Bischof schätzte das Geld der Pfarrei

Sendenhorst - So langsam aber sicher kann sich die Stadt Sendenhorst auf die großen Feierlichkeiten zu einem runden Geburtstag vorbereiten. Denn im Jahr 2015, also in etwas mehr als vier Jahren, wird die Stadt 700 Jahre alt - was sicher ein Anlass für eine Festwoche sein dürfte.

Dabei ist endgültig nicht geklärt, ob die Stadt tatsächlich im Jahr 1315 gegründet worden ist, denn es gibt keine Urkunde darüber. Eine solche ist vermutlich bei einem der vielen Stadtbrände, die auch das Archiv immer wieder in Mitleidenschaft gezogen hatten, vernichtet worden, vermutet Heinrich Petzmeyer in seiner Stadtgeschichte.

Aber in einer Urkunde aus dem Jahr 1315 wird die Stadt - mehr beiläufig - erwähnt, weshalb im Jahr 1965 auch das 650-jähriges Bestehen der Stadt gefeiert worden war. Ältere „Beweise“ gibt es bis heute nicht - oder sie wurden noch nicht gefunden.

Als sich Bischof Ludwig von Hessen entschloss, sein damaliges „Kirchdorf“ zu einer Stadt zu machen, war Sendenhorst im Vergleich zur Nachbarschaft ein unbedeutendes Nest. Im südöstlichen Münsterland waren Ahlen und Beckum die wirtschaftlichen Zentren. In Sendenhorst hingegen beschränkte sich der Handel - im Gegensatz auch zu Warendorf und Telgte - auf den Warenaustausch mit den umliegenden Bauerschaften. Rund um die Kirche gab es Handwerksbetriebe und kleine Händler. Einen Bedarf für ein weiteres städtisches Zentrum in der Region gab es eigentlich nicht.

Dass Bischof Ludwig dennoch die Stadtrechte verlieh, hatte politisch-militärische Gründe, schreibt Petzmeyer. Es ging um die Sicherung der Macht und die Befestigung des Eigentums. Städter waren verpflichtet, dieses zu verteidigen. Ebenso konnte der Bischof Richter ernennen und Verwaltungen installieren.

Und die Stadtgründung hatte für Ludwig auch pragmatische Gründe: Auf der Reise zwischen seinen Besitzungen Münster und Marburg reiste der Bischof, der häufig in irgendwelche Kriege und Auseinandersetzungen verwickelt war, über Sendenhorst und Soest. 

Vermutlich hat er dabei in „seiner“ kleinen, neuen und befestigten Stadt an der Fernstraße von der Nordsee über Münster bis nach Soest und Marburg mit seinem Gefolge eine Rast eingelegt.

Und auch das liebe Geld spielte eine wichtige Rolle für die Gründung der Stadt. Die Pfarrei war finanziell außerordentlich gut ausgestattet. Die Jahreseinkünfte betrugen 1313,18 Mark - womit Sendenhorst im oberen Fünftel aller Pfarrkirchen des Bistums lag. Zum Vergleich: Der Albersloher Pfarrer nahm zu der Zeit sieben Mark und der Drensteinfurter 15 Mark an Pachten und Ähnlichem ein.

Die Finanzstärke der Sendenhorster Pfarrei wurde auch an der Größe der damaligen romanischen Kirche deutlich, die weit größere Ausmaße als die Dorfkirchen in der Umgebung hatte und wohl für mehr Bewohner geplant worden war, als seinerzeit im kleinen Sendenhorst lebten.

VON JOSEF THESING, SENDENHORST

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