Der Bischof von Sendenhorst 1945 - 1946

Sendenhorst - Das kleine Städtchen Sendenhorst war einmal Bischofsstadt. Und das 60 Wochen lang in einer extrem schwierigen Zeit: Zum Ende des Zweiten Weltkriegs vom 14. Oktober 1944 bis zum 18. Dezember 1945. In Dieser Zeit residierte der Bischof von Münster mit einem größeren Teil der Diözesanverwaltung in der Stadt. Und auch der damalige Nachbarort Albersloh bekam etwas von den bischöflichen Behörden ab.

Die Großangriffe auf Münster vom Herbst 1944 mit der Zerstörung des Domes und fast aller noch bis dahin verbliebenen Kirchen war vorausgegangen. Bischof Clemens-August Graf von Galen, wie viele andere auch längst zum „Kellerbewohner“ geworden, kam mit einem Lastwagen nach Sendenhorst. Die neue Residenz wurde das völlig überfüllte St.-Josef-Stift, in dem zwei Zimmer für den Bischof freigeräumt wurden, schreibt Adolf Risse in der Festschrift zum 650-jährigen Bestehen der Stadt Sendenhorst im Jahr 1965. 


Und vom Krankenhaus sowie aus der Pfarrkirche St. Martin führte der Bischof von Münster gewissermaßen seine Amtsgeschäfte und wandte sich, soweit er überhaupt noch zu hören war, an die Menschen „da draußen“. 

Denkwürdig war da zum Beispiel der Gründonnerstag 1945, als der Bischof in Sendenhorst Öl und Chrisam für die Diözese weihte. Denn die Frage war, wie Chrisam und Öl in das bereits umzingelte Münster, in die inzwischen besetzten Gebiete und gar noch in das vom Einmarsch bedrohte und darum besonders gefährdete Bistumsgebiet gelangen sollten. Doch Not machte erfinderisch. „Da radelten die Kapläne aus dem Münsterland als Kuriere des heiligen Öls, mit den Schreckensmeldungen der Invasionstage vor Ostern 1945 um die Wette. Da fuhren in ihren Jeeps in den Tagen nach Ostern die Kriegskapläne der Alliierten das heilige Öl ins Ruhrgebiet und an den Niederrhein. Von Ruhr und Rhein waren bereits in den Wochen zuvor auf oft abenteuerlichen Wegen die Pfarrer Rat suchend zu ihrem Bischof nach Sendenhorst gekommen. Zu ihm radelten sie auch in der Nachkriegszeit auf nicht minder lebensgefährlichen Pfaden. Mit dem Messerstich im Rücken, von Russen überfallen, zerschunden und ausgeraubt: Das alles 1000 Meter von des Bischofs Residenz zu Sendenhorst entfernt, kam der neue Pfarrer von Haldern in jenen Tagen den weiten Weg von Rees am Niederrhein nach Sendenhorst geradelt“, berichtet Adolf Risse.

Von Sendenhorst aus unternahm der Bischof auch seine ersten Firm- und Visitationsfahrten in der Nachkriegszeit. Zunächst in das Dekanat Ahlen, später ins weitere Münsterland und schließlich auch ins Ruhrgebiet, an den Niederrhein und ins Oldenburger Münsterland. Was er da wohl noch nicht wusste: Es sollten seine letzten Reisen werden.

Der Name Sendenhorst war in vieler Munde und stand auch in den Zeitungen - sogar im Ausland, als den einrückenden Soldaten und den hohen Militärbesuchen die Reporter auf den Fersen folgten.

Denn von Sendenhorst aus appellierte der Bischof auch an das Gewissen der Sieger und forderte Gerechtigkeit und Schutz „für das unter der Willkür der Besatzung sowie unter den raubmörderischen Übergriffen der russischen und polnischen Lagergruppen leidende Münsterland“, schreibt Risse. Selbst im „Führer-Bunker“ in Berlin sei der Name der Stadt ein Begriff gewesen. 

Von der Martinus-Stadt aus erfolgten auch die Ehrenrettung und die besondere Würdigung des „Löwen von Münster“, schreibt Risse. Denn fünf Tage nach seinem Abschied, am vierten Adventssonntag 1945, wurde im Radio seine Ernennung zum Kardinal verbreitet. 

In den letzten Märztagen des Jahres 1946 wurde Clemens-August Graf von Galen, im Purpur des Kardinals soeben aus Rom zurückgekehrt, in den Ruinen des Domes zu Münster begraben. Kerzen und Blumen zieren seine Gruft im wiederaufgebauten Dom. Noch heute besuchen zahlreiche Sendenhorster das Grab „ihres“ Bischofs, der den Bürgern der Stadt in einer schweren Zeit Beistand gegeben hatte.

VON JOSEF THESING, SENDENHORST

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