie geschlossen wurden? Oder wo man sein erstes Bier getrunken hat? Oder von den heute 5 übrig-gebliebenen »reinen« Kneipen? Schön wäre es auch, von Sendenhorstern alte Geschichten – Dönekes – zum Thema Kneipen zu erfahren, die dann mit in diese Serie aufgenommen werden könnten! Da Geschichte auch vom Mitmachen lebt, soll diese Serie bei Facebook begleitet werden. Informationen gibt es auf der Facebook-Seite »Sendenhorster Geschichte(n)«. Zum Start geht es ins Jahr 1975. Folgender Text wurde im Stadtarchiv gefunden:

Vor 1975: Mitte Kaupmann, links daneben Hölscher

Abschied vom Saalbau Kaupmann – Heute Abend wird endgültig geschlossen – Erinnerung an schöne Tage und Feste
Sendenhorst. Wenn heute am späten Abend Franz Kaupmann die Hoteltüre verschließt und seine Frau Anni die letzten Lichter löscht, dann hat der allerletzte Gast das traditionsreiche alte Hotel verlassen. Morgen wird nicht mehr geöffnet, wenigstens nicht für Hoteloder Gaststättengäste. Dann kommen bestenfalls noch die Möbelpacker und nach ihnen der große Räumbagger. Hotel Kaupmann wird es nicht mehr geben. Einen Vorgeschmack davon hat man schon mitbekommen, als vor einem Jahr der Saal geschlossen wurde; aber da ließ sich Franz Kaupmann gelegentlich noch erweichen – diesmal ist endgültig Schluss. – Das bekannte Haus wird fallen, und an seiner Stelle wird ein Bürgerhaus entstehen, das den Sendenhorstern wieder einen Saal bringt. Ob die alte Atmosphäre wieder entstehen kann, bleibt abzuwarten. Denn das Haus Kaupmann hatte seine Eigenheit.

Als im August 1932 Bernhard Kaupmann und seine Frau Maria geb. BornefeldKleikemper Hotel, Saal und Gastwirtschaft von Klümper-Hollerum übernahmen, zog nicht nur ein neuer Wirt in die damals schon weit über 100 Jahre alten Räume ein.
Bernhard Kaupmann, der aus Beckum kam, wusste den Geist des Hauses zu prägen und war bald beliebt und angesehen in Sendenhorst. Er verstand es, die Gastwirtschaft auszubauen, dem Hotel einen Charakter zu geben und im Saal die Voraussetzungen zu schaffen, die zum fröhlichen Feiern nötig sind. 1956 übergab er alles seinem Sohn Franz und dessen Frau Anni geb. Mey; er selbst zog sich mehr und mehr zurück.

Aber Franz Kaupmann war ein ebenso guter Wirt und leer war es eigentlich nie. An der gemütlichen Theke und am Stammtisch nebenan fanden sich zu jeder Tageszeit die Gäste ein, ins Hotel kamen die Stammgäste neben vielen Durchreisenden, und für alle waren Franz Kaupmann und seine Frau da, so dass sich jeder dort wohlfühlte. Kaupmanns Saal war ein Begriff. Generationen von Sendenhorster Backfischen und später Teenagern setzten hier zusammen mit ebenso ungelenken Jünglingen den ersten Fuß aufs Tanzparkett, und die Zahl und Art der Tänze vom Menuett über Walzer, Tango bis hin zum Let-Kis und Hot unserer Tage ist kaum zu zählen. Dazu kamen Vereins- und Parteiversammlungen, Theateraufführungen, die Schützenfeste der Jansbröers, die Karnevalsveranstaltungen und Kaninchenausstellungen – wer mag all die Veranstaltungen aufzählen, die dort stattfanden?

Kurzum: Kaupmanns Saal war das Zentrum des Gemeinschaftslebens in Sendenhorst. Neben den verschiedenen Stammtischen, die sich regelmäßig dort einfanden, war auch die Kegelbahn nachmittags und abends stets besetzt, und Kegelbrüder wie Kegelschwestern erholten sich anschließend an ihre Trimm-Stunden vorne im Lokal bei guten Getränken und bestem Essen. Denn Anni Kaupmann kochte nicht nur eine Erbsensuppe, die weithin berühmt war, sie verstand es auch, jedem Gast das zu servieren, was er sich wünschte. Ihr Reich war die Küche, und da wurde manchmal Unmögliches möglich gemacht.

Inzwischen hatten sie alle offiziell Abschied genommen, die Stammgäste und Clubs, die Kolpingfamilie und die Kaninchenzüchter, die hier ihr Vereinslokal hatten, die ständigen Thekengäste und alle die, die nur mal gelegentlich reinschauten. Freundschaft und Dankbarkeit sprach aus den Worten, die man dem Ehepaar Kaupmann mit auf den Weg in den Ruhestand gab. (Ende des Textes von 1975) Wie  es  weiterging? Das Bürgerhaus steht nun auch schon wieder 42 Jahre, aber das ist eine andere Sendenhorster Geschichte... Wenn jemand sich nun erinnert, soll er gerne diese Erinnerungen teilen und sich bitte melden! Entweder an Heimatverein-Sendenhorst@web.de oder bei Facebook. Wie z. B. der Zeitzeuge des Jahrgangs 1942, der so um 1952 als kleiner Junge für 5 Pfennig die Kegel am Ende der Kegelbahn wieder aufstellen durfte, wenn die feinen Damen zum »feinen« Damenkegeln zusammenkamen. Der Notausgang führte übrigens direkt in die damalige Werkstatt des Sattler-und Polsterermeisters Anton Hölscher, es war alles ein wenig verwinkelter vor der Stadtsanierung...

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