Auf den Spuren der Ahnen III - Genetische Ahnenforschung im Selbstexperiment

Wir haben uns auf unserer bisherigen Suche nach den Ahnen durch zahlreiche Mailforen, Stammbäume, digitale Akten und womöglich auch Kirchenbüchern und Archiven gearbeitet, nur an einem Punkt ist Schluss. Spätestens 1630, als der Anfang der Aufzeichnung der Kirchenbücher, wären da zu nennen. Vielleicht auch der eine oder andere Zufallstreffer bis 1500 oder noch früher. Ggf. entstammt man dem Adel dann könnte es noch weiter zurückgehen ... aber auch hier ist irgendwann Schluss. Jetzt kommt zur klassischen Ahnenforschung die genetische Ahnenforschung mit ins Spiel. Ich habe einen Grundtest bei einer Schweizer Firma durchgeführt, fur die väterliche und die mütterliche Linie. Das Ganze war nicht ganz billig, insgesamt war ich jedoch sehr zufrieden.

Franken und Sachsen vor Beginn der Sachsenkriege Karls des Großen

Die DNA wird mittels Speichelprobe bei der Schweizer Firma eingeschickt www.igenea.com- die diese Probe dann in Houston, Texas, analysieren lässt. Dabei kann getestet werden: Die väterliche Linie, allerdings können das ausschließlich Männer, das ist biologisch so vorgegeben. Getestet werden die Mutationen auf dem Y-Chromosom. Das Y-Chromosom wird nur vom Vater auf die Söhne vererbt. Das bedeutet, im Prinzip haben alle Männer noch das gleiche Y-Chromosom ihres Urvaters, dem sogenannten Adam, der vor ca. 120.000 bis 156.000 Jahren im östlichen Afrika lebte. Er war übrigens dunkel pigmentiert, das ist 100% belegbar. Im Laufe der Evolution kam es zu großen Wanderungsbewegungen, und das Y-Chromosom in den verschiedenen Ästen der Menschheit mutierte.

Nach und nach kam es zur Aufspaltung der Menschheit in sogenannte Haplogruppen. Diese wird zuerst getestet. Des weiteren ist nun im 21. Jahrhundert aus den Mutationen des
Y-Chromosoms ablesbar, aus welchem Urvolk (Zeit um Chr. Geburt) man(n) stammt. Dies können z.B. Kelten, Germanen, Phönizier, Wikinger sein. Man erfahrt weiter, aus welchem
Volk die männlichen Vorfahren in der Zeit um 1000 n. Chr. stammen. Da Frauen nicht über das Y-Chromosom verfugen, bleibt leider nichts anderes übrig, als einen Bruder oder Cousin oder auch Groß-Cousin um eine Genprobe zu bitten.

DIE MÜTTERLICHE LINIE:
Es ist jedoch auch möglich, die sogenannte mtDNA zu analysieren. Diese war 1988 leider noch nicht Bestanßteil des Biologie-Unterrichts, so dass ich hier vielleicht das Verfuhren nicht ganz korrekt beschreiben kann. Die mtDNA gehört nicht zum allgemeinen Chromosomensatz eines Menschen (22 Doppelchromosomen + 1 X + 1 Y Chromosom für Männer, bzw. 2 X Chromosomen fur Frauen. Die mtDNA (mitochondriale Desoxyribonukleinsäure) wird unverändert von der Frau auf alle Nachkommen vererbt. Sie bleibt ebenfalls, wie das  Y-Chromosom, bis auf zufallige Mutationen unverändert. Da alle heutigen Menschen der Gattunghomo sapiens einer kleiner Gruppe entstammen, haben also auch alle die gleiche Mutter.

FOLGENDES WURDE 2013 IN EINER STUDIE DES MAGAZINS SCIENCE U. A. FESTGESTELLT:
• 175.000 ± 50.000 Jahre bis zum gemeinsamen Vorfahren (mitochondriale Eva aller Menschen in der Studie)
• 52.000 ± 28.000 Jahre zur Verzweigung zwischen dem letzten afrikanischen und dem
nichtafrikanischen Zweig (mitochondriale Eva aller Nichtafrikaner in der Studie)
• Signal fur eine Expansion im nichtafrikanischen Ast vor etwa 1925 Generationen. Also etwa vor 38.500 Jahren, wenn man von einer Generationszeit von 20 Jahren ausgeht.
Der Test der mtDNA ist für Männer und Frauen geeignet. Auch hier kann durch Auswertung der Mutationen der mtDNA die Haplogruppe ermittelt werden, das Urvolk (900 v. - 900 n. Chr. Geburt), sowie das Volk um 1000 n. Chr. Da hier die jeweilige eigene Urmutter ermittelt wird und in der Regel immer der männliche Nachname weitergegeben wird (wurde), ist die eigene Urmutter meistens nur ein >>paar<< Generationen weiter bekannt. Die Tests können mit einer bestimmten Tiefe, Genauigkeit durchgefuhrt werden, was sich allerdings mit höherer Genauigkeit auf die Höhe des Preises auswirkt. Nähere Angaben sind bei lgenea zu erfuhren. Sollte jemand überlegen, bei dem o.g. UnterUnternehmen
einen Test durchführen zu lassen, bitte ich um vorherige Kontaktaufnahme, um ggf. Rabatte ausnutzen zu können. Heimatverein-Sendenhorst(at)web.de

Bild: Verbreitungsgebiet der Kelten vor dem Jahre 0

MEIN ERGEBNIS MÜTTERLICHERSEITS:
Analysiert wird die mtDNA, also die mitochondriale Desoxyribonukleinsäure der weiblichen direkten Vorfuhren- die ur-mütterliche Linie mt-DNA (mütterliche) Linie
900 v. Chr. - 900 n. Chr. Urvolk Kelten
Ursprungsland Irland ca. 1000 n. Chr.
Elisabeth Scholz früheste ermittelte Vorfahrin = eigene Urmutter, geh. vor 1770 in Niederschlesien
Dieses Ergebnis war sehr überraschend fur mich. Die Frage ist: Wie und warum kamen irische Kelten nach Schlesien? Vielleicht im Gefolge irischer Mönche, die den Glauben zurück nach Europagebracht haben und dann über die Ostkolonisation nach Schlesien. Vielleicht aber auch im Zuge des 30-jährigen Krieges, wer weiß das schon.

MEIN ERGEBNIS VÄTERLICHERSEITS:
Haplogruppe R1B
Ebenfalls Urvolk Kelten
900 v. Chr. - 900 n. Chr.
Ursprungsland Frankreich Ca. 1000 n. Chr.
Frühester ermittelter Vorfahre- Bernhard Hölscher, geh. 1590 oder ggf. doch Pfarrer Hölscher, bewiesen ist das noch nicht, es könnte sein . ..
Gesetzt den Fall, dass Bernhard Hölscher I., geboren 1590 in Sendenhorst (oder vielleicht doch der Pastor Hölscher), wirklich ein direkter Urahn von mir ist, sind die Hölschers irgendwann von Frankreich nach Westfalen gekommen, warum nur? Somit wären die Hölschers vor Ort fränkischen Ursprungs und keine Sachsen, die den Raum hier ab 650 n. Chr. besiedelten. Sendenhorst war wohl ganz ursprünglich eine sächsische Siedlung. Vielleicht sind sie im Zuge der Kolonisierung unseres Raumes durch Karl den Großen nach dessen Sieg über die Sachsen hier in unseren Raum gekommen, aber das ist Spekulation. . . AufPlatt heißt Hölscher übrigens der Holzschuhmacher, ein normaler Handwerksberuf in damaligen Zeiten. Vielleicht hat die Wissenschaft da auch noch mehr in Zukunft in petto, das Ergebnis der Genprobe ist hinterlegt .. .

ERFOLG MIT GENFORSCHUNG
Mit genetischer Ahnenforschung über den Teich - Pocahontas (AR) - New York - Amsterdam - Melle - Altenmeile - Bennien
Weiterhin kann man sich und sein Ergebnis in eine weltweite Datenbank einstellen lassen und mit der Einbindung in google earth Verwandte in der ganzen Welt finden! Insbesondere unsere amerikanischen Freunde sind sehr an ihren Wurzeln interessiert. Ich habe in der Gen-Datenbank eine Übereinstimmung in der USA gefunden. Der dortige Probant, Noah Hoelscher, ist, da er (fast) denselben Nachnamen trägt und eine genetische Übereinstimmung mit mir hat, höchstwahrscheinlich mit Hölscher Sendenhorst verwandt. Die Familie US Hoelscher lebt u. a. in Pocahontas, Arkansas. Bild: Rathaus von Pochahontas

Die Vorfahren von Noah ließen sich ermitteln: Der erste US-Amerikaner der Familie war Frank (Franz) Hoelscher. Frank Hoelscher kam via Amsterdam und einigen Zwischenstationen nach Amerika, wo er als erstes eine katholische Kirche baute. Von Amsterdam aus, von wo er auswanderte, führt seine Spur zurück nach Melle-Altenmelle, seinem Geburtsort. Hier endete bisher die Reise.

Dank Herrn Stegmann vom Osnabrücker Mailforum ließen sich die Ahnen von Frank ermitteln. Es geht nach Riemsloh bzw. Bennien. Bennien ist eine kleine Bauerschaft ganz in der Nähe zu Bruchmühlen und somit ganz nah an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese Grenze trennte früher schon das Fürstbistum Münster von seinen Nachbarn, so z.B. dem Königreich Preußen und Münster oder auch dem Königreich Hannover. In Bennien gibt es heute noch einen Hof Hölscher, eine genetische Überprüfung sollte ergeben, dass wir ebenfalls verwandt sind. Der früheste ermittelte Hölscher aus dem Raum Meile I Riemsloh ist nun: Friedrich WilhelmJohann Hölscher, geh. 1746, 33 Jahre Schulmeister zu Bennien. Er erbaute dort auch das neue Schulhaus. Meine Hölscher-Linie kommt aus Sendenhorst in Westfalen. Bis nach Meile- Riemsloh sind es 50 km. Bisher konnte keine klassische Verbindung zwischen Hölscher Riemsloh und Hölscher Sendenhorst aufgedeckt werden.

Es stellt sich die Frage, wann der genetische Austausch von Sendenhorst nach Bennien bzw. Bennien nach Sendenhorst stattgefunden hat. Im ungünstigsten Fall während der Entstehung der Nachnamen, ca. 13. Jahrhundert und spätestens 1750, ob von Riemsloh nach Sendenhorst oder umgekehrt. Leider sind die Kirchenbücher von Riemsloh 1746 verbrannt, somit ist hier wieder erstmal Schluss. Die Linie Hölscher Sendenhorst ist bis 1600 recht gut dokumentiert, bisher ergeben sich keine Anhaltspunkte. Und doch hat ein Austausch stattgefunden ... Die Amerikaner in Pocahontas an der Hoelscher Lane jedenfalls sind sich ihrer genauen Roots nicht mehr so sicher. ..
Man sollte erwähnen, dass die Zuordnung zu Volksgruppen wissenschaftlich nicht unumstritten ist, mir hat es viel Spaß bereitet und in der Familie viei Diskussionsstoff ausgelöst.
 

Nach oben

Ahnenforschung
Blätterwald
21. Jhdt
1980/90er
1970er
1965_650J
1960 und davor
Presse aktuell
Fakten
Fest-Schriften
Geschichte(n)
Grundwissen
H. Petzmeyer
Kornbrenner
Media
Quellen
Impressum
Datenschutz