Die Hügel von Sendenhorst

Nicht nur Rom steht auf sieben Hügeln, auch in unserem Sendenhorst lassen sich Hügel, wohl eher aber Bodenerhebungen, erkennen….

Kolorierte Postkarte von Sendenhorst mit eingefügtem Bergpanorama...

Bewegen wir uns von Süden nach Norden, wir beginnen ganz im Süden von Sendenhorst in der Bauerschaft Bracht.  Die Bauerschaft Bracht wird schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Besiedlung unseres Raumes genannt, nämlich in der Werdener Urbaren, 880 nach Christus. Es handelt sich um ein Steuerregister des Klosters Werden an der Ruhr. Diesem Kloster waren die ersten Höfe gegenüber abgabepflichtig. Zu dieser Zeit war die christliche Missionierung durch das gerade mal 80 Jahre alte Bistum Münster in unserem Raum in vollem Gange.

Hügel in der Bracht
Da ist zuerst der höchste Berg Sendenhorsts zu nennen, der Schafberg. Wenn wir  von Ahlen über den Ahlener Damm hinter dem Hof Schulze Rötering  nach der Kurve die Grenze zum Sendenhorster Kirchspiel überqueren, liegt rechts des Ahlener Damms der Schafberg, mit 81,8 m die höchste Erhebung auf Sendenhorster Gebiet. Auf der linken Seit lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein. Eine Stele weißt auf die Gemeindegrenze hin. Sie wurde anlässlich eines Schnadeganges in 1980ern erreichtet. Schnadegang: Schnadegänge waren in früheren Zeiten gemeinsame Grenzbegehungen zur Absicherung von  Gebietsansprüchen. Der erwähnte Schnadegang war eine „Wiederbelebung“
Kommen wir zum nächsten  Berg - Weiße Berg /  Wittenberg
Auch diese Erhebung ist klar erkennbar, vom Ahlener Damm aus, nach Norden Richtung Sendenhorst, auf der linken Seite. Dort liegt der „Gipfel“,  zumindest für den aufmerksamen Beobachter.
Vor 100 Millionen Jahren befand sich hier in der Bracht ein seichtes Meer. So wurden im Steinkühlerfeld in den dort abgelagerten Plattenkalken viele Fossilen von prähistorischen Fischen, Krebsen und weiterem Meerestieren gefunden. Zu dieser Zeit lag unsere Heimat übrigens in den tropischen Breiten. Die Wanderungen der Kontinentalplatten, Stichwort Plattentektonik, ließen Europa nach „Norden wandern“ und das Meer in unserem Gebiet trocknete aus.

Der Kiessandrücken
durchzieht Sendenhorst von Osten nach Westen. Er liegt leicht erhöht über dem Stadtniveau. Die Kirche St. Martin steht nämlich auf dem relativ höchsten Punkt der Umgebung. Genauso wie deren Vorgängerkirche, eine kleinere romanische Kreuzkirche, die im Jahre 1175 das erste Mal erwähnt wird. Die alte Kirche wurde für den Kirchenneubau vor 150 Jahren abgerissen.
Der Grund für den Standort ist ganz einfach: Die alten Bauerschaften (Bracht, Ramshövel (heute am Hagen), Geilern, Rinkhöven, Schorlemer (Schörmel), Seondonhurst (im Westen gelegen)  wählten einen gemeinsamen Schnittpunkt und dieser bildete gleichzeitig den relativ höchsten Punkt für den Standort einer gemeinsamen Kirche.
Bei Starkregen ist das „Gefälle“ noch heute deutlich zu erkennen, wenn das Wasser vom südlichen Kirchplatz in den Kühl (von Kuhle) und den Schlabberpohl (Pfütze) abfließt. Aber auch in Richtung Norden ist ein „leichtes Gefälle“ zu erkennen.
Der Münsterländer Kiessandrücken ist ein teilweise wallartiger Höhenrücken aus saaleeiszeitlichen Ablagerungen. Die Saale-Eisteit dauerte ca. von 300.000 bis 130.000 v.Chr.. Der Sandrücken erstreckt sich von  Ennigerloh aus, über Sendenhorst, Albersloh, Hiltrup, Münster (Z.B. gehört auch der Domberg gehört zum Kiessandrücken) , weiter nach Borghorst, bis nach Rheine und Salzbergen.
Was ist der Kiessandrücken? Gletschervorstoß zwischen Toteisblöcken?
Die neueste Hypothese zur Entstehung (1):  „dass sich im Osten ein Toteisblock bildete und im Westen der Gletscher weiter nach Süden vorstieß. Zwischen Gletscher und Toteis floss Schmelzwasser mit hoher Geschwindigkeit nach Süden ab und spülte die Rinne, die sich später mit der Schotterfracht aus dem Eis füllte und so überhöht wurde. Nach dieser Hypothese war der Gletscher auch weiter im Westen durch ein Toteisfeld begrenzt, und dort entstand entsprechend die Twente-Achterhoek-Rinne (Niederlande). 1) Wikipedia
Ursprüngliches Erscheinungsbild
Der sandige, karge Boden und tief liegendes Grundwasser ließ auf dem breiten Höhenrücken, der seine Umgebung bis zu 10 m überragt, nur spärliche und anspruchslose Vegetation zu. Ginster, Erika, Wacholderbüsche und Gräser wuchsen hier.  Nutzung: Zunächst begann die Nutzung dieser trockenen Flächen wohl als Siedlungs- oder Lagerplatz, wie steinzeitliche Funde zeigen, so die Funde von Urnenfriedhöfen am Martiniring im Jahre 1949, sowie an der Spithöver Straße im Jahre 1932. Dies sind die ältesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung in Sendenhorst.

Mühlenberg
eigentlich die Mühlenkuhle, gehört zu Kiessandrücken. Der Mühlenberg ist innerhalb der Stadt mit 70m ü NN die höchste Erhebung. Hier und etwas weiter im Westen liegt lt. H. Petzmeyer die allererste Bauerschaft mit dem Namen Seondonhurst.  Sie wird in Urkunden im Jahr 900 erwähnt. Das Münsterland war Teil des Frankenreiches und wurde den Nachfolgern der ersten Bischof von Münster Liudger weiter christianisiert. . Das Frankenreich befand sich nach Karl dem Großen durch Erbteilung in Auflösung. Ein deutsches Königreich gab es noch nicht, dessen Gründung erfolgt erst 959 mit der Krönung Heinrich IV.
In Albersloh (Wald des Albrecht) existierte bereits eine Kirche, eine der sogenannten Urpfarreien des Münsterlandes, ggf. schon von dem ersten Bischof Liudger begründet.
Sendenhorst könnte später von Albersloh „abgepfarrt“ worden sein, da ist man sich nicht sicher. Auf jeden Fall erfolgt die Kirchengründung in Sendenhorst wesentlich später als die in Albersloh. Auf dem Mühlenberg ist noch heute die Wößmannsche Mühle zu sehen. Eine Mühle lässt sich an dieser windigen Stelle bis ins Mittelalter nachweisen.

Mergelberg
Der Mergelberg bezeichnet nur einen der vielen Mergelberge. Es handelt sich hier m den Aushub der Strontianitgruben. Strontianit: Mineral, das weltweit nur bei uns im südlichen Münsterland (Schwerpunkt: Drensteinfurt, Ascheberg, Vorhelm, aber auch Sendenhorst) vorkommt. Wurde in der Zuckerindustrie verwendet, um Ausbeute an Zucker aus Melasse zu erhöhen. Der Bedarf löste in der 1880er Jahren in unserer Gegend einen Goldrausch aus. Überall wurden Schächte in die Erde getrieben, um das Mineral abzubauen. Da jedoch bald ein günstigeres Subtsitutionsprodukt für die Entzuckerung der Melasse gefunden wurde, verebbte der Goldrausch so schnell wie er gekommen war. Die Mergelberge, vor allem in der Bauerschaft Bracht, aber auch in anderen erinnern an den Aushub. Die größte Mine in Sendenhorst mit 3 Schächten und  war die am Mergelberg. Auch der Name Strontianitstraße erinnert an diese „wilde“ Zeit. Von 1880 – 1883 wurden hier einige Schächte in die Erde getrieben:
1.    Sohle (10m Teufe)    bis März 1882    ca. 200m Strecken
2.    Sohle (15m Teufe)    "  1880    ca. 110m
3.    Sohle (25m Teufe)    " März 1882    ca. 420m
4.    Sohle (40m Teufe)    " März 1882    ca. 156m
Etwa 90m nordöstlich des Maschinenschachtes 11 befindet sich ein Versuchsschacht von 8m Teufe und 20m Streckenlänge.

Die Gruben in den Nachbarorten waren wesentlich ertragreicher, so kann man z.B. südlich von Vorhelm den Aushub der größten Mine unserer Gegend bewundern, den Aushub der Alwine.  

Rodelberg
Ganz im Norden des Stadtgebietes gelegen ist der Rodelberg nördlich der Kantstraße. Dieser wurde aufgeschüttet gegen Ende des letzten Jahrhunderts, ist aber als Rodelberg durchaus geeignet. Die Information, wann der Rodelberg „errichtet“ wurde, wird noch gesucht! Antworten bitte per Email an Heimatverein-Sendenhorst@web.de – oder Facebook Sendenhorster Geschichten. Hinter dem Berg liegt ein kleiner See, der wurde von uns damals Jugendlichen in den 1980er Jahren der „Geistersee“ genannt, warum auch immer.

Elmster Berg
ehemals Elmenhorster Berg – Nur wirklich schwierig als „Berg“ zu erkennen ist der in Richtung Alverskirchen im Norden von Sendenhorst gelegen. Die älteste Bauerschaft Sendenhorst. Sie wird schon 880 nach Chr. In den ersten Abgabenverzeichnis den Werdener Urbaren genannt.

Warften
In den nördlichen Bauerschaften (Elmenhorst, Rinkhöven, Hardt) lassen sich Erhebungen in der Landschaft erkennen. Es handelt sich mitunter um künstlich aufgeschüttete Hügel, auf denen die allerersten Höfe errichtet wurden. In der Nähe / auf dieser/n Warften lassen sich auch noch sogenannte Bodendenkmäler vermuten, also Reste der Höfe von vor 1.000 Jahren, die noch auf eine archäologische Erschließung warten.

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