Die Fraterherren in Sendenhorst - by HPtz

Im Gegensatz zu Herrn Fascies sieht H. Petzmeyer keine Beweise für eeine dauerhafte Residenz der Fraterherren. Auch der unterirdische Gang wird nicht erwähnt. Überhaupt liest sich dieser Bericht aus seiner Stadtgeschichte ein wenig anders. Machen Sie sich selbst ein Bild!

Sendenhorst: Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Besitzverhältnisse in und vor der Stadt bildeten die Fraterherren aus Münster, die sich seit 1480 in Stadt und Kirchspiel einkauften. Die Fraterherren haben ihren Ursprung in den Niederlanden, wo sich im 14. Jahrhundert eine neue, freiere Form gemeinsamen religiösen Lebens entwickelt hatte. Anknüpfend an die vertraute Tradition der Beginenhäuser, hatten sich die »Brüder vom gemeinsamen Leben« in Brüderhäusern zusammengeschlossen, um ohne ausdrückliches Gelübde unter einem selbstgewählten Oberen in gegenseitiger Liebe und Achtung zu leben.

Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die Brüder vor allem durch das Schreiben und Ausmalen von Büchern. In Münster gründete Heinrich von Ahaus 1401 das Fraterhaus »Zum Springborn«26. 80 Jahre später begann das Fraterhaus mit dem Erwerb seiner Sendenhorster Besitzungen. Hatten die Fraterherren ihren Grundsatz von der Geringschätzung weltlichen Besitzes< aufgegeben oder war die Grundstückspolitik nur ein notwendiges Mittel zur Sicherung der Existenz, nachdem der beginnende Buchdruck das Schreiben von Büchern mehr und mehr überflüssig machte? Wir wissen es nicht. 

Die Brüder vom gemeinsamen Leben strebten nach persönlicher Vervollkommnung. Sie waren keine Seelenhirten, keine Volkserzieher. Zu keiner Zeit traten sie in Sendenhorst hervor als Seelsorger, als Prediger oder als Leitfiguren in der orientierungslosen Zeit der Reformation. Ihr Sendenhorster Geschäft war der Grundstückserwerb, den sie mit Sachverstand und Zielstrebigkeit zum Abschluß brachten. Zunächst hatten sie sich feste Einnahmen durch Rentenkauf verschafft (»jener dem Mittelalter eigenen Umgehung des kirchlichen Verbots, Zinsen für den Verleih von Geld zu nehmen«. Höing). 

Seit 1462, vermehrt seit 1480, legte das Fraterhaus überschüssiges Kapital in Ländereien an. Schwerpunkt dieser Erwerbspolitik war außer einem Kamp vor dem Liebfrauentor in Münster vor allem Sendenhorst. Anhand der Urkunden des Fraterhauses lassen sich diese Erwerbungen recht gut verfolgen. Man ging offensichtlich nach einem wohlüberlegten Plan vor. Geriet ein Adliger oder Bürger in Schwierigkeiten, standen die Fraterherren als Käufer seines Besitzes bereit. Eine nicht ganz einwandfreie Rolle spielte Rentmeister Ocke beim Grundstückserwerb. Man hat den Eindruck, Ocke trat häufig nur als Strohmann der Fraterherren auf, denn viele Besitzungen gingen zunächst durch seine Hände, bevor sie endgültig bei den Fraterherren blieben. 

Und so brachten sie ihren Sendenhorster Besitz zusammen, kapitalstark und zielstrebig. Ungünstig liegende Grundstücke wurden getauscht, kleinere Höfe zusammengelegt, die Zehntabgaben und das Meßkorn, falls möglich, abgelöst. Die Fraterherren wirtschafteten nach den modernen Grundsätzen ihrer Zeit. Kleine Einzelhöfe und Kotten faßten sie zu unbesetzten, wüsten Hoven zusammen. Nicht Erbpacht auf Lebenszeit, Zeitpacht auf die Dauer von 4, 8 oder 12 Jahren galt als wirtschaftlich. Die Fraterherren hatten keine Leibeigenen, aber nicht aus religiös- moralischen Erwägungen (»von der Freiheit eines Christenmenschen«), sondern weil es sich als wirtschaftlicher erwies. Vom »Fraterherrenhof« am südlichen Ende der Nordstraße verwalteten Pächter, im 16./17. Jahrhundert die Familien Kolsendorp und Fihe, die Liegenschaften im Norden und Osten der Stadt. 

Wollten die Fraterherren in Sendenhorst eine Niederlassung gründen, ein Fraterhaus Sendenhorst? Wahrscheinlich nicht. 

Sehen wir von Pastor Johannes Engelberting (1623-1652) ab, der vor seiner Berufung nach Sendenhorst Kanonikus am Frater hause gewesen war, so haben zu keiner Zeit Fraterherren in Sendenhorst gelebt. Pächter Kolsendorp mußte im 17. Jahrhundert in seinem Hause eine »Fraterherrenkammer« instand halten, ein Hinweis, daß die Fraterherren gelegentlich Sendenhorst besuchten, um nach dem Rechten zu sehen. Die Güter der Fraterherren, Ländereien und Häuser, waren sehr zum Ärger der Bürger von den Steuern befreit. Da die Steuern der Stadt auf eine feste Summe fixiert waren, scherten die Fraterherren aus dem Solidarverband aller Steuerzahler aus. 

Beschwerde der Stadt 1705: Die münsterischen Fraterherren haben in Sendenhorst ein großes schatzbares Haus stehen und dazu einige Ländereien außerhalb der Stadt. Vor ungefähr drei Jahren [1702] hat der verstorbenen Pater Santman auf den Ländereien ein neues Haus bauen lassen und einen Pächter darauf gesetzt, und das Gut adlig frei verpachtet. Von dem Haus aber hat er Henxel [Beschläge], Bretter und Balken genommen.

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