Promenadengeschichten

Einer der schönsten Plätze in der nunmehr 700-jährigen Stadt Sendenhorst ist zweifellos der (fast) geschlossene Promenadenring. Nur wenige Städte im Kernmünsterland, dem Dreingau, haben einen gleichartigen Grünring zu bieten.

Blick vom Kühl in Richtung Südenpromenade 2005 (mittlerweile zugebaut)

Natürlich ist da zuerst die Münsterische Promenade zu nennen, die zwar erheblich größer ist und ebenfalls mit Bäumen gesäumt ist und zahlreiche Kunstwerke und historische Plätzen entlang führt. Z.B. dem Buddenturm. Viele Fahrradfahrer sind dort unterwegs, da Münster bekanntermaßen ja als Studentenstadt die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands gilt. Da geht es in Sendenhorst gemächlicher zu.

Wie entstanden die Promenaden?
Bei H. Petzmeyer ist zu lesen: Im 7-jährigen Krieg 1756–1763 erkannte man auch im damaligen Fürstbistum Münster die militärische Nutzlosigkeit mittelalterlicher Stadtumwallungen. Bis dahin war unser Städtchen von einer Doppelgraben-Anlage mit dazwischen liegendem Wall umgeben. Stadttore riegelten die vier Ausfallstraßen ab. Überall im Münsterland begann man auf Befehl des Fürstbischofs von Münster, die Wälle abzutragen und die Gräben zu verfüllen. So z.B. in Münster, wo in dieser Zeit die Promenade entstand.
Auch in Sendenhorst traf der Befehl ein, die Stadtbefestigung zu beseitigen. Die erste Anordnung zur Planierung der Wälle wurde von den Bürgern einfach ignoriert. Der Krieg war gerade überstanden, 1764 waren einige Häuser auf dem Placken und am Ostgraben abgebrannt Die Bürger hatten andere Sorgen. Auch Münster ließ sich Zeit.
1778 kam aus Münster ein zweiter Befehl:
Richterlicher Befehl:
Da bereits vor einigen Jahren beamtlich befohlen, daß die Stadtswälle demoliert werden sollten, dieses aber dato nicht befolgt, so ist bei jetziger guter Witterung und wohlfeilen Zeiten damit unverzüglich der Anfang zu machen und zwar:
a) sind die Binnengräften zuzuwerfen
b) Bürgermeister und Rat wechseln sich in der Aufsicht ab

e) der Anfang ist vom Westtor zum Osttor zu machen, unverzüglich.'
Münster. den 13. März 1778

1779 konnte die Stadt das erste Teilstück der planierten Wälle auf zwölf Jahre verpachten. Entlang der Außengräfte. die nicht zugeschüttet werden sollte, mußte ein Fahrweg von 9 Fuß (ca. 2,75 m) freigehalten werden.
Ein Jahrzehnt ließen sich die Bürger Zeit, bis sie 1789 das nächste Teilstück der Wälle vom West- zum Südtor, längs des Westgrabens. planierten. Das dritte Wallstück Südtor-Osttor wurde für 1791 vorgesehen.

1793 kam man nicht weiter »wegen der außerordentlichen  Lebensmittelteuerung, damit den Leuten kein Tagelohn entgehe«.
Bis 1798 waren keine Fortschritte zu verzeichnen. weil es »an hinlänglicher Erde mangelt, um den Graben zuzudämmen«.

1800 erging noch einmal eine dringende Aufforderung. Nach einem Vierteljahrhundert wurde das Werk 1802 endlich vollendet.

Nach der Einebnung der Wälle verpachtete die Stadt das Wallland als Gartenland oder als Bleiche. Einen Teil der alten Umwallung nördlich des Osttores übernahm die jüdische Gemeinde als Begräbnisplatz in Erbpacht. Dieser Judenfriedhof an der Ostpromenade auf dem »Wibbsenwall« entging der Zerstörung in der Zeit der NS-Herrschaft und ist geschichtlicher Zeuge sowohl für die Sendenhorster Synagogengemeinde als auch für die mittelalterliche Stadtbefestigung.
Im Winter 1906/07 begann man mit der Verfüllung der Gräfte mit dem Mergelabraum des Strontianitbergbaus. Der stadtwärts gelegene Teil der bisherigen Gräben wurde den Gärten und Höfen der »Grabenstraßen « zugeschlagen.

Der Krieg 1914/18 verhinderte einen fach- und sachgerechten Ausbau. Viele Abschnitte der Promenade blieben auf Jahrzehnte Provisorium und Flickwerk.

Heute stellt die Promenade einen (fast) geschlossenen Grüngürtel dar. Ein kleines Teilstück, ab der Neustraße bis zur Nordstraße, ist damals bebaut worden. Der Grund dafür ist leider (noch) nicht bekannt.
Machen wir nun einen kleinen Rundgang (Dauer: ca. 40 min), beginnend ab der Kreuzung Promenade und Neustraße in Richtung Osten. An dieser Stelle kann natürlich nicht auf alle Gegebenheiten der Promenade eingegangen werden.
Auf der Ecke kann man ein kleines Häuschen sehen. Hier betrieb der verstorbene Einzelhändler Willi Blechschmidt einen Kiosk, bevor der Einzelhändler für Tabakwaren, Zeitungen sein Geschäft an der Nordstraße eröffnete. Besonders war es, dass es bei ihm wirklich alles zu kaufen gab, zumindest „gefühlt“.

In der gesamten Promenade fallen die aufgestellten Spiegel des Friedenspfades auf. Wenn man in diese Spiegel schaut, sieht man stets die Kirche St. Martin und den auf dem Spiegel aufgetragenen Begriff.
Folgt man der Promenade, die ab dieser Stelle in früheren Zeiten mit Akazien bepflanzt war,  nach Osten, kommt man an den schon erwähnten Judenfriedhof, das letzte erhaltene Stück des ehemaligen Walles. Die Grabsteine tragen auf der Stadtabwärts gelegenen Seite hebräische Inschriften und auf der anderen Deutsche. Sie zeugen von einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Sendenhorst im 18./19. Jahrhundert in Sendenhorst.
Wir folgen der Promenade und überqueren das Osttor und die Hier gehen mehrere Wege, Pättkes ab, die es sich ebenfalls lohnt, zu Fuß zu erkunden.

Wir kommen an die Stempelkugel. Es handelt sich um eine große Steinkugel. Sie stammt von Ulrich Rothmund aus dem Jahre 1999. Diese kann man über das Sandbett rollen und der in Spiegelschrift auf der Kugel eingemeißelte Spruch des Matthäusevangeliums (Mt. 5, 3-10) ist dann auf dem Grund lesbar.
Eine interessante Sendenhorster Geschichte ist, dass die Kugel schon mal von Unbekannten bis zur Kirche gerollt wurde, was dem Pflaster gar nicht gut bekam. Da die Kirche auf dem Kiessandrücken liegt, also leicht erhöht, dürfte das bei dem Gewicht der Kugel kein Spaß gewesen sein.

Es folgt eine scharfe Rechtskurve in die Schluse. Hier ist die Straße nur mit einer Reihe Bäume von der Promenade abgetrennt. Der Grund dafür ist, dass diese Promenade beim Bau der Schluse verlegt wurde, eine weitere Baumreihe fiel der Baumaßnahme zum Opfer und der Baum-Innenring wurde somit zum Außenring.
Überschreiten wir nun die Südstraße.
Rechts ist das „kaiserliche Postamt“, das Haus Bonse, zu sehen. Kaiserlich bezieht jedoch nicht auf das 1871 durch Bismarck gegründete Deutsche Reich, sondern auf das Heilige römische Reich deutscher Nation, dem Herrschaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser vom Mittelalter bis 1806 zu dem auch das Fürstbistum Münster gehörte.  
Die Auflösung des 1. Deutschen Kaiserreich 1806 bedeutete das Ende der Kaiserlichen Reichspost. Die Post wurde nach der Napoleonischen Zeit an die Nordstraße in das Haus Langen verlegt, wo sie bis zur Stadtsanierung untergebracht war.
Auf der linken Seite fällt einem der Schornstein der ehemaligen Brennerei Bonse auf. Es handelt sich um den letzten Brennereischornstein innerhalb der Stadt und zeugt von der Brennereitradition in Sendenhorst (Stadt der Kornbrenner).  Eine Hinweistafel des Brennereipfades (Station 12) weist darauf hin.
In früherer Zeit standen hier Linden und somit war hier die die "Lindenpromenade“. Weiter geht’s in Richtung Kardinal-von-Galen-Schule. Wir kreuzen die Overbergstraße. Links ist das Türmchen der Grundschule mit dem ABC-Fähnchen zu sehen. Nun gelangen wir über die Weststraße in die Westenpromenade. Entsprechend der ehemaligen Bepflanzung wurde dieses Teilstück auch "Kastanienpromenade" genannt.

Nach dem wir wieder ein paar Meter weiter gegangen sind, lohnt es sich wieder, auch die Pättkes zu erkunden, die von der Promenade abführen. Wir kommen nun an die Nordstraße. Über den Zebrastreifen halten wir uns ein kleines Stück links in Richtung Bahnhof und „umwandern“ das „zugebaute“ Stück.

Wir gelangen wieder an den Ausgangspunkt des Rundgangs. Es gibt noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, Kunstwerke und Geschichten, die noch genannt werden könnten.

Entdecken Sie einen unserer schönsten Sendenhorster Wege!

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