1756 - 1763 - 7-jähriger Krieg – Auswirkungen im Münsterland und Sendenhorst

Kriegsgegner waren die Verbündeten Österreich und Frankreich und weitere [u.a. auch das Fürstbistum Münster] auf der einen und Preußen unter Friederich II. auf der anderen Seite, der mit England, Hannover und Braunschweig verbündet war. Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ mit dem Kaiser an der Spitze existierte als mehr oder minder loser Staatenbund, so dass Kriege zwischen den Einzelstaaten möglich waren. Der Krieg wurde in Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten.

Truppenbewegungen im 7-jährigen Krieg in unserer Gegend - Nichts groß angebrannt - Schwein gehabt!

Das Fürstbistum Münster, „unser“ Staat, war als Unterstützer von Maria Theresia, der Kaiserin von Österreich, wiederholt Kriegsschauplatz. Es kommt zu zahlreichen wechselseitigen Besetzungen durch französische, braunschweigische, englische und hannoversche Truppen. Dabei werden gewaltige Kontributionen auferlegt. 1759 geht das Martiniviertel in Münster durch Beschuss in Flammen auf. Die Stadt wechselt mehrfach den Besatzer. 


BiAuch andere Städte und Bauerschaften des Münsterlandes werden immer wieder von den verschiedenen Kriegsparteien besetzt und leiden unter den Einquartierungen und Plünderungen. Besonders die Preußen und ihre Verbündeten sind verhasst. Die wirtschaftlichen Schäden für das Land sind imens.  

Bild: Das bettelnde Soldatenweib

So findet sich dazu im Stadtarchiv:

Wenn auch die Kriegsfackel nicht unmittelbar nach hier getragen wurde, so hat doch die Bevölkerung unter den Begleiterscheinungen des Krieges unermeßliche Opfer bringen müssen. Einige Jahre vor Beginn des Krieges wurde das Städtchen fast zweimal ein Raub der Flammen. 

Von den 127 und 58 Nebenhäusern, die es um damalige Zeit zählte, brannten 1751 allein 70. und nachdem diese größtenteils wieder aufgebaut waren, brannten 1751 67 ab. Dann kam 1756 der Krieg, der dem verarmten Volke unerträgliche Lasten auferlegte. Abgesehen von den Naturalleistungen mussten laufende Kriegskontributionen aufgebracht werden. Da die Bewohner mit geringen Ausnahmen an den Bettelstab gekommen waren, war von ihnen kein Geld zu holen. Sparkassen und andere öffentliche Kreditinstitute gab es damals hier noch nicht. Infolgedessen musste das Geld von privater Seite und aus Stiftungen geliehen werden. Zur Deckung der Lasten wurden folgende Gelder geliehen:

Es finden sich Namen aller namhafter Sendenhorster Familien, aber auch die Kirche und die Armen liehen Geld. 

Bild: Altes Sendenhorst von Nord-Osten, die Kirche ST. Martin wurde erst 1865 fertig gestellt.

Die Armut und Not der damaligen Zeit wird in folgendem Ratsprotokoll eingehender geschildert:

„Demnach der verderbliche Krieg von denen Allierten Chur Hannöverischen, Königlichen Engelländischen, Schottländischen, Preussischen Hertzzoglichen, Braunschweigerischen, Landgräflichen Hessischen und Gräflichen Bückeburgischen Völkern gegen denen Königlichen Frantzösischen Trouppen in diesem Hochförstlichen Münsterischen Hochstift im Jahr 1757 ums pfingsten seinen Anfang genommen und biss im mertz 1763 forthgedauert hatt, in welchen Kriegerischen jahren die bürgerschaft dieser stadt fast alle jahren, durch beybringung deren persohn, hause und schatzung, täglicher durchmarschen, fourage lieferungen, fouragierungen vom feldt, Einquartierungen, zweymaliger Winterquartierungen hessischer Trouppes, ordinatzen, hin und wieder mit stellung deren arbeiter auf denen marschrichten, festungs Werkeren zu Münster, Hamm und anderer orthen, auf denen Landtstraßen, zweymaliger Cropierung des hornviehes, häufiger hergebung Landesherrlicher Schatzungen, wie dan auch durch beybringung deren gezwungenen dahrlehns, orontribution und quotisations Summen, die jeder in Capitalien von diesen einwöhneren dieser stadt haben negotieren und aufnehmen müssen, zu welcher erleichterung deren pensionen im jahr 1766 gegen erlagten und erhaltenen quitungen, nachstehende mit vier siegelen befästigte landesobligationes hiesiger stadt mitgeteilet und in archivie auf dem Rathhause hingeleget worden, alss folgen.


Bild: Preußische Füsseliere - Infantrie Regiment Prinz Heinrich von Preußen 1757

BiIn fidem Jobst Henrich Duffhues " Secretarius.“

Im Pfarrarchiv vermerkt Pfarrer Kuipers für diesen Zeitraum viel Elend und Not:

1759 Wegen der Kriegsunruhen sind in diesem Jahr wenig zur Trauung geschritten. Im folgenden Jahre begann Andreas Kuipers mit den Aufzeichnungen mitten in den Kriegswirren.
1760, 1. 9. wurden Christian Brinkers und Anna Maria Ridder getraut, jetzt mit dem siebten Manne.
1760, den 20sten Januarii haben drey compagnien Hessischer troupps des Regimente von Töll, dahier das Winter quatier genommen, welchen man frey Essen und Trinken geben musste.
1761 In diesem Jahre wurden 167 Personen beerdigt, während hier Typhus herrschte, an anderer Krankheit starben im gleichen Jahre 58, zusammen 225 Menschen.
In demselben Jahre sind die Franzosen durchgezogen nach Hamm und haben sich in den Feldfrüchten gelagert.
1761, 31. Juli. Joan Bernd Röper; dieser ist als erster an Typhus gestorben, an welchem fast alle bis Ende Dezember gestorben sind, einige aus Armseligkeit, Unterernährung, Pest, einige zogen sich die Krankheit durch Ansteckung zu. Diese sind in der großen Zahl enthalten, so daß fast kein Haus in der Stadt und fast kein Haus im Kirchspiel von der Krankheit verschont wurde. Das Pastorat und das Haus des Küsters blieben verschont, ebenso das Haus des Organisten (Orgelspielers).
1761. In der Zeit, während Typhus herrschte, sind 167 Personen gestorben. 18 bezw. 19 Ärzte unseres Patrona ( Fürstbischof von Münster ) waren hier, die zu dem Zweck hierher beordert waren, daß sie den Kranken helfen sollen. Den Armen wurde ohne Entgelt durch Sachspenden und Medizin geholfen, andere wurden später gezwungen beides zu bezahlen.
1761 den 10 December hat der Major vom Oldenkop mit 90 Man Hessen hier in der Stadt drey compagnien von selbigen Barteks Regiment das Winter quatier im Kispel genommen, erstere seindt den 14 ten april abmaschiret und den 24 sten april 1762 wieder kommen und in alten quatier einige tage verblieben.
1761. Von dieser Zeit an beginnt die Kuhpest, sowohl in der Stadt wie auch im Kirchspiel. Diese Seuche, bis dahin hier unbekannt, ist jetzt zum zweiten Male unter Pastor Homoet.
1762. Die Kuhpest dauert noch fort und ist von neuem ausgebrochen. Die Not war hier so groß, weil zugleich eine Schar Feinde während des ganzen Winters hier einquartiert war, eine Schar, die dem Frieden absolut abhold war.
1763. Hier beginnen die regenreichen Jahre.


Bild: Mitteleuropa ca. 1760 zz des 7-jährigen Krieges

Fazit

Für die Bevölkerung der beteiligten Staaten in den Kriegsgebieten hatte der Krieg zum Teil katastrophale Auswirkungen. Der Verlust an Soldaten war immens – so verlor allein Preußen 180.000 Mann. Auch die Zivilbevölkerung wurde dezimiert, insbesondere in den am stärksten betroffenen Gebieten wie Sachsen oder Pommern. 

Preußen hatte sich durch den Krieg als fünfte Großmacht im europäischen Mächtekonzert etabliert. Frankreich, das durch den Krieg schwer verschuldet war, misslang der Erwerb der Österreichischen Niederlande (heute Belgien). Die Friedensbestimmungen brachten ferner den Verlust aller nordamerikanischen Besitzungen östlich des Mississippi und alle indischen Besitzungen an die Briten. 

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