1974 - Das war Sendenhorst 1974 - 31.12.1974

Ein ereignisreiches Jahr Rückblende auf große und kleine Geschehnisse zwischen Neujahr und Silvester - Absoluter Höhepunkt im kommunalpolitischen Geschehen war die Eröffnung des Hallenbades am 21. Juni. Innerhalb von 45 Tagen wurden 20.000 Besucher gezählt.

Hallenbad kurz nach der Eröffnung

SENDENHORST. Ein Jahr geht zu Ende. War es ein Jahr wie viele vorher? War es ein Jahr der Höhepunkte? Gewiß - vieles im Ablauf des Jahres wiederholte sich, aber vieles war gerade in diesem Jahr neu und „geht in die Geschichte ein“. Kunterbunt und ohne spezielle Auswahl ist in unserer Jahreschronik der Stadt Sendenhorst zusammengetragen, was gerade noch erinnerlich war. Das ist keine mit Anspruch auf letzte Vollständigkeit geführte Darstellung, und die Grenzen zwischen Höhepunkten und allgemeinem Jahresablauf verwischen sich. Dennoch soll sie an das eine oder andere Ereignis erinnern und ein buntes Spiegelbild des Geschehens im Laufe des Jahres 1974 in der Stadt Sendenhorst vermitteln.

Januar
    Im Januar sammelten die Sternsinger über 2000,-- DM. Große Trauer herrschte, über den plötzlichen Tod von Pastor Mennemann. Eine seit dem 13. Dezember 1973 vermißte Frau aus Sendenhorst wurde am 2. Januar tot aus der Nordenbleiche geborgen. Die freiwillige Feuerwehr feierte bei Kaupmann ihr Winterfest und hielt im „Alten Gasthaus Suermann“ ihre Jahreshauptversammlung ab. Im alten Pfarrhaus fand die Generalversammlung des Kirchenchores Cäcilia 1869 statt. Der Allgemeine Schützenverein feierte Winterkränzchen bei der „Waldmutter“; die Kaninchenzüchter tagten bei Kaupmann. Ökumenische Gottesdienste fanden in der Woche vom 20. bis 27. Januar in beiden Kirchen statt. Der Haushaltsplan der Stadt Sendenhorst 1974 wurde verabschiedet. Er schließt im Verwaltungshaushalt mit 4 773 400 DM und im Vermögenshaushalt mit 4 510 100 DM ab.

Februar
    Im Februar tagte der alte Pfarrgemeinderat der Kirchengemeinde St. Martin zum letzten Male. Die Kolpingfamilie feierte Karneval in der Aula der Realschule, die Sportgemeinschaft bei der „Waldmutter“. Die Junge Union diskutierte mit den Bürgermeistern des Amtes und der Stadt. Das Baugebiet „Plattenbree“ wurde vermessen. Am 15. Februar brannte das Hauptgebäude des Hofes Feldmann in der Bauerschaft Elmenhorst nieder; gemeinsam bekämpften die Wehren aus Sendenhorst und Albersloh den Großbrand. Dr. Laink-Vissing wurde zum Vorsitzenden der Sportgemeinschaft gewählt.


Bild: Die Jugend beteiligte sich aktiv am kirchlichen Leben in beiden Gemeinden. Eigens gestaltete Jugendmessen fanden viel Anklang und Verständnis.

März

    Im März entsandte die Germania-Brauerei Münster aus Anlaß des 50-jährigen Bestehens des Bierverlags B. Silling einen von Pferden gezogenen Prunkbierwagen nach Sendenhorst. MdB Heinrich Windelen aus Warendorf sprach vor der Kolpingfamilie. An der Ecke Schulstraße/Weststraße zeigt ein großer Baukran die Baustelle des ersten Wohn- und Geschäftshauses im Sendenhorster Sanierungsgebiet an. Am 24. März fand die Wahl des neuen Pfarrgemeinderats statt. Der Kirchenchor „Cäcilia“ nahm am Kreisleistungssingen zum Titel „Meisterchor“ in Dortmund-Schwerte teil. 17 Sendenhorster Frauen und Männer erhielten aus der Hand des DRK-Vorsitzenden, Amtsdirektor Esser, Ehrennadeln als langjährige Blutspender. Jungkolping besuchte die Justizvollzugsanstalt Vechta. Die Martinusschützen hielten bei Laumann eine Versammlung ab. Die Voltigiergruppe des Reit- und Fahrvereins Sendenhorst fuhr zum Internationalen Reitturnier in die Dortmunder Westfalenhalle. Das Baugebiet Hagenholt erhielt einen separaten Fußweg mit einer Holzbrücke über den Helmbach. In der Eingangshalle des St.-Josef-Stifts wurde eine handgeschmiedete Vierjahreszeitenuhr angebracht.

April
    Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am ersten April der am 27. März verstorbene Dr. med. Karl Schäfer zu Grabe getragen. Die Sendenhorster Reiter wählten einen neuen Vorstand. Die Junge Union hielt im JU-Heim einen Filmabend ab. An der Bahnhofsstraße fand mit 30 Kirmeswagen eine gutbesuchte Frühjahrskirmes statt. Der Hallenbadausschuß legte die Benutzungs- und Gebührenordnung für das neue Hallenbad fest. Der neugewählte Pfarrgemeinderat fand sich zur ersten und konstituierenden Versammlung im alten Pfarrhaus ein. An den Osttürmen der Pfarrkirche begannen Ausbesserungsarbeiten.

Bild: Der neue Fanfarenzug trat anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Kolpingfamilie erstmals an die Öffentlichkeit und war seitdem bei allen großen Festen dabei.

Mai
    Im Mai feierte die Kolpingfamilie Sendenhorst in einer Festwoche vom 5. bis 11. Mai ihr 60jähriges Bestehen. Zum Abschluß fanden an zwei Abenden im großen Festzelt auf dem Lambertiplatz Musikparaden mit internationalen Stars statt. Der Heimatverein hielt am 14. Mai eine Generalversammlung bei Laumann ab; neuer Vorsitzender wurde H. G. Fascies. Die Landjugend trat zu freundschaftlichen Fußballspielen an. Vier Klassen der Grundschule gingen erstmals zum Tisch des Herrn. Der Basar der Mädchengruppe Jungkolping brachte 922,-- Mark ein. Der Betrag wurde als Spende der Krankenhaussonderschule in Sendenhorst überreicht. In der „Waldschänke“ feierte die Ehrengarde des Allgemeinen Schützenvereins ihr eigens Schützenfest. Die Johannisbrüder wählten in der Gaststätte „Zum Südpol“ Hermann Stadtmann zum neuen Oberst.

Bild: Der Fahnenschlag zum Schützenfest ist immer wieder Anziehungs- und Höhepunkt

Juni

    Am 2. und 3. Juni (Pfingsten) gewannen die Sendenhorster Meßdiener auf einem Fußballturnier unter zehn Mannschaften in Drensteinfurt den Siegerpokal. Am 21. Juni wurde mit einem Festakt das neue Hallenbad seiner Bestimmung übergeben. Die Johannisbrüder feierten erstmals bei der „Waldmutter“ ihr Schützenfest; König wurde Josef Mertens. Der Kirchenchor „Cäcilia“ startete zu einer dreitägigen Ausflugsfahrt nach Flandern. Am 8., 9. und 10. Juni war großes Schützenfest mit König Dr. Albert Meisterernst und Königin Frau Schulze Roetering-Gaßner. NRW-Minister W. Figgen besichtigte das St.-Josef-Stift Sendenhorst, das mit seinem 306 Betten-Haus eine Krankenhauslücke zwischen Ahlen und Münster schließt. Am 21. Juni hielten der SPD-Ortsverein eine Mitgliederversammlung ab.

Juli
    Im Juli beteiligten sich über 120 Personen an der Fußwallfahrt nach Telgte. Mit großer Trauer vernahm Sendenhorst die Nachricht, daß Schwester Walbertine, die seit 1937 unermüdlich auf der Frauenstation des Krankenhauses wirkte, verstorben ist. Die Pennigstiege wurde ausgebaut. Das alte Pastoratsgebäude erhielt einen neuen Außenanstrich. Das Hallenbad wies Rekordbesuche auf. Die Pfadfinder veranstalteten in Untiedts Garten Kinderkirmes und Lagerfeuer sowie eine Familienstafette. Die Martinusschützen weilten zu einem Freundschaftsbesuch bei der Schützenbruderschaft St. Sebastian in Westtönnen. Die Feuerwehr feierte ihr Sommerfest bei Dauerregen auf der Hardt. Die Realschule Sendenhorst demonstrierte beispielhaft musische Bildung in ihrer Aula unter der Regie von Lehrer Dirk von der Kooy. Ein bunter Kindernachmittag an der Grundschule erbrachte eine Spende von 1800,-- DM für die Aktion Sorgenkind. Die Teilnehmer der Gitarren- und Akkordeonkurse des Bildungswerkes St. Martin zeigten an einem Vorspielabend unter Leitung von Josef Reiling ihr Können. Die Kleingärtner feierten in ihrer Gartenanlage ein gelungenes Sommerfest. Die NRW-Landesregierung sicherte Sendenhorst neben dem Ausbau der Landstraße 586 von Sendenhorst nach Albersloh den Bau einer Umgehungsstraße zu. Die Renovierung der Osttürme und des Westturmes der Pfarrkirche St. Martin erforderten einen Kostenaufwand von rund 150 000 DM. Am 26. Juli erschien im Bundesgesetzblatt das Gesetz zur Neuregelung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm, das den Kreis Beckum auflöst und die Gemeinden Sendenhorst und Albersloh ab 1. Januar 1975 zu einer Stadt Sendenhorst vereinigt. Der Jungkolping Sendenhorst lud zu einer Fahrrad-Rallye rund um Sendenhorst ein. 22 Teilnehmer gingen an den Start und bewältigten die nicht einfache Strecke. Zahlreiche Preise winkten den erfolgreichsten Fahrern. Das Fußballfieber griff weit um sich, und das DRK hatte ein Einsehen. Alle Blutspender brauchten die zweite Finalrunde der Weltmeisterschaft nicht zu verpassen: Die Rotkreuzler hatten vorsorglich ein Farbfernsehgerät aufgestellt. 29 Damen und 20 Herren des Schuljahrganges 1923/24 trafen sich zu einer Wiedersehensfeier in ihrer Heimatstadt Sendenhorst.

Bild: neue Glocken, die ersten aus Bronze, erhielt die evangelische Friedenskirche mit ihrer Weihe am Erntedanktag

August

    Am 2. und 3. August eröffnete die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft eGmbH mit einem „Tag der offenen Tür“ ihren „Westmarkt“ mit einem Angebot für Haus, Hof und Garten. Das DRK führte eine Werbeaktion durch. Hinter dem Mühlenknapp ist der Mittelweg ausgebaut worden. Der Sendenhorster Stadtrat beschloß als zweckmäßigste Lösung eine nördliche Umgehungsstraße als Ausgleich für die negativen Auswirkungen der geplatzten Großflughafenplanung. Für das Baugebiet „Garrath“ soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. In den ersten 45 Tagen seit seiner Eröffnung hat das Hallenbad 20 000 Besucher aufzuweisen. 1,9 Millionen DM Erschließungskosten erfordert das neue Baugebiet „Schörmel“. Am 9. August sorgten anhaltende Gewitterniederschläge für zahlreiche Überschwemmungsschäden, die zu einem zweitägigen Dauereinsatz der Sendenhorster Feuerwehr führten. Der Turm der Evgl. Friedenskirche wird nach einem Beschluß des Presbyteriums der Kirchengemeinde um- und ausgebaut. Dazu sollen durch Spenden zwei neue Bronzeglocken angeschafft werden. Der Heimatverein beschloß in einer Vorstandssitzung die Herausgabe eines Informationsblattes über Sendenhorst und Albersloh zum 1. Januar 1975. Die Sportgemeinschaft veranstaltete in der letzten Ferienwoche eine Woche des Sports, in der sich 60 Sendenhorster die Trimm-Medaille erkämpften. Wie alljährlich fuhren Stadt- und Feuerwehrkapelle an Mariä Himmelfahrt nach Warendorf und intonierten dort mit anderen Musikkapellen bekannte Marienlieder. Sendenhorster Kinder verbrachten unvergeßliche Ferien in der Wildschönau (Tirol).

September
    Am 10. September startete der Heimatverein zu einem gelungenen Ausflug nach Arnheim/Holland. Die Liebesgasse erhielt eine meterbreite Plattierung. Am 17. September fand traditionell das Lambertussingen der Kinder statt. Mit dem Ausbau eines Wanderweges vom alten Postweg zur Hoetmarer Straße und weiter zur Telgter Straße ist begonnen worden. Der Pfarrgemeinderat beschließt, ein Pfarrfamilienfest und eine Pfarrkirmes abzuhalten. Das Bildungswerk St. Martin legte ein neues Winterprogramm 1974/75 mit reichhaltigem Angebot vor. Die Kolpingfamilie veranstaltete ihr Sommerfest; König wurde Gerd Steiling. 60 Sendenhorster beteiligten sich als Gäste am Hosenlakenschießen der Bundeswehr (4. Kp.) in Ahlen. Die Feuerwehren von Sendenhorst und Albersloh trafen sich zu einer Großübung in der Bauerschaft Elmenhorst auf den Höfen Pohlmeier und Hattrup-Mayer. Die Spadaka Sendenhorst entschloß sich zu einer Namensumtaufe: Künftig ist von der Volksbank Sendenhorst die Rede. Die Burgbühne besuchte zum Abschluß der Spielzeit das St.-Josefs-Stift. Das Lambertussingen fand wie eh und je großen Anklang. Ebenfalls großen Anklang fand die traditionelle Herbstkirmes, die in diesem Jahr um eine Woche vorverlegt worden war. Die jüngsten Schüler der Realschule St. Martin zeigten ihren Eltern, was sie im Musikunterricht gelernt haben.

Bild: Der Bauauftrag für das neue Bürgerhaus vergab der Rat in seiner letzten Sitzung an die Vellener Bauunternehmung Gebr. Wittkemper

Oktober

    Am 5. Oktober hielt der Schützenverein St. Martinus im Saale Kaupmann Rückschau auf das große Schützenfest. Für Alleinstehende fand durch Initiative des Caritasarbeitskreises im alten Pfarrhaus ein „Treffpunkt“ statt. In Verbindung mit dem Erntedank- und Missionsfest erhielten zwei neue Glocken der Friedenskirche die kirchliche Weihe. Verschiedene Schuljahrgänge trafen sich zu Wiedersehensfeiern. Die Kirchengemeinde St. Martin hatte ein gelungenes Pfarrfamilienfest und eine gut besuchte Pfarrkirmes zu verzeichnen. Theodor Alberternst, ein gebürtiger Sendenhorster, erhielt in Zweibrücken die amerikanische Tapferkeitsmedaille verliehen. Die Feuerwehr veranstaltete eine Brandschutzwoche mit Schauübung an der Kardinal-von-Galen-Schule.

November
    Am 1. November fuhren die Kolpingsöhne nach Bremen. Gute Beteiligung fand die Allerseelenprozession zum Friedhof am Nachmittag des Allerheiligentages. Das Sendenhorster Hallenbad erhielt auf Beschluß des Stadtrates an der Vorderfront ein buntes Wellenband. Am Volkstrauertag fand eine Gedenkstunde am Kriegerehrenmal am Osttor statt; Pastor Günther hielt eine Gedenkrede. Der Ausbau der Ortsausfahrt an der nach Wolbeck führenden Landstraße fand mit der Fertigstellung des Bürgersteiges seinen Abschluß. In Albersloh kam es zur ersten Kontaktaufnahme des Sendenhorster Heimatvereins mit allen Vereinsvorständen und sonstigen Institutionen. Der Sendenhorster Stadtrat faßte einen Schnellbeschluß über den Bau eines Bürgerhauses anstelle des Kaupmannschen Saalbaues, das zum Teil aus Mitteln des Konjunkturförderungsprogramms der Landesregierung NRW finanziert wird.

Dezember
    Im Dezember fanden vom DRK und den Kirchengemeinden inszenierte Advents- und Weihnachtsfeiern für betagte Mitbürger und ausländische Familien statt. In der Pfarrkirche St. Martin erklang geistliche Abendmusik. Die Kolpingfamilie und der Kolping-Chor hielten Generalversammlungen ab. Die Schießgruppe des Allgemeinen Schützenvereins veranstaltete ein Preisschießen. Die Feuerwehren von Sendenhorst und Albersloh vereinigten sich zu drei Löschzügen. In der Hl. Nacht erklang Blasmusik am St.-Josef-Stift. Festliche Gottesdienste unter Mitwirkung der Kirchenchöre erklangen zu Weihnachten in allen Kirchen. Der Rat der Stadt und die Amtsvertretung Sendenhorst hielten ihre letzten Sitzungen ab; Wappenteller wurden als Erinnerungsgaben überreicht. Für die Vakanzzeit übernimmt Bürgermeister Ewald Rüschenschmidt aus Albersloh (Stellvertreter Franz Keweloh aus Sendenhorst) für den Rat und Heinrich Esser aus Sendenhorst (Stellvertreter Bernhard Schmies aus Sendenhorst) für die Verwaltung die Geschäfte bis zur Neuwahl der Stadtvertretung im Mai 1975.

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