1955 - St. Josef-Stift in Sendenhorst - Eine moderne Heilstätte für alte und junge Kranke

Heute steht die orthopädische Abteilung im Vordergrund. Von wo auch immer sich der Fremde Sendenhorst nähert, erblickt er schon aus geraumer Entfernung neben den Türmen der Pfarrkirche einen weiteren Turm, den er zunächst ebenfalls als einem Gotteshaus zugehörig ansehen wird. Wenn der das Städtchen selbst erreicht hat, erfährt er voll Staunen, daß der schiefergedeckte Helm einem Krankenhaus angehört. Der Fremdling wird die Frage nicht zurückhalten können, wie denn Sendenhorst ein so großes Krankenhaus erhalten haben mag.

Der Blick hat sich verändert ... St. Josef-Stift in den 1950ern - Teich mit Blick von Süden auf die Schulstation

Das Sankt-Joseph-Stift sagt schon auf seinem Namen an, daß es seine Entstehung einem Stiftungsgeschäft verdankt. Wer über eine Stiftung etwas zu sagen hat, wird mit dem Stifter beginnen. – In unserem Falle tun wir das umso lieber, als der Stifter ein Sohn der Stadt Sendenhorst ist.

Der am 11. Oktober 1813 auf der Weststraße geborene Joseph Spithöver hatte noch in der Heimat das Buchbinderhandwerk erlernt und dann sein Glück in der ewigen Stadt versucht. Seiner Zähigkeit und Tüchtigkeit gesellte sich das Glück zu. So wurde Spithöver, der eine angesehene Buchhandlung an der Piazza di Spagna unterhielt, zu einem vermögenden Mann.  Er vergaß aber auch unter den Palmen des Südens nicht seine arme Heimatstadt, der er im letzten Jahrzehnt seines Lebens ein großes Krankenhaus stiftete.

Im März 1887 legte man den Grundstein. Am 16. September 1889 wurde das Haus in Anwesenheit des edlen Stifters unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung von Sendenhorst und Umgebung dem hl. Joseph geweiht. Die Anlagekosten beliefen sich auf 350 000 Mark. Durch den Zinsertrag von weiteren 330 000 Mark sollte die Stiftung, der die Stellung einer juristischen Person des bürgerlichen Rechts verliehen wurde, sich für alle Zeiten unterhalten können. So hatten es die Sendenhorster einem hochgesinnten Mitbürger zu verdanken, daß sie nun ein Krankenhaus besaßen, um das sie weit und breit beneidet wurden. – Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg gefährdete mit der Entwertung der für die Unterhaltung bestimmten Reserven ernstlich den Bestand der Stiftung überhaupt. Sie mußte auf eine neue finanzielle Grundlage gestellt werden, wodurch zwangsläufig einige Privilegien, die der Stifter seinen Mitbürgern zugedacht hatte, nicht mehr voll zum Tragen kamen.

In Verbindung mit dem Provinzialverband Westfalen wurde das Haus, ohne seine Selbständigkeit zu verlieren, zu einer modernen Heilstätte für Knochen-, Drüsen- und Gelenktuberkulose ausgebaut, als die es heute im ganzen Westfalenland bekannt ist. Der Ausbau ist unauslöschlich verbunden mit dem Namen des damaligen Rektors Goßens, der sich auch durch andere Einrichtungen einen unvergeßlichen Namen auf dem Gebiete der privaten Wohlfahrtspflege geschaffen hat. Er war es auch, der das Stift im Jahre 1927 um einen Großbau, das Franziskushaus, erweiterte, der in der Achse der Kapelle zum Süden hin errichtet wurde. Zu dieser Zeit erwarb das Kuratorium, dessen Vorsitz der Stadtpfarrer führt, auch das Gut Röper. So verbreiterte die Stiftung ihre wirtschaftliche Basis, um auch in Zeiten der Not den Schwerkranken Nahrung geben zu können, derer sie bedürfen. Bezeichnet man Karitasdirektor Goßens als Gründer, so muß man den derzeitigen Leiter des Hauses, Prälat Huthmacher, als Bewahrer und Behüter bezeichnen. Er hat das von seinem Vorgänger übernommene Werk gefestigt und sich um einen organisatorischen Ausbau verdient gemacht.

Die Anstalt mit ihren 300 Betten erfreut sich nun schon seit Jahrzehnten über die Grenzen Westfalens hinaus des Rufes einer führenden Klinik in der Behandlung der extrapulmonalen Tuberkulosen, besonders der Knochen-, Drüsen und Gelenktuberkulose. Immer wieder suchen Kranke aus allen Teilen Deutschlands hier Hilfe und Rat. Die Erfolge der Klinik, unter der umsichtigen ärztlichen Leitung des Landesobermedizinalrates Dr. Lintel-Höping und seiner Mitarbeiter, zusammen mit den Schwestern des hl. Franziskus und den Angestellten, beruhen auf gründlichen wissenschaftlichen Fachkenntnissen, die alle modernen medizinischen Erfahrungen anwenden, und auf einer menschlichen Wärme und Anteilnahme, die allen Kranken entgegengebracht werden. Die Atmosphäre des Hauses ist das Fluidum einer großen Familie, in der jeder einzelne Mensch seine volle Achtung findet.

Den zahlreichen Kindern geben drei Lehrerinnen in der jetzt staatlichen Sonderschule das Rüstzeug für das Leben. Später berichten die ehemaligen Schüler oft von den Erfolgen, die ihnen der individuelle Unterricht gebracht hat.

Nach dem merklichen Rückgang der Tuberkulose in den letzten Jahren hat sich die der Anstalt angeschlossene orthopädische Abteilung immer mehr in den Vordergrund geschoben. Zahlreiche Jugendliche und alte Leute suchen Hilfe, ob sie nun unter angeborenen Fehlbildungen des Skeletts, den Folgen einer Kinderlähmung, den im Zunehmen begriffenen Haltungsschäden oder Verschleißerscheinungen am Stützgewebe des Körpers zu leiden haben.

Möge die Stiftung Joseph Spithövers, die heute nicht mehr allein den Kranken seiner Vaterstadt zum Segen gereicht, weiterhin vielen Heilung und Genesung bringen und den Geist wahrer Karitas atmen zum Wohle leidender Menschen.

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