1969 - Das war Sendenhorst 1969 - 31.12.1969 - Vision für die 70er

Bringen die 70er Jahre den Interkontinental-Flughafen mit den Jumbo-Jets? Die modernste Realschule weit und breit wurde 1969 in Sendenhorst fertiggestellt, bezogen und eingeweiht. Bauherr ist die kath. Kirchengemeinde St. Martin

Neubau der Realschule vom Wasserturm aus.

Januar
Im Januar zogen am Dreikönigstag die einheimischen St.-Georgs-Pfadfinder als Sternsinger von Haus zu Haus. Die Feuerwehr traf sich am 11.1. im Kaupmannschen Saal zu ihrem Winterfest. Die Sendenhorster Ortsparteien stellten sich im Hotel Zurmühlen der Jugend in Podiumsgesprächen mit zeitnahen Themen. Im St.-Josef-Stift sang während des Gottesdienstes am 12.1. der Vorhelmer Kirchenchor. Die Kolpingfamilie und der Kolping-Chor hielten in ihren Vereinslokalen Generalversammlungen ab. Die Feuerwehr folgte am 22.1. im Lokal Laumann mit der Jahreshauptversammlung. Im Kaupmannschen Saal fand der Mütterkaffee der St.-Martini-Pfarre statt. Ende Januar eröffnete die Domina-Kleidung GmbH am Prozessionsweg den Betrieb in neuen Werkstätten. Am 25.1. feierte die Johannisbruderschaft ihr Winterkränzchen, während am 31.1. der Sendenhorster Rat zu Gast bei der Patenschaftskompanie, der 4. Kp. des Pz-Gren.-Btl. 192 in Ahlen im Soldatenheim St. Martin weilte.

Februar
Anfang Februar fand eine von der kath. Jugend angeregte Podiumsdiskussion mit Vertretern der drei in Sendenhorst vertretenen Parteien statt. Die Sportgemeinschaft mit ihren 588 Mitgliedern hielt ihre Generalversammlung ab. Zur Karnevalszeit kamen sowohl die Narren bei der Kolpingfamilie wie bei der Sportgemeinschaft zum Zuge. Inmitten des närrischen Treibens regierte beim Kolpingverein Prinz Konrad 1. (Konrad Pumpe) und beim Sportverein Prinz Norbert 1. (Dir. Norbert Gatzen).

März
Im Monat März entbrannte wegen des Sanierungsplanes zwischen CDU und SPD ein hitziges Für und Wider. Die Diskussion fand durch die in den WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN veröffentlichten Leserbriefe ein lebhaftes Echo in der Bürgerschaft. Am St.-Josef-Stift wurde die erste Ampelanlage für einen Fußgängerüberweg montiert. Der Heimatverein fuhr per Bus zum münsterischen Zoosaal, in dem die plattdeutsche Posse „Siesemännken“ zur Aufführung gelangte. Der Allgemeine Schützenverein hielt in der Gaststätte Laumann seine Schützenversammlung ab.

April
Am 6. April - in der Osternacht - zogen wie seit Jahrhunderten wiederum junge Männer „um de Wälle“, um durch Absingen uralter Lieder die Auferstehungsnacht zu verkünden. Am Abend des ersten Osterfeiertages flackerte ein großes Osterfeuer der Kath. Pfarrgemeinde auf dem Bült. An der Fillstraße wurde ein neuer Kinderspielplatz angelegt. Einen guten Besuch hatte die Frühjahrskirmes am 27.4. an der Bahnhofstr. aufzuweisen. Im Saale Kaupmann trat das Heessener Kabarett „Das Objektiv“ auf. Am 30. April veranstaltete die Kolpingfamilie eine Pättkesfahrt in den Mai, die mit einem geselligen Abend am Herdfeuer auf einem Bauernhof ihren Abschluß fand.

Mai

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Selbständig wurde die evangelische Kirchengemeinde Sendenhorst am 1.5.1968. Superintendent Barntzky (rechts) überreicht Pfarrer Thiede (links) die Urkunde.


Im Monat Mai entschied sich der Albersloher Gemeinderat mit einem Abstimmungsergebnis von 13:3 für die Einschulung der Albersloher Hauptschüler in Sendenhorst anstelle von Wolbeck. Gegen die Stimmen der SPD beschloß der Sendenhorster Stadtrat den Sanierungsplan. Für die evangelische Kirchengemeinde war der 3.5. ein großer Festtag den drei Ereignisse gleichzeitig auszeichneten: Einmal erlangte die Kirchengemeinde mit dem 1.5. ihre Selbständigkeit, dann konnte das neue Gemeindehaus seiner Bestimmung übergeben und weiterhin der neue Taufstein eingeweiht werden. Am neuen kath. Kindergarten St. Martin wurden die Außenanlagen wie Sandkästen, Spielgeräte, Kletterbäume, gepflasterter Platz usw. geschaffen bzw. aufgestellt. Am 28.5. hatte die Sendenhorster Schießsportgemeinschaft den Schießklub Vorhelm zu Gast.

Juni
Am 1. Juni erhielt der „Kirchenchor Cäcilia 1869“ im Rahmen eines Festaktes des Sängerbundes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf die Zelterplakette überreicht. 34 Frauen und Mütter fuhren per Bus unter Obhut von Pfarrer Brink nach Schönstadt. Am 21.6. wurde der aus Sendenhorst gebürtige Hans Schmidt in der Pfarrkirche St. Anna zu Verl zum Priester geweiht. Er gehört dem Orden der Weißen Väter (Patres Albi) an und ist inzwischen in der Mission des Ordens in Afrika eingesetzt. Unter guter Beteiligung der Gläubigen fand die Fronleichnamsprozession statt, ebenso die Brandprozession. Am 14.6. befreite die Feuerwehr das St.-Josef-Stift von einem sich am Gesims des Stiftes niedergelassenen Bienenschwarm. Eine Klasse der einheimischen Realschule weilte für acht Tage im zweigeteilten Berlin; eine andere Klasse besuchte die Insel Helgoland. Am 28.6. entließ die genannte Schule erstmalig 35 Schüler bzw. Schülerinnen mit dem Zeugnis der mittleren Reife. Der einheimische Künstler Bernhard Kleinhans stellte in der Liesborner Ausstellung eine Plastik „Der Schmerzensmann“ in der stattlichen Höhe von 4.40 m aus. Im Juni fanden zudem die örtlichen Schützenfeste statt. Bei der Kolpingfamilie errang August Peters die Königswürde, beim Allgemeinen Schützenverein St. Martinus Lothar Schulte und bei der Johannisbruderschaft Wilhelm Westmeier jr.

Juli
Am 16. Juli zog ein schweres Gewitter über Sendenhorst hinweg. Mehrere Blitzschläge beschädigten ohne größeren Schaden verschiedene Wohnhäuser. In der Bauerschaft Brock ist durch Zufall ein in Vergessenheit geratener alter Strontianitschacht wiederentdeckt worden. 47 Frauen starteten unter Leitung des VdK zu einem Zweitagesausflug nach Kassel. An der Fußwallfahrt nach Telgte - erstmalig seit 1754 nur der Hinweg - beteiligten sich 108 Personen. Mädchen der kath. Pfarrgemeinde weilten wiederum im Ferienheim Klausenhof bei Triberg im Schwarzwald.

August
Im Monat August waren die Pfadfinder unterwegs. Die Wölflinge befanden sich im Zeltlager bei Haltern, die Jungpfadfinder in der Nähe der Biggetalsperre im Sauerland und die Pfadfinder selbst in der Olympiastadt München. Der Kolpingchor unternahm mit Familienangehörigen einen Sommerausflug zur Gaststätte Büttendorf im benachbarten Alverskirchen. Die Freiw. Feuerwehr hingegen beteiligte sich am 24.8. an der Feier des 50jährigen Bestehens der Hoetmarer Feuerwehr. Am 25.8. wurde der Schulbetrieb in dem neuen Gebäude der Realschule aufgenommen.

September

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Machtübernahme im Rathaus Sendenhorst. Bürgermeister Heinrich Brandhove (Mitte), der 22 Jahre dem Stadtrat vorstand, trat zurück. Sein Nachfolger wurde Heinz Schibill (links): Stadtdirektor Esser (rechts) steht weiter an der Spitze der Verwaltung.

Am 4. September sind vier biafranische Kinder mit schweren Kriegsverletzungen auf dem Luftweg über Holland im St.-Josef-Stift eingetroffen. Der Kolpingchor fuhr zum Sängerfest nach Glandorf, während der Allgemeine Schützenverein an der Jubelfeier des Schützenvereins Enniger aus Anlaß des 40jährigen Bestehens teilnahm. Am 17.9. hielt der Heimatverein unter Beteiligung der Kinder seine Lambertusfeier auf dem Lambertiplatz ab. Der Spielmannszug startete zu einem Zweitagesausflug ins Sauerland, die Feuerwehr nach Limburg an der Lahn. Ende September wurde die Nordenbleiche entschlammt. In der Aula der Realschule fand für betagte Sendenhorster ein Altentag statt. Am 14.9. trafen sich 800 Teilnehmer in Sendenhorst zum evgl. Kreis-Gustav-Adolf-Fest. Ebenso fand im September unweit der „Waldmutter“ das Kreisjugendturnier des Kreisreiterverbandes Beckum statt.

Oktober
Im Monat Oktober feierte der Kirchenchor „Cäcilia 1869“ an drei Tagen sein 100jähriges Bestehen. Der Kolpingchor errang beim Sängerwettstreit in Meinerzhagen den 4., die Jagdhornbläsergruppe beim Wettstreit in Beckum den 5. Preis. Durch Vermittlung der Jungen Union flog eine Gruppe junger Sendenhorster zu einer Besuchsfahrt in die Sowjetmetropole Moskau. Die Landjugend veranstaltete aus Anlaß des Erntedankfestes auf der Kirmeswiese am Bahnhof ein Geschicklichkeitswettstreit im Treckerfahren. Auf der Schützenversammlung des Allgemeinen Schützenvereins wurden jüngere Mitglieder in den Vorstand gewählt. Die Schießsportgemeinschaft renovierte durch Eigenhilfe ihren Schießstand in der Gaststätte Peiler. In den Herbstmonaten trafen sich traditionsgemäß frühere Schuljahrgänge zu Wiedersehensfeiern in ihrer Heimat- und Geburtsstadt.

November



Der Monat November begann mit der Allerseelenprozession zum Friedhof. Am 9.11. war Kommunalwahl. Die Bürgerschaft wählte einen neuen Rat. Das Volksbildungswerk St. Martin trat erneut mit einem vielseitigen Programm an die Öffentlichkeit. Die Feuer des Volkstrauertages wurde nach neuen Gesichtspunkten ausgerichtet. Die Feuerwehr suchte am Buß- und Bettag die Bauerngehöfte auf, um die Förderbeiträge zu kassieren. Die letzte Schafherde von Sendenhorst, die des Bauern The. Niestert aus der Bauerschaft Brock wurde abgeschafft. Der einheimische Kaninchenzüchterverein und die drei Taubenzuchtvereine veranstalteten eine Leistungsschau ihrer besten Züchtungen.

Dezember

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GOTTES SEGEN erflehte Pfarrer Brink auf die neue Realschule und ihre Lehrer und Schüler bei der feierlichen Einweihung am 13. Dezember

Im Dezember fand am Nikolaustag das diesjährige Hosenlakenschießen der Bundeswehr gemeinsam mit Bürgern aus Sendenhorst bei der 4. Kp. in Ahlen statt. Am 13.12. war der Tag der Einweihung der neuen Realschule, dem sich ein „Tag der offenen Tür“ anschloß. Die evgl. Kirchengemeinde wählte ein neues Presbyterium, das am 7.12. feierlich eingeführt wurde. Die Feuerwehr veranstaltete erstmals eine Nikolausfeier. Der Chor der 4. Kp. des Pz.-Gren.-Btl. 192 aus Ahlen sang vor Weihnachten für die Kinder im St.-Josef-Stift. In der Aula der Realschule führte Lehrer Reiling im Rahmen des Kreisjugendmusikwerkes ein adventliches und weihnachtliches Singen und Musizieren der Schuljugend durch. Das einheimische Deutsche Rote Kreuz veranstaltete wie in den Vorjahren eine Adventsfeier für die betagten Mitbürger. Am Heiligen Abend erklang um Mitternacht die traditionelle Blasmusik der heimischen Stadt- und Feuerwehrkapelle.

Aussicht auf die 70er
Nun geht Sendenhorst in entscheidende Jahre. Großprojekte wie ein Interkontinental-Flughafen und ein Protonenbeschleuniger werden möglicherweise im Raum Sendenhorst gebaut. Damit wird sich für die alte Stadt ein neues Aufgabengebiet ergeben. Sie könnte Wohn- und Wirtschaftszentrum für einen neuen Raum werden. Aber auch Fragen der kommunalen Neuordnung stehen noch im Raum. Wird Sendenhorst zu Münster kommen oder - gemeinsam mit Vorhelm und Enniger - zu einem eigenen Zentrum werden?

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Werden die Fluggäste aus New York Sendenhorst so sehen, wenn ihr Junbo-Jet zum Interkontinantal-Flughafen einschwenkt? Hansa-Luftbild - Freigegeben durch den Regierungspräsidenten in Münster

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